Unternehmen erwarten bessere Geschäfte

Baden-Baden (tas) – Ist das der Befreiungsschlag? Die Auftrgasbücher der heimischen Exporteure laufen nach und nach voll. Das macht den Fachkräftemangel wieder zum Thema.

Arbeit an einer Wasserturbine bei Voith: Der Anlagenbau profitiert derzeit von einer deutlichen Erholung.Foto: Stefan Puchner/dpa

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Arbeit an einer Wasserturbine bei Voith: Der Anlagenbau profitiert derzeit von einer deutlichen Erholung.Foto: Stefan Puchner/dpa

Die Prognosen hellen sich auf, die Unternehmen werden in ihren Planungen wieder mutiger. Am Mittwoch meldeten Chemieindustrie, Maschinenbau und andere deutsche Exporteure deutlich verbesserte Geschäfte in den vergangenen Wochen und Monaten, die Erwartungen für die zweite Jahreshälfte zeigen großen Optimismus.

Eine der Leitbranchen, der Maschinen- und Anlagenbau, erhöhte am Mittwoch seine Prognose für den Produktionszuwachs im Gesamtjahr 2021 von sieben auf zehn Prozent. 2020 hatten sie ein Minus von zwölf Prozent hinnehmen müssen. Treiber ist das traditionell wichtige Exportgeschäft. Während die Ausfuhren von Maschinen und Anlagen im Januar und Februar noch 12,8 Prozent beziehungsweise 4,8 Prozent im Minus lagen, ging der März bereits mit einem Plus von 12,4 Prozent in die Bücher ein. Die Nachfrage aus China zog sprunghaft an.

Gut ist die Stimmung auch in der chemischen Industrie. „Die ersten Monate machen Hoffnung auf ein gutes Chemiejahr. Die Nachfrage nach Chemikalien und Pharmazeutika nimmt zu“, sagt der Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) Christian Kullmann. Statt der bisher prognostizierten fünf Prozent will die Branche beim Umsatz acht Prozent zulegen.

Gestützt wird diese Sichtweise auch von Ökonomen. Zwar gab das vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) veröffentlichte Konjunkturbarometer für den Juni um 4,6 auf 79,8 Punkte nach, doch das ist eher einer Normalisierung der Erwartungen geschuldet. „Die wirtschaftliche Erholung schreitet voran. Die ZEW-Konjunkturerwartungen sinken zwar im Juni, befinden sich aber auf einem sehr hohen Niveau“, sagt ZEW-Präsident Achim Wambach. „Der Rückgang der Erwartungen dürfte größtenteils auf die erheblich bessere Beurteilung der Wirtschaftslage zurückzuführen sein, die inzwischen auf Vorkrisenniveau gestiegen ist. Die Finanzmarktexpertinnen und –experten gehen für das nächste halbe Jahr daher weiterhin von einer kräftigen Konjunkturerholung aus.“

Optimistischer als noch vor Monaten


Was das ganze für die Unternehmen in Baden-Württemberg bedeutet, lässt sich leicht ableiten. Das exportstarke verarbeitende Gewerbe aus dem Chemie- und dem Metallbereich spielen im Südwesten traditionell eine wichtige Rolle. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass die Südwest-Verarbeiter im März ein Umsatzplus von 18,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum verbuchen konnten. Und für April steht bereits ein Zuwachs von 62,2 Prozent fest. Noch im Januar lag das Minus hier bei 11,6 Prozent.

Die Chemiebranche in Baden-Württemberg sieht den Aufschwung mittlerweile auch optimistischer als noch vor Monaten. Im Februar stellte der in Baden-Baden ansässige Verband Chemie.BW ein Umsatzwachstum zwischen zwei bis drei Prozent für 2021 in Aussicht. Mittlerweile rechnet Verbandssprecher Andreas C. A. Fehler damit, dass die Prognose mindestens am oberen Rand liegen wird, eher aber noch darüber, wie er auf Anfrage des BT sagte. „Wir gehen davon aus, dass sich der positive Trend fortsetzen wird.“ 2020 war die Branche aufgrund des hohen Anteils pharmazeutischer Betriebe im Südwesten aber auch nicht so stark abgestürzt wie der Gesamtsektor in der Bundesrepublik.

Die positiven Vorzeichen hatte bereits die Entwicklung des Konjunkturklimaindex der Industrie- und Handelskammer Karlsruhe verzeichnet. Dieser legte zuletzt von 116 auf 125 Punkte zu. Der IHK-Index erreicht damit fast wieder den Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre von 128 Punkten. Die Zuversicht in den Unternehmen hat zudem deutliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Laut der IHK-Umfrage plant im Branchendurchschnitt jeder vierte Betrieb in den kommenden zwölf Monaten bereits wieder Neueinstellungen.

Und hier liegt auch eines der großen Probleme für eine Rückkehr auf den Pfad „normaler“ wirtschaftlicher Entwicklung: das leidige Problem des Fachkräftemangels, der neben den Schwierigkeiten beim Bezug von Rohstoffen die Abarbeitung der sich füllenden Auftragsbücher am stärksten hemmt. Laut einer Umfrage des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft und der Mittelstandsallianz ist für 83,5 Prozent der Firmen das Thema Fachkräftemangel derzeit sehr wichtig oder wichtig. Auch die Umfrage der IHK Karlsruhe sieht hier ein Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung der kommenden Monate.


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