„Urlaub daheim“ im Freilichtmuseum Vogtsbauernhof

Gutach (vr) – Im Freilichtmuseum Vogtsbauernhof in Gutach können Besucherinnen und Besucher erleben, wie in den vergangenen 600 Jahren im Schwarzwald gewohnt, gelebt und gearbeitet wurde.

In typischen Trachten präsentieren sich die Models vor den Höfen auf dem Gelände des Freilichtmuseums.  Foto: AG der Freilichtmuseen in Baden-Württemberg

© vr

In typischen Trachten präsentieren sich die Models vor den Höfen auf dem Gelände des Freilichtmuseums. Foto: AG der Freilichtmuseen in Baden-Württemberg

Das eindrucksvolle Freilichtmuseum Vogtsbauernhof in Gutach, direkt an der B 33 gelegen, lässt mit acht historischen Schwarzwaldhöfen die Geschichte des ländlichen Südwestens von Baden-Württemberg lebendig werden.

In rund 15 Nebengebäuden wie Mühlen, Sägen, Stuben und Scheunen sowie originalgetreu eingerichteten Werkstätten kann der Besucher Kultur und Geschichte hautnah erleben. Hinzu kommen auf dem ganzen Gelände zahlreiche Tiere alter Haustierrassen, darunter Kühe, Kälber, Schweine, Ziegen, Schafe, Hühner und Gänse. Vom harten Arbeitsalltag der Bewohner zeugen handgefertigte Arbeitsgeräte und zahlreiche Werkzeuge, die noch bei vielen Vorführungen und Aktionstagen zum Einsatz kommen und anschaulich vermitteln, wie in den vergangenen 600 Jahren im Schwarzwald gewohnt, gelebt und gearbeitet wurde.

Zum Beispiel im Vogtsbauernhof, dem einzigen Hofgebäude des Freilichtmuseums, das noch an seinem Originalstandort steht. Es wurde als erstes Museumsgebäude 1964 den Besuchern zugänglich gemacht. Als Nebengebäude kamen die Klopfsäge, das Back- und Brennhäusle und die Hausmahlmühle dazu. Dem klassischen Bauerngarten schließt sich ein Heilkräutergarten an. Einen krassen Gegensatz dazu stellt das 600 Jahre alte Schlössle von Effringen dar. Das ehemals herrschaftliche Anwesen wurde 2018 als erstes Gebäude aus dem Nordschwarzwald auf dem neu erschlossenen Gelände des Freilichtmuseums eröffnet.

Das sogenannte „Stüble“ ist noch annähernd so erhalten, wie es 1965 von seiner letzten Bewohnerin verlassen wurde. Foto: AG der Freilichtmuseen in Baden-Württemberg

© vr

Das sogenannte „Stüble“ ist noch annähernd so erhalten, wie es 1965 von seiner letzten Bewohnerin verlassen wurde. Foto: AG der Freilichtmuseen in Baden-Württemberg

Auf dem Falkenhof geht es lebendig zu, denn im Stall und auf den Weiden direkt daneben werden Vorder- und Hinterwälder-Rinder und Deutsche Landschweine gehalten. Die Vorder- und Hinterwälder stammen aus dem Südschwarzwald und gelten als besonders vitale und langlebige Rinder. Das sogenannte Wäldervieh wurde erstmals 1544 erwähnt. Besonders spannend: Der Wohnteil des Falkenhofs wird so gezeigt, wie ihn die letzten Bewohner 1844 verlassen haben.

Im Stil der Höhenhäuser wurde 1599 in Furtwangen-Katzensteig der Hippenseppenhof erbaut. Dort werden die Uhrenherstellung und Strohflechterei gezeigt, wie sie in der Gegend damals verbreitet waren. Ein typisches Kinzigtäler Haus ist der Lorenzenhof von 1608 aus Oberwolfach, bei dem auf das gemauerte Sockelgeschoss ein holzgezimmertes Obergeschoss gesetzt wurde.

Ein Gang als Schutzschild

Das Hotzenwaldhaus erkennt man am tief heruntergezogenen Dach und dem „Schild“, einem zwischen Außenwand und Wohnbereich verlaufenden Gang, der die Bewohner des Hotzenwaldes im Landkreis Waldshut gegen die rauen Klimaverhältnisse schützte. Die Kleinbauern erwirtschafteten einen wichtigen Teil ihres Lebensunterhalts durch die Weberei. Die Tagelöhner dagegen konnten von einer festen Arbeit nur träumen, denn sie hatten kein festes Arbeitsverhältnis und damit kein geregeltes Einkommen. Sie wurden immer nur, je nach Bedarf, tageweise beschäftigt. Deshalb brachte man mit der Tagelöhnerei über Jahrhunderte hinweg ein Leben „von der Hand in den Mund“ in Verbindung.

Entsprechend ärmlich und beengt ist das Tagelöhnerhaus von 1819 aus Oberprechtal. Mit seiner kompletten Inneneinrichtung vermittelt es eindrucksvoll die einfachen Lebensverhältnisse der armen Landleute.

Außer dem Erhalt seiner historischen Gebäude möchte das Freilichtmuseum Vogtsbauernhof die Aspekte des einstigen Lebens im Schwarzwald vermitteln. Weil neben der Landwirtschaft das Handwerk eine bedeutende Rolle spielte, sind regelmäßig über 50 Handwerker zu Gast, um ihr traditionelles Handwerk vorzuführen. Dazu gehören der Besenbinder, der Zimmermann, die Trachtenschneiderin und die Bollenhutmacherin.

Zum Thema: Vogtsbauernhof

Das Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof in Gutach ist rund 5,5 Hektar groß und das älteste Freilichtmuseum Baden-Württembergs. Es stellt das Leben, Wohnen und Arbeiten der Menschen im Schwarzwald in den vergangenen Jahrhunderten dar. Namensgeber ist der Vogtsbauernhof von 1612, dessen Eigentümer um 1650 Talvogt in Gutach war. Mit diesem Schwarzwaldhaus gründete der Zimmermann und Bauernhausforscher Hermann Schilli 1963 das Museum, das er bis zu seinem Tod 1981 leitete.

Weitere Artikel aus der BT-Serie „Urlaub daheim“ finden Sie hier und hier.

Ebenfalls interessant:

Verein für Volkstanz und Heimatpflege Steinmauern


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.