„Urlaub daheim“: Auf Geo-Tour im Albtal

Bad Herrenalb (sj) – Einfach mal erstarrtes Magma in die Hand nehmen, das geht auf der Geo-Tour des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord in Bad Herrenalb.

Geschulte Augen: Andreas Megerle entdeckt Dinge, die nicht jeder sieht. Hier zeigt er auf eine Wollsack-Verwitterung. Foto: Stefan Jehle

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Geschulte Augen: Andreas Megerle entdeckt Dinge, die nicht jeder sieht. Hier zeigt er auf eine Wollsack-Verwitterung. Foto: Stefan Jehle

Es dauert keine zwei Minuten, da zieht Andreas Megerle seinen kleinen Hammer aus dem Halfter am Gürtel und klopft einen Granitstein entzwei. „Das ist ein Forbach-Granit“, erzählt der Geograf bestimmt, und sagt auch, das sei bei ihm inzwischen „wie ein Automatismus“. Mit den Steinen komme er gleich „mitten in die Landschaft“.

Megerle ist Experte für Geo-Touren und vor allem unterwegs an Alb und Nagold. Der grobkörnig strukturierte Forbach-Granit, dessen Vorkommen mit der ersten namentlichen Definition vor allem im Murgtal liegt, sei typisch für den ganzen Nordschwarzwald.

Megerle hält den Stein an der Risswasenhütte in Händen. Sie liegt an einer Passanhöhe südlich von Bad Herrenalb. Der Pass trennt das Obere Gaistal vom Nachbarort Loffenau. Auch am Kaltenbronn, beim Parkplatz Schwarzmiss, gibt es einen vergleichbaren Pass, der dort Murg- und Enztal voneinander trennt. „Der Forbach-Granit ist erstarrtes Magma“, erläutert Megerle. Das Gestein sei „ganz langsam abgekühlt“.

Wenn man Megerle, der lange in der Wissenschaft arbeitete, und einst an der Uni Tübingen seinen Doktortitel erwarb, zuhört, fühlt man sich 200 oder 300 Millionen Jahre zurückversetzt. So weit reicht im Schwarzwald die Entstehung der Tal- und Felsformationen zurück. Die von Granit geprägte Landschaft sei zugleich eine fruchtbare Rode-Landschaft, ganz im Gegensatz zu den kargen Bundsandstein-Flächen, die beispielsweise den 2014 gegründeten Nationalpark prägen, sagt der Experte.

Der Forbach-Granit ist typisch für den gesamten Nordschwarzwald. Foto: Stefan Jehle

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Der Forbach-Granit ist typisch für den gesamten Nordschwarzwald. Foto: Stefan Jehle

Im Auftrag der Tourismusgemeinschaft Albtal Plus hat Megerle inzwischen fast 20 Geo-Touren entwickelt. Gefördert wird das Projekt unter anderem auch vom Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord. Wanderer werden auf den sechs bis zehn Kilometer langen Touren in die Welt der Geografie und Geologie, von Flora und Fauna geführt. Megerle, der am Bodensee aufgewachsen ist, begeisterte sich schon als Kind für alles rund um „Landschaft“. In Kindheitstagen eben auch mit allem „was in Form von Fröschen, Wasser, Steinen kreucht und fleucht“, sagt er.

Es geht hinauf zum Quell-Ursprung der Alb, die eine ganze Landschaft prägt – von Bad Herrenalb über Marxzell und Ettlingen bis in den Karlsruher Südwesten. Der südlich von Bad Herrenalb auf etwa 760 Meter Höhe gelegene Alb-Ursprung zeigt an diesem heißen Sommertag nur ein kleines Rinnsaal. Man könnte es fast übersehen. „Quellen entspringen an Erdspalten“, erläutert der Experte für Geologie. Auch hier kommt wieder der Forbach-Granit ins Spiel. Das sei, sagt er, in der Region „der wichtigste Wasserstein“. Auch die benachbarte Murg entspringe über Granit.

Der Alb-Ursprung, unterhalb von Langmartskopf und Teufelsmühle, ist auch ein typischer Standort des Wasserdost, (Wasserhanf), einer krautigen Korbblütler-Pflanze, die bis zu zwei Meter hoch wächst. Megerle verweist auf den artverwandten Alpendost. Die Quelle der Alb selbst entspringt auf tonigen Schichten. Das Wasser kann nicht mehr versickern, und tritt an der Oberfläche aus. Ein paar Meter unterhalb zeigt er auf das Pfeifengras, das „es wechselfeucht und sauer mag“. Im Volksmund nennt man es auch Binse, einst gebunden und genutzt zur Reinigung von Pfeifen.

Megerles Augen sind geschult. Er sieht Dinge, auf die andere erst aufmerksam gemacht werden müssen – und die auch manches Staunen hervorrufen.

Geologie, der Kontext zur Botanik

„Für einen Geografen sind die Zusammenhänge interessant. Die Geologie, der Kontext zur Botanik“, sagt er. Mindestens so deutlich spricht aus ihm inzwischen ein Geologe. Und wohl auch ein Biologe.

Man könnte dem Landschaftsexperten stundenlang zuhören: Besonders stolz zeigt er sich etwa über mehrere von ihm bei Straubenhardt im Enzkreis entdeckten Köhler-Plattformen mitten im Wald, die teilweise mehrere hundert Jahre alt sind. Dort fand er auch ein prachtvolles Abfallstück einer einstigen Waldglasbläserei.

Auf dem Albtalweg, der zurück zum Gaistal, zur Plotzsägmühle und zum Ausgangspunkt Risswasen führt, verweist er noch auf Granit-Grus, zerbröselten und verwitterten Granitgrobsand. Das sei ein fruchtbarer Weinbergboden, identisch wie bei Schloss Eberstein, resümiert er und schmunzelt mit Blick in die Zukunft: „Vielleicht gibt das auch hier oben mal einen guten Weißwein“ – unweit des Alb-Ursprungs, zwischen Gaistal und der Passanhöhe bei Loffenau.

Im Moment stören da aber wohl noch hochgewachsene Nadelbäume, die die Sonne abhalten. Andernorts, etwas weiter südlich, gedeihen längst Riesling, Spätburgunder oder Sauvignon blanc und Merlot auf solchen Granitverwitterungsböden, die stets nach Süden ausgerichtet sind.

Informationen

Geo-Touren: Es gibt im Naturpark inzwischen rund 20 Routen – sechs davon zwischen Ettlingen und Bad Herrenalb/Dobel, weitere im Nagoldtal und an der Kinzig.

Begleitmaterialien: Für jede Geo-Tour gibt es eine eigene Broschüre mit Tourenbeschreibung, Karte, Erkundungsaufgaben und Forschungsfragen, darüber hinaus eine Hintergrundbroschüre (Geo-Kompakt) sowie ein Gesteinsset (Geo-Box) mit neun Originalsteinen, darunter ein Schmuckstein, sowie eine Entdeckerlupe.

Weitere Informationen zur Geo-Tour Bad Herrenalb finden Sie hier.

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