Unwetter: Umgestürzte Linde verletzt vier Menschen

Rastatt (ema) – Nachdem beim Unwetter am Montagabend eine umgestürzte Linde beim Park-Restaurant vier Gäste verletzt hat, lässt die Schlösserverwaltung jetzt alle Bäume im Schlosspark untersuchen.

Alles ging rasend schnell: Park-Restaurant-Betreiber Jere Gruja und die vom Sturm gefällte Linde im Biergarten. Foto: Frank Vetter

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Alles ging rasend schnell: Park-Restaurant-Betreiber Jere Gruja und die vom Sturm gefällte Linde im Biergarten. Foto: Frank Vetter

Seit 50 Jahren betreibt Jere Gruja das Park-Restaurant in der oberen Poststraße. Aber das, was er am frühen Montagabend erleben musste, ist ihm in den fünf Jahrzehnten noch nicht widerfahren. „Alles passierte innerhalb von zehn Sekunden. Gewitter, Regen, Blitz, es schüttete wie aus Eimern. Ich steh immer noch unter Schock“, ringt der 76-Jährige am Dienstagmorgen nach dem Unwetter um Worte. Die Terrasse – ein Bild der Verwüstung.
Das Restaurant bleibt geöffnet. Doch wann Gruja die Terrasse wieder für seine Gäste nutzen kann – er vermag es nicht abzuschätzen, nachdem am Abend zuvor ein Blitz in eine Linde einschlug, die daraufhin auf einen anderen Baum stürzte. Vier Gäste wurden laut Polizei verletzt; eine davon schwer. Drei Personen brachte der Rettungsdienst ins Krankenhaus.

Die ans Schloss angrenzende Restaurant-Immobilie gehört dem Land Baden-Württemberg. Die Schlösserverwaltung erklärte, dass die Linde regelmäßig kontrolliert worden sei, zuletzt im August 2020. Fachleute begutachteten gestern die Baumreste, um den Grund für den Bruch zu ermitteln.

„Dass von dem stürzenden Baum vier Menschen verletzt wurden, macht uns alle sehr betroffen“, sagt Michael Hörrmann, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten (SSG). Die Bäume in der Umgebung des Schlosses stünden unter regelmäßiger Überwachung. Sie werden laut SSG alle in einem Baumkataster erfasst. Neben der Schadensforschung an der Linde geht es laut Hörrmann in den nächsten Tagen vor allem auch darum, die gesamten Bäume im Schlossgarten genauer auf Schäden durch das Unwetter zu prüfen. Die Untersuchung und die Aufräumarbeiten im Schlossgarten werden daher in den nächsten Tagen immer wieder dazu führen, dass Bereiche des Schlossgartens abgesperrt werden müssen.

Stromausfall im Ried

Der Baum-Sachverständige Ralf Kastner sagte dem BT, dass die wohl um die 100 Jahre alte Linde im vergangenen August noch nicht bruchgefährdet gewesen sei. Ob der am abgebrochenen Stamm mit einem Durchmesser von 102 Zentimetern deutlich sichtbare Pilzbefall ursächlich für das Abknicken des Baumes ist, könne noch nicht gesagt werden, so Kastner. Im nächsten Monat wäre der nächste Routine-Check der Linde angestanden.

Neben dem Bereich beim Schloss waren Teile des Stadtgebiets, das Ried sowie Muggensturm von dem Unwetter betroffen, bei dem sich zwischen 18.15 und 19.45 Uhr in kurzer Zeit große Wassermassen über die Region ergossen und Blitze einschlugen. Auf der Kreuzung Lyzeumstraße/An der Ludwigfeste fiel ein großer Ast auf ein Auto, wie die Polizei gestern bilanzierte. In der Karlstraße hielt ein großer Baum dem Unwetter nicht stand und blockierte zeitweise die Fahrbahn. Bei einem Einkaufszentrum in der Bahnhofstraße stürzten Teile eines Baugerüsts auf den Gehweg. In der überfluteten Unterführung der Rauentaler Straße blieben mehrere Autos stecken. Zwei Pkw mussten geborgen werden; Insassen rettete die Feuerwehr per Schlauchboot. Zahlreiche Keller in Häusern liefen voll.

Die Rieddörfer Wintersdorf und Ottersdorf blieben für 53 Minuten ohne Strom. Ein Blitzschlag löste einen Kurzschluss in der Freileitung zwischen Plittersdorf und Ottersdorf aus. Dies führte laut Stadtwerke Rastatt dazu, dass in der Umspannstation Seefeldbuckel, zum Schutz des Stromnetzes, der Leistungsschalter auslöste.


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