Urteil: Nach Corona Sommerfastnacht feiern

Gernsbach (stj) – Bürgermeister Julian Christ stellt sich am Schmutzigen Donnerstag dem Online-Narrengericht und akzeptiert seine „Strafe“.

Diesmal nur online: Bürgermeister Christ hält den närrischen Anklagepunkten stand. Zur Sommerfastnacht kündigt er an: „Ist Corona erst vorbei, bin ich gerne dabei.“ Screenshot: Stephan Juch

© BT

Diesmal nur online: Bürgermeister Christ hält den närrischen Anklagepunkten stand. Zur Sommerfastnacht kündigt er an: „Ist Corona erst vorbei, bin ich gerne dabei.“ Screenshot: Stephan Juch

Viele sehenswerte Beiträge finden sich seit 4. Februar auf der Gernsbacher Narrenseite. Bis zu 3.000 Mal wurden einige davon bereits aufgerufen. Am Schmutzigen Donnerstag kam ein weiteres aufwendig produziertes, über 26 Minuten dauerndes Video hinzu, das echte Fastnachtsgefühle in die Wohnzimmer bringt. Im Mittelpunkt stehen die närrischen Anklagen, denen gegenüber sich Bürgermeister Julian Christ zu verantworten hat.

Wie sonst auf der Rathaus-Treppe ergreift zunächst Ortsbüttel Rolf Netzer das Wort und streift die internationalen und nationalen Kalauer aus der großen Politik. Beim Sprung ins Murgtal geht er vor allem auf den Altstadtsommer und der damit verbundenen Sperrung der Hauptstraße ein. Wenn diese auch Vorteile brachte, gehe das aus Anwohnersicht besser, meint Netzer: „Unser Julian hat jetzt ja das alte Forstamt gekauft, da sieht er dann täglich, was am Buckel so lauft!“

Armin Wild von den Waldschäddern stellt fest, dass der große Rathausschlüssel diesmal brav per Post zu den Bleichhexen geschickt wurde, „obwohl die Übergab‘ bisher gonz un gar mit dem Schnürle doch kontaktlos war“. Im Besitz des närrischen Zeichens der Machtübernahme tragen in der Folge mehrere Hexen von der Bleich ihre Anklagen vor. Zunächst wird das Bild einer schmuddeligen Stadt gezeichnet: Taubenschiss auf der Brückenmühle, Farbschmierereien und Fanaufkleber auf zig Wänden der Innenstadt. „Veroin unnerstütze in Ordnung, abba des isch ned schee un ned im Sinn vom KSC.“ Christ zeigt Einsicht und gibt den Hexen recht, „solche Dinge stehen uns schlecht“. Eine Schuld für die Sauereien sei ihm aber nicht nachzuweisen. Lösungsansatz: Für eine konzertierte Narrenputzaktion würde der Schultes Getränke und Wurst springen lassen.

Als nächstes wird die vermaledeite Corona-Saison im Igelbachbad aufs Korn genommen. In der habe wegen des komplizierten Ticketsystems „koi Mensch kappiert, des war meh wie schad, wie ma eigentlich neikommt ins Igelbachbad“.

Bleichhexen klagen an: Igelbachbad, Wasserversorgung, Schmierereien, Dienstwagen

Die Bleichhexen hätten es „zu glasst, des Schwimmbad im Igelbachtal, minimiert wär’n die Koschte vom Badpersonal“. Auch die Security hätte es dann nicht gebraucht und vom eingesparten Geld, „gäb’s des schönste Kinderplanschbegge der Welt“. Der Schultes wundert sich in seiner Verteidigung, dass so viele am Online-Buchungssystem gescheitert sind: „Ihr könnt doch alle Videos drehen, WhatsApp schreiben und auf Facebook lästern – und jetzt tut Ihr so als wärt Ihr von gestern?“ Mehr geärgert habe sich Christ über das mangelhafte bürgerschaftliche Engagement für das Igelbachbad: „Freiwillige haben wir gesucht, ich kann euch sagen: Wir haben geflucht!“ Und beim Planschbecken plädiert er gänzlich auf Freispruch: Er wollte das Teil schließlich schon 2020 reparieren lassen, wurde aber vom Gemeinderat ausgebremst.

Die dritte Hexen-Anklage widmet sich der Wasserversorgung: „Besser stecksch e Million in dei Eigetum nei, wie de Lebbedag von Gaggenau abhängig sei.“ Auch das weist das entmachtete Stadtoberhaupt entschieden zurück und erklärt: „So klar wie Kloßbrühe ist halt auch, dass man manchmal Hilfe von außen braucht!“ Erwischt wird der Bürgermeister schließlich beim Thema Dienstwagen. Den hatte er im vergangenen Jahr auf einer kleinen Mauer aufgesetzt und musste sich von Bauhofmitarbeitern aus der Patsche helfen lassen. „Ich geb’s ja zu und sage sorry, mein Auto und ich, eine never ending Story.“

Alles am Laufen im Wörthgarten

Das Gernsbacher Prinzenpaar Luisa und Raphael schreitet zur Urteilsverkündung: Wenn alles wieder normal ist, hat der Schultes ein großes Stück beizusteueren beim großen gemeinsamen Narrenfest. Das sagt der Bürgermeister zu und betont: „Ist Corona erst vorbei, bin ich gerne dabei.“ Bleibt zu hoffen, dass diese „Strafe“ bald möglichst eingelöst werden kann – das Schlecksel-Kochen, zu dem Christ 2020 verurteilt wurde, fiel der Pandemie zum Opfer.

Zum Abschluss des Videos kommt noch Bürgermeistergattin Jasmin zu Wort. Mit Töchterchen Florentine auf dem Arm mahnt sie in Richtung der zwei Waldschädder-Damen, die im „Obschd & Gmies“-Stand zwischen den einzelnen Beiträgen von einem Herrn im Blaumann mit Fragen zum Pfleiderer-Areal genervt werden: „Euer Bürgermeister, also mein Schatz, hat jetzt e kleines Chrischtkind und nicht mehr so viel Zeit für eure komische Froge: Das Pfleiderer-Areal heißt jetzt Wörthgarten – und da is alles am Lofe.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Stephan Juch

Zum Artikel

Erstellt:
11. Februar 2021, 16:15 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 07sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.