Unzählige Lkw rollen durch Kartung

Baden-Baden/Sinzheim (hez) – Auf der Gemeinschaftskläranlage Baden-Baden/Sinzheim hat der Bau der Sohle für das Bauwerk der vierten Reinigungsstufe begonnen. Dafür sind auch Taucher im Einsatz.

Mit langen Rohren wird der Betonbrei über den Baugrubensee auf der Kläranlage transportiert. Foto: Henning Zorn

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Mit langen Rohren wird der Betonbrei über den Baugrubensee auf der Kläranlage transportiert. Foto: Henning Zorn

Am Donnerstag um 6 Uhr morgens war es geschafft: Mit einer aufwendigen Unterwasser-Operation, die über eine ganze Nacht lief, wurde auf der Gemeinschaftskläranlage Baden-Baden/Sinzheim die Betonsohle für die baulichen Anlagen der mehr als 20 Millionen Euro teuren vierten Reinigungsstufe gegossen.
Verwundert blickten manche Einwohner des Sinzheimer Ortsteils Kartung am Mittwochabend auf die Betontransporter, die in erstaunlicher Regelmäßigkeit über viele Stunden zur Gemeinschaftskläranlage fuhren. Dahinter steckte eine ausgeklügelte logistische Operation, denn bei der Herstellung der Betonsohle für die vierte Reinigungsstufe spielte der Faktor Zeit eine wichtige Rolle.

Nötig war nämlich die ununterbrochene Anlieferung von frischem Beton, denn eine Unterbrechung des Ausgießens hätte zu großen Problemen geführt. Dies lag an der ungewöhnlichen Umgebung der Baustelle – denn gearbeitet werden musste rund fünf Meter unter der Wasseroberfläche.

Es bleibt nur die Arbeit unter Wasser

Die Hintergründe erklärten Helmut Oehler, Leiter der Baden-Badener Stadtwerke, und Olaf Herrmann, Abteilungsleiter Abwasserbehandlung, beim Beginn der jetzigen Betonierungsaktion. Aufgrund des Zusammenspiels mit den anderen Reinigungsstufen auf der Kläranlage muss ein gewisses Gefälle vorhanden sein. Daher ist für die Anlagen der vierten Stufe eine rund sieben Meter tiefe und mit 35 auf 50 Meter auch recht große Baugrube erforderlich. Diese ist natürlich mit Grundwasser vollgelaufen, das aufgrund des großen Volumens nicht abgepumpt werden kann. Daher blieb nur die Arbeit unter Wasser.

So wurden zunächst von Tauchern 220 Fundamente in Form von Pfählen mit kleineren Platten sehr tief im Untergrund verankert. Diese Fundamente dienten nun als Basis, um darauf die Betonsohle auszugießen, die sich mit einer Dicke von einem Meter über die ganze Baugrube erstreckt.

Das Rohr muss ständig neu ausgerichtet werden. Foto: Henning Zorn

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Das Rohr muss ständig neu ausgerichtet werden. Foto: Henning Zorn

Der Beton wurde über ein langes Rohr in den Untergrund gebracht, wobei der austretende Betonbrei nicht direkt mit dem Wasser in Kontakt kommen durfte, was zu schnell zur Aushärtung geführt hätte. Vielmehr musste das Rohr jeweils in den schon vorhandenen Beton gedrückt werden.

Die Lenkung erfolgte von einem Ponton auf der Oberfläche des Baugrubensees aus. Aber zusätzlich war im Wechsel auch stets einer von zwei anwesenden Tauchern unten, um zu kontrollieren und eingreifen zu können. Diese Taucher sind erfahrene Experten. Sie sehen in der Tiefe kaum etwas und müssen daher eher nach Gefühl vorgehen.

Ständiger Nachschub muss vorhanden sein

Bei dieser Bauweise im Wasser ist ein ständiger Nachschub an Betonbrei – insgesamt 2.500 Kubikmeter – unbedingt erforderlich. Um das benötigte Baumaterial rechtzeitig an Ort und Stelle abzuliefern, brauchte man rund 250 Lkw-Ladungen. Daher waren die Transporter auch von Mittwochnachmittag bis Donnerstagmorgen unentwegt unterwegs. So wird das Betonieren unter Wasser auch zu einem Abenteuer. Gegen 6Uhr war die Betonsohle dann fertig und muss nun einige Tage aushärten.

Im Mai soll mit den Rohbauarbeiten für das Bauwerk der vierten Reinigungsstufe begonnen werden. Wenn diese voraussichtlich Anfang 2023 in Betrieb geht, wird man auf der Kläranlage auch in der Lage sein, Spuren- und Mikroschadstoffe mithilfe von Aktivkohlefiltern aus dem Abwasser zu holen. Dazu zählen Rückstände von Medikamenten und Pflanzenschutzmitteln sowie Hormone, die dann nicht mehr in den Oos-Sandbach-Kanal abgeleitet werden.

Angesichts der Gesamtkosten von rund 20,5 Millionen Euro – mit einem Förderanteil von knapp 4,3 Millionen Euro – meinte Helmut Oehler bei der jetzigen Betonierungsaktion: „Dies ist für die Baden-Badener Stadtwerke das größte Projekt seit Langem.“

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Erstellt:
9. April 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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