Unverständnis über IHK-Zwischenprüfung in Karlsruhe

Von BT-Volontär Lukas Gangl

Karlsruhe (galu) – Die Industriekaufleute-Azubis in der Fächerstadt sind verärgert über die Umstände ihrer Zwischenprüfungen. Zu viele Menschen, zu wenig Abstand, berichten die Auszubildenden.

Unverständnis über IHK-Zwischenprüfung in Karlsruhe

Schriftliche Prüfungen sind in Corona-Zeiten keine einfache Sache. Symbolfoto: picture alliance/dpa/YNA

Prüfungen, ob nun an allgemeinbildenden Schulen oder als Teil der Berufsausbildung, sind ein heikles Thema in Zeiten der Corona-Pandemie. Sie werden verschoben, abgesagt oder mit Hygienekonzept durchgeführt. Oftmals gehen die Meinungen der Prüflinge und der Prüfenden auseinander, was zumutbar und verhältnismäßig ist. Ein solcher Fall hat sich am 24. Februar zugetragen: die Zwischenprüfung für Industriekaufleute, ausgerichtet von der IHK Karlsruhe.

Auszubildende verschiedener Betriebe haben sich gemeinsam beim BT gemeldet. Ihre Prüfung fand mit rund 70 anderen Auszubildenden in der Durlacher Festhalle statt. Sie möchten anonym bleiben, da ihnen noch ihre Abschlussprüfung bevorsteht und sie Konsequenzen fürchten, die Namen sind der Redaktion jedoch bekannt.

Bereits im Vorfeld sollen mehrere Betriebe und Einzelpersonen Bedenken gegenüber der IHK geäußert haben, laut eigenen Angaben wurde jedoch stets auf das bestehende Hygienekonzept und die Erfahrungen des vergangenen Jahres verwiesen.

Unzufriedenheit über Hygienekonzept vor Ort

Unter ihnen ist auch Daniel Ochs. Er ist selbst kein Auszubildender mehr, hat aber von 2006 bis 2009 ebenfalls eine Ausbildung absolviert, welche von der IHK geprüft wurde. Er hat sich mit den Azubis solidarisiert, da seine Lebenspartnerin zu den Betroffenen gehört. „Ich habe schon einen Monat vor der Prüfung Mails geschrieben, die stellenweise gar nicht erst beantwortet wurden. Und wenn doch, dann nur sehr forsch“, berichtet Ochs. „Stellenweise wissen die Berufsschullehrer schon gar nicht mehr, wie sie überhaupt noch Noten machen sollen, aber die IHK führt dann Prüfungen mit so vielen Auszubildenden durch, das hinterlässt schon einen bitteren Nachgeschmack“, sagt auch ein Prüfling, der selbst an der Prüfung teilgenommen hat.

Das Hygienekonzept vor Ort sei dann „mehr als fraglich“ gewesen: kein geregelter Einlass, am Eingang zwei Desinfektionsmittel-Pumpspender und der Hinweis auf die geltenden Abstands- und Maskenregelungen. Zusätzlich dazu die Aufforderung, sich selbst seinen Tisch zu suchen, die Plätze seien alphabetisch sortiert worden. „Es war nahezu unmöglich, ausreichend Abstand zu halten, allein schon wegen der Anzahl an Menschen“, merkt eine Auszubildende an. Effizient gelüftet worden sei auch nicht, lediglich die Türen seien geöffnet geblieben, die Fenster jedoch geschlossen. Zusätzlich dazu wurde laut Aussage der Auszubildenden durchgehend geheizt. „Da haben viele Gastwirte bessere Hygienekonzepte, und die dürfen nicht mal öffnen“, sagt Ochs.

„Die Halle selbst ist für so eine Veranstaltung während Corona schon völlig ungeeignet“, fügt er an. Laut der Website der Halle sind in „normalen“ Zeiten Seminare mit bis zu 600 Teilnehmern dort problemlos durchführbar. Die Festhalle Durlach wurde 1985 erbaut, die letzten Sanierungsmaßnahmen hatte man 2004 in Angriff genommen.

Gesundheitsamt: Keine Einwände

Auf BT-Nachfrage nimmt die IHK Karlsruhe Stellung zur Prüfung. So erlaubt die aktuelle Corona-Verordnung für Baden-Württemberg, im Gegensatz zu 2020, ausdrücklich das „Durchführen von Prüfungen insbesondere nach dem Ausbildungsgesetz in Präsenz“. Das Ablegen der Zwischenprüfung sei zudem zwingend notwendig für die Zulassung zur Abschlussprüfung, zumal es jedem Prüfling überlassen worden sei, die Prüfung zu einem Nachholtermin zu absolvieren. Ebenso könne man versichern, dass bei allen bundesweit stattgefundenen Prüfterminen alle Bestimmungen eingehalten wurden, so auch in der Festhalle Durlach. So seien Maskenpflicht und die Bereitstellung von Desinfektionsmittel sowie Abstandsregelungen und Erfassung der anwesenden Personen durchgeführt worden. Außerdem habe man sich strikt an die maximale Personenanzahl von 100 Personen gehalten beziehungsweise diese mit 79 anwesenden Prüflingen und drei ehrenamtlichen Prüfern und Aufsichten sogar unterschritten.

Vonseiten des Gesundheitsamts Karlsruhe gab es im Vorfeld der Prüfungen keine Einwände – zuletzt hatte man bezüglich des Konzepts im Herbst 2020 Kontakt zur IHK, heißt es aus dem städtischen Presse und Informationsamt (PIA). Eine besondere Genehmigung oder Abnahme durch das Gesundheitsamt für die Prüfungsdurchführung werde nicht benötigt, sofern die Vorgaben der Corona-Verordnung des Landes als erfüllt angesehen werden, schreibt das PIA.