Urlaub daheim: Mahnmale im Elsass

Froeschwiller (die) – Bei Streifzügen durch das Elsass trifft man auch immer wieder auf Mahnmale an den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Einige davon sind in Froeschwiller zu besichtigen.

Weithin sichtbar beherrscht der Turm der Friedenskirche von Froeschwiller die Umgebung. Im Hintergrund das Schloss. Foto: Gabriele Diebold

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Weithin sichtbar beherrscht der Turm der Friedenskirche von Froeschwiller die Umgebung. Im Hintergrund das Schloss. Foto: Gabriele Diebold

Am 6. August war der 150. Jahrestag der Schlacht, als Truppen des Norddeutschen Bunds und der verbündeten Staaten Bayern, Württemberg, Baden und Hessen-Darmstadt nahe Woerth auf die französische Armee trafen. Neben den vielen teils verstreuten Denkmälern findet sich zwischen Froeschwiller und Elsasshausen entlang eines Wegs eine eindrucksvolle Ansammlung bescheidener und imposanter Gedenkstätten. Rund 80 solcher Denkmäler sollen es in der Region einmal gewesen sein. Die Natur im leicht hügeligen Gelände, mit Feldern, Obstbäumen und Wiesen, lädt zum Spaziergang oder zur kleinen Radtour ein.

In der idyllischen Landschaft erscheinen die steinernen Erinnerungen an die grausame Schlacht 1870 fast unwirklich. Sie werden heute vom Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge und „Souvenir Français“ mit Unterstützung des Vogesenclubs instandgehalten. Passender Ausgangspunkt für die Entdeckung der steinernen Zeitzeugen ist das Städtchen Woerth, wo im Schloss das „Musée de la Bataille du 6 Aôut 1870“ der Schlacht gewidmet ist. Über eine 1,5 Kilometer ansteigende Straße erreicht man das kleine Elsasshausen. Dort beginnt der rund einstündige Spaziergang Richtung Froeschwiller.

Zunächst bietet ein 1913 errichteter Aussichtsturm einen guten Überblick über das Gelände. Im Schatten alter Bäume lädt dann ein eindrucksvoller Gedenkstein für die „Kameraden des 5. Thüringischen Infantrieregiments“ zum Verweilen ein. In der Weite der Landschaft nicht zu verfehlen ist ein 1904 errichteter Löwe aus Bronze. Gewidmet ist er den 1870 gefallenen Soldaten „…des Inf.-Rgts Wittig (3. Kurhessen) Nr. 83 .. und der Fürstentümer Waldeck und Pyrmont…“.

Altarkruzifix als Symbol der Versöhnung

Weithin sichtbar beherrscht der Turm der Friedenskirche von Froeschwiller die Umgebung. Der Weg der Monumente endet in der Mitte dieses kleinen, mit ganz erstaunlichen Bauwerken ausgestatteten Orts. Der imposante Sandsteinbau der „Eglise de la paix“ ist das eindrucksvollste Zeugnis des Kriegs 1870/71. Als in der Schlacht um Woerth-Froeschwiller auch die protestantische Kirche in Flammen aufging, soll ein deutscher General den verzweifelten Bewohnern versprochen haben, sie wiederaufzubauen. Nach erfolgreichen Spendenaufrufen wurde das Projekt mithilfe von Fürsten, wohlhabenden Familien und Vereinigungen verwirklicht. Die Kirche wurde 1876 eingeweiht. Ihre Ausstattung ist ein außergewöhnliches Zeugnis der Zusammenarbeit. An den Fenstern des Seitenschiffs oder am Kronleuchter, etwa, finden sich als Spender die Wappen vieler deutscher Herzogtümer, Fürsten oder Städte. Als Symbol der Versöhnung kann auch das Altarkruzifix, vom Frauenverein Stettin gespendet, gewertet werden. Einer der größten Schätze der Kirche ist das „Helden- und Todtenbuch“, das von einem Ansbacher Professor geschrieben und ausgeschmückt wurde. Die Friedenskirche ist geschlossen, kann aber nach Vereinbarung besichtigt werden, auch mit Führung in deutscher Sprache. Kontakt: Monique Barth, Froeschwiller, (0033) 388094085.

Gleichzeitig mit der protestantischen Friedenskirche konnte mit den reichlichen Spendengeldern die katholische Michaelskirche neu gebaut werden. Auch sie enthält im Innern Elemente mit Bezug zu den Kriegshandlungen. Besichtigung über Denis Studer unter (0033) 388540288.

Direkt neben der Friedenskirche fällt ein Anwesen mit imposanten Gebäuden und Parkanlagen ins Auge. Es handelt sich um das Schloss Froeschwiller. Um 1850 wurde die dort bereits bestehende Anlage von Ferdinand de Durckheim, damals Präfekt des Départements Haut-Rhin, übernommen und zum heutigen Schloss umgebaut. Es ist in Privatbesitz. Nach eindrucksvollen Gebäuden, Geschichte und Erinnerungen könnte ein Ausflug in die Region mit einem Abstecher in den knapp zehn Kilometer entfernten Kurort Niederbronn-les-Bains enden, oder mit dem Besuch des fünf Kilometer südlich gelegenen Kinder-Freizeitparks „Didiland“ in Morsbronn-les-Bains (siehe auch „Infos“ rechts).

Kurzinfos

Anfahrt: Von Rastatt über Staustufe Iffezheim auf die Schnellstraße A35, dort südlich 1. Ausfahrt in Richtung Haguenau (rund 50 km).

Öffnungszeiten: „Musée du Bataille du 6 Août 1870“ Woerth bis 30. September: Mittwoch bis Freitag, 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag, 14 bis 18 Uhr. Eintrittspreis: fünf Euro; Kinder-Freizeitpark Didiland, Morsbronn-les-Bains: geöffnet bis 31. August täglich 10 bis 18 Uhr, an den drei ersten Wochenenden im September ebenfalls 10 bis 18 Uhr.

www.didiland.fr

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Erstellt:
1. September 2020, 08:30 Uhr
Lesedauer:
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