„Urlaub daheim“ am sagenumwobenen Huzenbacher See

Baiersbronn (vgk) – Er ist ein Refugium für seltene Tier- und Pflanzenarten und ein beliebtes Ausflugsziel, der Huzenbacher See. BT-Mitarbeiterin Veronika Gareus-Kugel hat die Gegend erkundet.

Relikt aus längst vergangener Zeit: Mit 747 Höhenmetern ist der Huzenbacher See der am tiefsten gelegene Karsee des Nordschwarzwalds. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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Relikt aus längst vergangener Zeit: Mit 747 Höhenmetern ist der Huzenbacher See der am tiefsten gelegene Karsee des Nordschwarzwalds. Foto: Veronika Gareus-Kugel

Wie ein großes in den Himmel blickendes dunkles Auge liegt der Huzenbacher See eingebettet zwischen Fichten und Tannen. Etwas Verwunschenes geht von ihm aus, und wer an seinen Ufern entlangläuft, wäre nicht überrascht, plötzlich auf einen der Teichrosenblätter den Froschkönig zu entdecken. Viele Sagen über Nixen und Seeweiblein ranken sich um das Gewässer und seine Uferbereiche.
Der See ist ein Relikt aus längst vergangener Zeit. Er ist einer der verbliebenen Karseen des Nordschwarzwalds und entstanden in der letzten Eiszeit vor rund 30000 bis 25000 Jahren. Mit 747 Höhenmetern ist er der am tiefsten gelegene Karsee des Nordschwarzwalds.

Eine weitere Geschichte, die erzählt werden kann, ist die der Flößerei im Murgtal. Denn das noch vor rund 250 Jahren in Blüte stehende Gewerbe nutzte den See als Wasserspeicher oder Schwallung, um für den Transport der Baumstämme, die für die Flöße gebraucht wurden, künstliche Hochwasser zu erzeugen.

Eine sehenswerte Besonderheit des Huzenbacher Sees sind seine Teichrosen. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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Eine sehenswerte Besonderheit des Huzenbacher Sees sind seine Teichrosen. Foto: Veronika Gareus-Kugel

Die Stauvorrichtung am Ende des Sees ließ 1895 die Forstverwaltung einbauen. Auf diese Weise gedachten die Erbauer, die Seefläche erweitern zu können und den Wasserspiegel um bis zu zwei Meter anzuheben. Zudem sollte das Seebecken bei Hochwasser als natürliches Regenrückhaltebecken dienen. Ein Ansinnen, das sich nicht ganz erfüllen sollte.

Durch das Aufstauen und Ablassen des Wassers löste sich der Seeboden. Seitdem lässt sich in der Seemitte eine ringförmige schwimmende Insel aus Wurzeln, Waldmoosen und jungen Bäumen bestaunen. Nicht nur Botaniker zeigen sich davon begeistert. Eine weitere sehenswerte Besonderheit ist im Juni und Juli die Blüte der gelben Teichrosen. Außerdem ist der Karsee ein Refugium für seltene Tier- und Pflanzenarten.

Seine problemlose Erreichbarkeit auf gut ausgebauten Wanderwegen steigert seine Beliebtheit zusätzlich. Entlang des Uferwegs, der komplett um den See herumführt, lässt sich immer Neues entdecken.

Der See und seine Umgebung stehen nicht nur unter Naturschutz, sondern sind zwischenzeitlich auch Teil des Nationalparks. Gleichwohl macht es Spaß, am Ufer zu verweilen – vorausgesetzt, man hält sich an die Regeln, die für geschützte Gebiete gelten. Der rund 160 Meter über dem See liegenden Huzenbacher Seeblick ist über einen felsigen und verwurzelten Pfad zu erreichen. Die Mühe wird mit einem fantastischen Blick auf den See belohnt – mit Sitzbänken und einer Liegebank.

Verwunschener Charakter

Der schnelle Weg, auch für Kinderwagen geeignet, beginnt beim Waldparkplatz am Silberberg. Wer auf der vierten Etappe der Murgleiter von Schönmünzach nach Baiersbronn unterwegs ist, kommt ebenfalls daran vorbei. Überdies ist das Gebiet für Mountainbiketouren erschlossen. Der 10,6 Kilometer lange Rundweg, der beim Parkplatz in der Seebachstraße im Dorf Huzenbach seinen Anfang nimmt, ist von allen einer der schönsten zum See.

Bald weichen die Blumenwiesen einem immer ursprünglicher werdenden Wald, mächtige Tannen und Fichten bestimmen das Bild. Es wird still, ab und zu ist das Rauschen einer der Gebirgsbäche zu vernehmen, die tiefe Einschnitte in der Landschaft hinterlassen haben.

Die Gegend hat einen verwunschenen Charakter. Nur noch gedämpft dringt Sonnenlicht durch das Nadeldach auf den Boden – und das Märchen „Das Kalte Herz“ von Wilhelm Hauff kommt einem unweigerlich in den Sinn.

Die Inspiration dazu lieferten Hauff die Sagen und Mythen des Schwarzwalds. Die Hauptrollen in dem berühmten Märchen spielen die Flößerei und das Köhlergewerbe (vertreten durch Peter Munk), das Glasmännlein oder auch Schatzhauser gerufen (ein Wünsche erfüllender Waldgeist, der jedoch nur Sonntagskindern erscheint) sowie der dem Bösen zugeneigte Holländermichl.

Weitere Informationen zum Thema

Der Huzenbacher See ist in der letzten Kaltzeit vor rund 30.000 Jahren entstanden. Das damals auf der Erdoberfläche lastende Eis hobelte bei seinem Kriechen ins Tal den Untergrund wannenartig aus und schuf so die runde Form des Gletscherkars. In der Abschmelzzone blieb das mitgeführte Sand- und Gesteinsmaterial liegen. Das in den Jahrtausenden angehäufte Material riegelte das Tal ab. Der Moränenwall vermittelt Einblicke in die Klimageschichte des Nordschwarzwalds. Der wasserreiche Abfluss grub eine tiefe Schlucht in die lockere Erde des Damms. Die Wasserfläche des Sees misst 2,7 Hektar, ist 250 Meter lang und 145 Meter breit. Die Wassertiefe kann bis zu acht Meter betragen. Es gibt mehre Möglichkeiten, den See zu erreichen. Start ist in der Seebachstraße beim Kurzentrum. Dort finden sich Parkplätze. Die Stadtbahnhaltestelle der S8 ist fünf Minuten vom Parkplatz entfernt.

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Erstellt:
22. August 2020, 17:40 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 14sec

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