Untertunnelung: Skepsis bei der Baden-Badener OB

Baden-Baden (nof) – Mit ihrer Vision, die B500 zwischen Cité-Kreisel und Michaelstunnel unter die Erde zu verlegen, hat die CDU in der Stadt zumindest für eines gesorgt: für Gesprächsstoff.

Grün statt grau? Die Idee einer Tieferlegung des Zubringers löst unterschiedliche Reaktionen aus.  Foto: Nico Fricke

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Grün statt grau? Die Idee einer Tieferlegung des Zubringers löst unterschiedliche Reaktionen aus. Foto: Nico Fricke

„Wir wollten eine Diskussion anstoßen. Das ist uns geglückt“, sagt Ansgar Gernsbeck, CDU-Fraktionsvorsitzender im Baden-Badener Gemeinderat. „Und wir wollen an dem Thema dranbleiben. In den kommenden zwei Wochen wird festgelegt, wie und wann wir die angekündigten Informationsveranstaltungen für Fachgruppen und Bürger anbieten werden.“ Ziemlich sicher werde es auf digitale Formate hinauslaufen. Aber man wolle nicht warten, bis die Corona-Pandemie vorbei ist, sondern jetzt weitermachen.

Workshop ins Frühjahr 2021 verlegt

Ein für diese Woche anberaumter Workshop des Gemeinderats mit dem Schwerpunkt „Verkehr und Mobilität“, bei dem auch das Konzeptpapier hätte diskutiert werden können, ist coronabedingt in das erste Quartal 2021 verlegt worden, bestätigte Oberbürgermeisterin Margret Mergen: „Wir wollen persönliche Treffen dieser Art im Moment vermeiden.“ Nach der Zeit, die von der ersten Idee zur Zubringer-Untertunnelung bis heute verstrichen sei – rund 32 Jahre – komme es auf ein paar Monate nicht mehr an. Die OB lässt auf Nachfrage aber eine gewisse Skepsis gegenüber dem Positionspapier erkennen, in dem CDU-Kreisvorstand und CDU-Gemeinderatsfraktion die Untertunnelung der B500 fordern und sich Unterstützung der mittelbadischen CDU-Landtags- beziehungsweise Bundestagsabgeordneten geholt haben.

„Tunnelbauten sind unheimlich teuer“

„Wenn man es sich wünschen könnte, wäre es schön“, sagt Mergen. „Dann hätten wir nicht den vielen Verkehr auf der Europastraße.“ Unabhängig davon, wer die Idee als Erster geäußert hat – die SPD hat den Vorschlag schon 1988 unterbreitet und 2015 wiederholt – „ist die Frage von mir auch schon im Rathaus diskutiert worden, damals noch mit Bürgermeister Werner Hirth“, so Mergen. Denn eine Untertunnelung sei zunächst eine „bestechende Idee“ – die aber viele Schwierigkeiten nach sich ziehe. „Tunnelbauten sind unheimlich teuer. Im Bau und im Betrieb“, gibt Mergen zu bedenken. Einer Machbarkeitsstudie, wie sie nun von der CDU vorgeschlagen wird, „würde ich mich aber nicht verschließen“, wenn die Mehrheit des Gemeinderats das fordert. Doch plädiere sie zunächst nur für eine Grobanalyse. „Solche Gutachten können sehr schnell sehr teuer werden, je detaillierter man sich die Ergebnisse wünscht.“

„Lebensader für Baden-Baden“

Die B500 sei die „Lebensader“ für Baden-Baden. Den Verkehrsfluss von und zum Rheintal müsse es geben. Sie sehe die vielen Querverkehre zur Schwarzwaldstraße oder zur Weststadt problematisch, wollte man diese an einen Tunnel anschließen. Eigene Zufahrten wären technisch aufwendig. „Und diese Tunnelzufahrten sind riesige Gebilde, wie man am Michaelstunnel sehen kann. Das ist nichts Schönes“, schmälert sie die Vorstellung von viel Grün und neuen Wohngebäuden auf der entstehenden Freifläche. Außerdem müsste geklärt werden, welche Verkehre ober- und welche unterirdisch geführt werden. Und dann gehe es natürlich darum, an Fördermittel zu gelangen. „Da braucht es gute Begründungen beim Bund, warum ausgerechnet dieses Projekt notwendig ist“, weiß Mergen. Das Thema Verkehr beschäftige die Verwaltung und den Gemeinderat aber ohnehin: Zur Optimierung sieht Mergen Chancen in einer Busspur auf dem Zubringer und zweier Verkehrskreisel an Ebert- und Verfassungsplatz. Außerdem werde die E-Mobilität in den nächsten fünf Jahren deutlich zunehmen. „Das wird auch Lärm und Gestank auf der B500 reduzieren“, so die OB.

Grüne: Individualverkehr reduzieren

Während die Freien Wähler und die SPD als Ideenurheber schon ihre Unterstützung für eine Machbarkeitsstudie signalisiert haben, setzen die Grünen auf ein Gesamtverkehrskonzept, in dem die Untertunnelung ein Bestandteil sein könnte. „Wir kennen den Vorschlag bislang nur aus der Zeitung und hören uns die Idee, wer auch immer sie nun zuerst gehabt hat, gerne an“, sagen die beiden Grünen-Sprecher Sabine Iding-Dihlmann und Fabrice Gireaud. Ziel müsse es aber sein, den Individualverkehr zu reduzieren und nicht attraktiver zu machen. „Da müssen Experten draufschauen.“ Auf jeden Fall sollten die vermutlich hohen Kosten, die eine Machbarkeitsstudie verursachen würde, eher für eine Gesamtbetrachtung der Verkehrssituation mit allen Brennpunkten ausgegeben werden, schlägt Iding-Dihlmann vor. Auch ÖPNV, Fußgänger- und Radverkehr sowie neue Verkehrsformen wie autonomes Fahren sollten berücksichtigt werden, fügt Gireaud an. Der Zubringer-Untertunnelung stehen die Grünen mit Blick auf Kosten und Realisierbarkeit skeptisch gegenüber.

FBB: Tunnel wird Luftschloss bleiben

Die FDP lehnt die Idee einer Untertunnelung als Wahlkampfgetöse der CDU ab und hält sie schlichtweg für nicht finanzierbar. Die FBB-Fraktion findet die Idee „natürlich verlockend“, eine Untertunnelung würde vor allem viele Anwohner entlasten, sagt Stadtrat Markus Fricke. Doch sei die Umsetzung mit Blick auf die Realität einfach nicht darstellbar. „Die Idee wird ein Luftschloss bleiben.“ Ob die Fraktion einer Machbarkeitsstudie zustimmen würde, sei noch nicht geklärt. Von der AfD war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

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Erstellt:
9. Dezember 2020, 20:00 Uhr
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