„Urlaub daheim“ im Wolf- und Bärenpark Schwarzwald

Bad Rippoldsau (ela) – Neun Braunbären, sechs Wölfe und zwei Luchse führen auf dem zehn Hektar großen Areal des Alternativen Wolf- und Bärenparks Schwarzwald in Bad Rippoldsau ein naturnahes Leben.

Vier Wölfe des fünfköpfigen Rudels. Foto: Alternativer Wolf- und Bärenpark Schwarzwald

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Vier Wölfe des fünfköpfigen Rudels. Foto: Alternativer Wolf- und Bärenpark Schwarzwald

Gaia kommt neugierig an den Zaun, vor den Besuchern zeigt sie wenig Scheu. Das ist auch nicht verwunderlich, denn sie wurde in Litauen als Welpe im Wald gefunden, von Menschenhand aufgezogen und anfangs als Haushund gehalten. Doch es kam zu Problemen, denn Gaia ist eine Wölfin – oder zumindest ein Wolfshundmischling. „Der DNA-Test war unklar“, erklärt Sabrina Reimann, Projektleiterin im Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald in Bad Rippoldsau-Schapbach. Der Park besteht seit zehn Jahren und zählt, außer in Corona-Zeiten, jährlich von 80.000 bis 85.000 Besucher.

Dort lebt die zweijährige Wölfin seit Mitte Juli, nachdem sie von der Stiftung für Bären aus einer Auffangstation gerettet worden war. Laut Reimann liegt die Haltung von Wolfshundmischlingen europaweit im Trend – mit gefährlichen Folgen, wenn die Tiere erwachsen werden. „Wir hoffen, dass dieser Trend aufhört.“

Aber nicht nur Gaia hat im Schwarzwald eine neue Heimat gefunden, in der sie einfach Wolf sein darf. Auch die derzeit neun Braunbären, zwei Luchse und das fünfköpfige Wolfsrudel genießen in den großen Freianlagen des zehn Hektar großen Parks ein tiergerechtes, naturnahes Leben. Jedes Tier hat seine eigene Geschichte, doch eines haben alle gemeinsam: Sie kommen aus – oft viele Jahre andauernder – schlechter Haltung, lebten zum Beispiel in Betonkäfigen, wurden als Selfiebären missbraucht oder Touristen an der Kette vorgeführt. Das und eine oft falsche Ernährung haben physische und psychische Schäden hinterlassen. Die Stiftung für Bären sieht ihre Aufgabe darin, solchen Tieren ihr restliches Leben so naturnah wie möglich zu gestalten.

Neun Braunbären leben derzeit in den großzügigen Freianlagen. Foto: Hartmut Mang/Alternativer Wolf- und Bärenpark Schwarzwald

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Neun Braunbären leben derzeit in den großzügigen Freianlagen. Foto: Hartmut Mang/Alternativer Wolf- und Bärenpark Schwarzwald

Für die Besucher beginnt der Rundgang (coronabedingt in eine Richtung) bei den Luchsen Ela und Catrina. Die von Natur aus scheuen Waldbewohner zeigen sich nicht immer. Doch an diesem Morgen kommt Catrina bis dicht an den Zaun – zur Freude der Gäste. Gleich daneben wohnt derzeit die 18-jährige Bärin Franca, die seit November vergangenen Jahres da ist. Bei einem Schausteller-Paar vegetierte sie vor ihrer Rettung in einem Verschlag vor sich hin. Ob sie ihre Verhaltensstörungen einmal komplett ablegen kann, ist offen. „Das ist ein langer Prozess. Sie läuft oft noch stundenlang im Kreis“, erzählt Sabrina Reimann. Auf dem Weg zurück zur Bärin hilft ihr der gutmütige Mitbewohner Arthos. „Das ist unser Sozialarbeiter. Er lenkt sie ab.“

Agonis, der als Welpe fehlgeprägte Restaurantbär aus Albanien, saugt vor Publikum bis heute an einer Tatze. „Wahrscheinlich wurde er früher dafür gelobt, weil alle das süß fanden“, meint Reimann. Doch die Tatze kann sich entzünden, und so werden die Besucher gebeten, bei diesem Verhalten weiter zu gehen.

Doch bei allen individuellen Problemen der Tiere ist es für die Betreuer immer wieder ein Erlebnis, zu sehen, wie die Bären, Wölfe und Luchse aufblühen, das Waldgelände erkunden, sich an ihre Instinkte erinnern und einfach wieder sie selbst werden. Sie lassen sich beim Baden, Fressen, Spielen, Schlafen oder Streiten beobachten, können sich aber auch zurückziehen.

14 Bären auf der Warteliste

Zur naturnahen Haltung gehört auch, dass die Tiere sich ihr Futter im Konkurrenzkampf mit den anderen suchen müssen. Es gibt keine festen Zeiten und Orte für die Fütterung, sondern die Nahrung wird irgendwann irgendwo über den Zaun geworfen. „Das ist zwar ein Nachteil für die Besucher, aber so bleiben unsere Tiere geistig und körperlich fit“, erklärt Reimann. Und: Jung und alt – wer mit wem in einem Freigelände zusammenlebt, ändert sich regelmäßig. „So ist immer Abwechslung garantiert.“ Nur die Alten können sich bei Bedarf in eine Seniorenresidenz zurückziehen.

Platz ist derzeit für maximal zwölf Bären, das Gelände für eine Erweiterung gibt es aber bereits. „Wir haben ständig Anfragen“, erzählt Reimann. Alleine in Deutschland hat die Stiftung 14 Bären auf der Warteliste. In dem neuen Bereich könnte laut Reimann später einmal auch eine Bären-Reha-Station untergebracht werden. Vielleicht gelänge es Agonis dort, sich – ohne Zuschauer – das Tatzennuckeln abzugewöhnen.

Für Gaia hofft man darauf, dass sich zumindest noch ein weiterer Wolf findet, mit dem sie einmal zusammenleben kann. Denn ihre Integration in das bestehende Rudel aus fünf erwachsenen Männchen ist nicht möglich.

Weitere Informationen

Alternativer Wolf- und Bärenpark Schwarzwald, 77776 Bad Rippoldsau-Schapbach, Rippoldsauer Straße 36/1.

Öffnungszeiten: Täglich von 10 bis 18 Uhr. Es ist keine Anmeldung erforderlich.

Eintritt: Erwachsene neun Euro, ermäßigt acht Euro, Familienkarte (zwei Erwachsene, zwei Kinder) 25 Euro.

Führungen: Nach Voranmeldung für Gruppen bis zu 20 Personen, pauschal 50 Euro.

Weitere Artikel aus der BT-Serie „Urlaub daheim“ finden Sie hier und hier.

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Erstellt:
7. September 2020, 14:57 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 19sec

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