Urform des Comics auf der Freilichtbühne

Ötigheim (sl) – „Schnuppdiwupp“ oder „ritze-ratze“: Regisseur Torsten Krug bereitet sein Kinderstück „Max und Moritz“ für die Volksschauspiele vor.

So gut wie jeder weiß, wie Max und Moritz aussehen. Ähnliches gilt für Witwe Bolte, Lehrer Lämpel und die andren Figuren aus Wilhelm Buschs Universum.Foto: Edition Tintenfass

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So gut wie jeder weiß, wie Max und Moritz aussehen. Ähnliches gilt für Witwe Bolte, Lehrer Lämpel und die andren Figuren aus Wilhelm Buschs Universum.Foto: Edition Tintenfass

Wer mit den Geschichten von Wilhelm Busch aufgewachsen ist, der hat sofort charakteristische Bilder vor Augen: Witwe Bolte, Lehrer Lämpel, Schneider Böck und natürlich die bösen Buben Max und Moritz selbst. Verse wie „Dieses war der erste Streich, doch der Zweite folgt sogleich“ sind in den Wortschatz eingegangen. Manchen gilt Busch gar als Wegbereiter des Comics. Wie wollen die Volksschauspiele Ötigheim das eigentlich auf die Bühne bringen?

Regisseur Torsten Krug ist sich nicht so sicher, ob Kindern von heute Max und Moritz in gleicher Weise vor Augen stehen wie den älteren Semestern. Daher will er sich bei seiner Bühnenfassung auch einige Freiheiten nehmen. „Es wird allerdings so gut wie jede Zeile von Wilhelm Busch auch im Stück vorkommen“, verspricht er eine gewisse Werktreue. Das heißt nicht, dass er nicht neuen Text hinzugefügt hat. „Allerdings in einer modernen, dabei nicht anbiedernden Sprache“, wie er im BT-Gespräch betont. „Und ich habe nicht versucht, zu reimen.“

Lausbuben legen Doppelmoral der Erwachsenen bloß

Das Comicartige und Groteske, das Buschs Zeichnungen anhaftet, will der Regisseur aber unbedingt auf die Bühne übertragen. Maske und Kostüme sind ebenso auf das Holzschnitthafte von Buschs Illustrationen ausgerichtet wie die Spielweise und die Bewegungen der Darsteller. Krug spricht sogar von einer regelrechten Choreografie. Die musikalische Untermalung soll die Verwandtschaft mit einem Zeichentrickfilm noch unterstreichen. Gleiches gilt für Buschs lautmalerische Wortschöpfungen, die natürlich auch in der Bühnenfassung vorkommen, wie „Schnuppdiwupp“ oder „ritze-ratze“.

Gerade die Erwachsenen in Max’ und Moritz’ kleinem Dorfuniversum sieht Krug als Karikaturen, deren Doppelmoral die Streiche erst an den Tag legen. Und so werden sie auch dargestellt: Witwe Bolte etwa beweint ihr toten Hühner noch, als ihr schon der Gedanke kommt, sie „in Ehren gut gebraten zu verzehren“. „Teilen will sie dabei übrigens nicht!“, ist dem Regisseur aufgefallen, auch nicht mit ihrem Hund Spitz, der wie alle Tiere im Stück, sogar die Maikäfer, von Kindern gespielt wird. Gleiches gilt für Max und Moritz, die wie alle Rollen doppelt besetzt sind, auch aus Gründen des Corona-Schutzes, dem die Inszenierung natürlich angepasst ist und der den Probenarbeiten einiges abverlangt.

Regisseur Krug zieht den Hut vor der Ötigheimer Dorfgemeinschaft, die in diesen schwierigen Zeiten dennoch etwas Großes auf die Beine zu stellen versucht. Seine Visitenkarte gab der freischaffende Theaterregisseur aus Wuppertal schon 2019 in Ötigheim mit dem Kinderstück „Der Gestiefelte Kater“ ab.

Die Premiere des Kinderstücks, an dem auch Erwachsene ihren Spaß haben sollen, ist am 16. Juli. Karten gibt es bei den Volksschauspielen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Sebastian Linkenheil

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Erstellt:
7. Juli 2021, 13:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 19sec

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