Urlaubsfeeling auf dem Dreiländereckhof

Bühl (vr) – Eigentlich wollten die vier Südamerikanerinnen Macarena Flores, Melina Descalzo, Maria Victoria Saralegui und Maria Soledad per „Work & Travel“ durch Deutschland reisen. Corona hat ihren Plan vereitelt. Nun sind sie in Eisental auf dem Dreiländereckhof gestrandet – und es gefällt ihnen dort gut.

Manfred Graf mit seinen südamerikanischen Helferinnen (von links) Macarena Flores, Melina Descalzo, Maria Victoria Saralegui und Maria Soledad. Foto: Rechel

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Manfred Graf mit seinen südamerikanischen Helferinnen (von links) Macarena Flores, Melina Descalzo, Maria Victoria Saralegui und Maria Soledad. Foto: Rechel

Eventmanagerin Macarena Flores und Digital-Marketing-Managerin Maria Victoria Saralegui aus Montevideo (Uruguay) sowie Chemie-Ingenieurin Maria Soledad aus Buenos Aires (Argentinien) waren in Berlin gestrandet, PR-Managerin Melina Descalzo aus Montevideo steckte in Köln fest. Seit Mai leben die vier jungen Frauen nun auf dem Dreiländereckhof in Eisental.
Die Frauen hatten nach dem Studium bereits gearbeitet und dann ihr „Working Holiday Visum“ beantragt, um sich ab Februar ein Jahr lang den Wind der weiten Welt um die Nase wehen zu lassen. Das „Working Holiday“-Programm ist ein bilaterales Abkommen über Ferienarbeitsaufenthalte für junge Leute. Und dann kam die Corona-Krise. Die Südamerikanerinnen, die sich gerade in Deutschland befanden, konnten nicht weiterreisen, ihre Jobs in der Gastronomie waren weg und Unterstützungsprogramme gab es für sie nicht.

Ihre Rettung war die öffentliche Vermittlungsplattform „Das Land hilft“, die der Bundesverband der Maschinenringe und das Bundeslandwirtschaftsministerium im März ins Leben gerufen hatten. Nachdem die rund 300000 Saisonarbeitskräfte, zu 90 Prozent aus Rumänien und Polen, wegen der Corona-Krise ausfielen, wollte man Landwirte mit Arbeitnehmern aus Deutschland schnell und unbürokratisch zusammenbringen.

Das hat bei Manfred Graf vom Dreiländereckhof in Eisental funktioniert. Normalerweise beschäftigt er jedes Jahr in seinen Weinreben und Christbaumschonungen acht bis neun Rumäninnen, die aber dieses Jahr nicht kommen durften. Ein Glücksfall für Macarena, Maria Victoria, Maria und Melina, die seit Mai in Eisental leben und arbeiten.

„Unsere Unterkunft ist einmalig“

„Ich habe mich ganz bewusst um ,Work & Travel‘-Frauen bemüht, weil für sie niemand zuständig war“, erklärt Manfred Graf, und er habe es keinen Tag bereut. Trotz ihrer ungewissen Situation seien sie immer fröhlich und so motiviert, dass er sie jederzeit wieder engagieren würde.

„Uns gefällt es hier super, die Arbeit macht Spaß, und unsere Unterkunft ist einmalig, fast wie im Urlaub“, schwärmt Maria Victoria aus Montevideo. Vor drei Jahren errichtete Graf auf dem Betriebsgelände für seine Saisonkräfte ein modernes, komfortables Blockhaus.

Zur Zeit müssen die jungen Rebentriebe in die Drahtvorrichtung eingefädelt und die Blätter um die Traube herum entfernt werden. Bei den Christbäumen gilt es, die jungen, noch weichen Triebe, die von Krähen und Elstern abgebrochen werden, zu reparieren.

Visa unbürokratisch verlängert

„Einen Weihnachtsbaum ohne Spitze will keiner kaufen“, so Graf. Deshalb wird ein seitlicher Ast an einem Holzstab senkrecht hochgebunden. Andere Äste, die nicht gemäß dem Idealbild der Verbraucher gewachsen sind, werden mit einer dünnen Bastschnur entsprechend korrigiert. Sowie der Zweig verholzt ist, kann er selbstständig weiterwachsen. Das gerade Wachstum der Christbäume ist jedenfalls gesichert, denn die jungen Frauen aus Südamerika können bis Ende Juni bleiben. Dank der Ausländerbehörde der Stadt Bühl, die ihre abgelaufenen Visa zügig und unbürokratisch verlängert habe.

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Erstellt:
16. Juni 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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