Ute bleibt nach Drehschluss im Studio

Baden-Baden (km) – Isabell Hertel aus Baden-Baden spielt seit 26 Jahren eine der Hauptrollen in der RTL-Daily-Soap „Unter uns“. BT-Redakteurin Kathrin Maurer hat sich mit Hertel unterhalten.

Isabell Hertel verkörpert seit 26 Jahren die Kneipenbesitzerin Ute Kiefer in der RTL-Vorabendserie „Unter uns“. Foto: TVNOW/RTL

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Isabell Hertel verkörpert seit 26 Jahren die Kneipenbesitzerin Ute Kiefer in der RTL-Vorabendserie „Unter uns“. Foto: TVNOW/RTL

Als Ute Kiefer steht sie in der Kölner Kneipe „Schiller“ hinter dem Tresen – vor der Kamera für die Daily-Soap „Unter uns“ schon seit 26 Jahren: Die gebürtige Baden-Badenerin Isabell Hertel gehört längst zu den Urgesteinen der RTL-Serie, die das Leben der Bewohner der Schillerallee zeigt. Corona hat nicht nur die Leben vor den Bildschirmen stark beeinflusst, auch vor der Kamera wirbelte die Pandemie einiges durcheinander. Nun bringt der Sender ab dem 9. März zusätzlich frischen Wind in die Schillerallee – in einer Event-Woche erwachen nicht nur Totgeglaubte wieder zum Leben. BT-Redakteurin Kathrin Maurer hat sich mit Isabell Hertel über die Entwicklung ihrer Rolle, ihren Bezug zur Heimat, Drehen zu Corona-Zeiten und den gefürchteten Soap-Stempel unterhalten.

BT: Frau Hertel, Sie sind in Baden-Baden geboren – haben Sie noch Verbindungen in Ihre Heimat?
Isabell Hertel: Ja, ich bin gerade unterwegs zu meinen Eltern nach Sinzheim. Es gibt Phasen, da fahre ich leider nicht so oft nach Hause, wie ich es gerne hätte, aber gerade ist die Serien-Dispo ganz gut gelegt, dann nutze ich sehr oft die Chance, weil ich doch sehr verbunden bin mit dieser Gegend. Meine Eltern leben in Sinzheim, geboren bin ich in Baden-Baden, und ich habe an der Klosterschule vom Heiligen Grab mein Abitur gemacht. Auch meine Ballettausbildung habe ich in Baden-Baden gemacht, später in Köln Musical studiert. Dann kam sehr schnell das Angebot von „Unter uns“ und ich habe zugeschlagen – man weiß ja nie, wann einem so ein Angebot noch mal vor die Füße fällt. Seitdem bin ich dort am Set und fühle mich sehr wohl – auch wenn Köln nicht unbedingt Wahlstadt geworden wäre, aber das darf man ja gar nicht so laut sagen (lacht).

BT: Ich habe selbst viele Jahre in Köln gelebt und muss zugeben, klassisch schön ist die Stadt nicht – aber sie hat viel Herz. Wieso ist es nicht Ihre Wahlstadt?
Hertel: Ich finde die Stadt auch nicht so schön, und ich muss sagen, es ist bestimmt einfach, in Köln zu starten, weil man superschnell mit den Leuten in Kontakt kommt – das ist auf jeden Fall ein Pluspunkt. Aber ich bin, glaube ich, einfach nicht dieser Jeck, ich muss nicht an jeder Ampel angequatscht werden, um zu hören, wie es gerade beim Bäcker war.

BT: Seit 26 Jahren sind Sie bereits ein fester Bestandteil des „Unter uns“-Casts – hätten Sie sich das träumen lassen?
Hertel: Nein, ich glaube, das hätte niemand gedacht. Die Serie hatte generell einen schweren Start mit dem Sendeplatz um 17.30 Uhr – da sind wir eher von ein oder zwei Jahren Laufzeit ausgegangen. Ich bin total glücklich, dass wir uns da etabliert haben, und es uns gelungen ist, diesen Sendeplatz zu einem Erfolgreichen umzufunktionieren.

BT: Verkörpert man als Schauspielerin über einen so langen Zeitraum eine Rolle, droht dieser Soap-Stempel. Wie gehen Sie damit um?
Hertel: Ja, man kriegt diesen Stempel, aber mir macht der nichts. Ich bin kein Mensch, der so einen richtigen Lebensentwurf hat. Ich denke nicht, wenn ich niemals in einem Tatort mitspielen darf, ist mein Leben schlecht verlaufen. Ich finde immer, der Weg ist das Ziel. Ich fühle mich sauwohl und bin immer noch so glücklich, dass ich die Chance bekommen habe, in meinem Traumberuf zu arbeiten mit soviel unterschiedlichen Kollegen und Regisseuren. Früher habe ich noch eine Menge Synchronisation gemacht, aber auch das ist meist sehr kurzfristig und schwer einzubinden. Aber ein bisschen Schwund ist auch immer – und ich bin immer noch wahnsinnig glücklich als Ute!

„Ich habe viel gelernt – und Ute mit mir“

BT: Sie haben in der Rolle der Ute Kiefer ja wirklich so einiges erlebt – wie viel Isabell steckt da schon in Ute und wie viel Ute in Isabell?
Hertel: Ich bin relativ pragmatisch im Umgang mit meiner Serienfigur. Ich mag sie sehr gerne, aber wenn die Studiotür sich schließt, ist sie nicht unbedingt an meiner Seite. An sich steckt etwas mehr Isabell in Ute als umgekehrt, weil ich ihr mehr von mir verleihe. Aber wir sprechen ja von Rollen, die sein sollen wie du und ich, keine Shakespeare-Figur, und deshalb ist es, glaube ich, auch okay, wenn ich ihr gebe als sie mir. Am meisten gemein haben Isabell und Ute den Sinn für Familie und Freunde, da sind wir uns sehr ähnlich, ansonsten geht es relativ weit auseinander – aber das macht gar nichts.

BT: Ist es für Sie besonders schön, wenn sich Ihre Figur über so einen langen Zeitraum entwickeln kann?
Hertel: Ja, das macht besonders viel Spaß, die Figur wachsen zu sehen durch mein Zutun. Manchmal gibt es Momente, da sehen die Autoren, was ich der Figur schenke, und bauen das mit in das Drehbuch ein. Ich bin durch „Unter uns“ gereift, erwachsen geworden. Mit 21 habe ich am Set angefangen, da gab es auch Situationen, durch die man sich einfach mal durchboxen und die Ellenbogen ausfahren musste. Ich habe viel gelernt – und Ute mit mir.

BT: Von Analphabetismus über eine Drogensucht und Krebsdiagnose bis zur Entführung und dem Vertauschen von Utes Kindern haben die Drehbücher schon für viele Überraschungen gesorgt. Gibt es eine Episode, die für Sie sehr bedeutend war?
Hertel: Ja, die Episode in Irland, als Ute ihren Traum erleben durfte, und ihr damaliger, leukämiekranker Mann Till Weigel durch eine Spenderniere gerettet werden konnte. Ich mochte für Ute auch sehr ihre Zeit mit Henning in der WG. Und mein persönlicher Höhepunkt war auch der Dreh in Irland, das war etwas Besonderes. Und auch die Brustkrebsgeschichte spielen zu dürfen – das klingt jetzt vielleicht seltsam – aber das war eine besondere Herausforderung, sich tiefer mit dieser Thematik auseinanderzusetzen, und danach zu erleben, wie Menschen und Betroffene auf einen zukommen und sich freuen, dass wir das thematisieren und nicht tabuisieren im TV.

„Ich finde es gut, dass wir nichts unter den Teppich kehren“

BT: Serien nehmen kein Blatt mehr vor den Mund und thematisieren heutzutage auch Dinge, die früher undenkbar waren. Sehen Sie das auch ein bisschen als die Aufgabe einer täglichen Serie, viele verschiedene Lebensrealitäten abzubilden?
Hertel: Ja, ich denke, wir haben da auch ein bisschen einen Erziehungsauftrag – das ist vielleicht etwas krass gesagt – aber ich glaube schon, dass auch die Macher dieser Serie eine gewisse Vorbildfunktion zeigen wollen mit den Themen, die auf den Tisch kommen. Ich finde gut, dass wir diese Verantwortung übernehmen und nichts unter den Teppich kehren. Früher haben auch wir uns an gewisse Thematiken nicht rangewagt, weil wir auch relativ wenig Zeit haben. Wir produzieren sechs Folgen in einer Woche. Lange Zeit waren gewisse Themen auch tabu, weil wir wussten, wir können die gar nicht anpacken wie ein 90-Minüter das könnte.

BT: Fühlt man sich als Schauspielerin, die eine erkrankte Figur spielt, manchmal so, als wäre das nicht angebracht, weil die Diagnose einen persönlich nicht betrifft?
Hertel: Nein, gar nicht. Wenn man seinen Beruf gut kennt, dann weiß man, dass das genau die Aufgabe ist. Ich muss ja auch so tun, als hätte ich mit jemandem Sex, den ich vielleicht gar nicht mag. Bei den meisten ist das Gott sei Dank nicht so, aber das kann ja auch mal passieren. Das ist Teil des Jobs. Was ich nur sehr wichtig finde, ist, dass man sich so mit der Thematik beschäftigt, dass die Menschen, die es sehen, nachempfinden können, und nicht denken, oh, die will mir jetzt erzählen, dass sie Brustkrebs hat, und wie schlecht ist das denn dargestellt. Das ist der Anspruch – und dann ist es auch richtig, dass man die Themen auf den Tisch bringt, auch in einer täglichen Serie. Man kann das machen, man muss es nur etwas vorsichtig und bedacht tun.

BT: Tägliche Serien hatten eine Blütezeit – nach und nach sind einige verschwunden. „Unter uns“ ist geblieben – was ist das Erfolgsgeheimnis?
Hertel: Da gibt es mehrere Gründe: Ich glaube, dass dieses sehr familiäre, was wir zeigen, wie man Freundschaft oder Zusammenhalt erzählt – das sind Themen, die immer aktuell sind. Wir haben eine geringe Fluktuation auch hinter den Kulissen, und dann glaube ich – das ist weniger inhaltlich gesprochen – am Ende des Tages war es nicht verkehrt, diesen Sendeplatz zu besetzen.

BT: Die TV-Landschaft hat sich enorm verändert: Analoges Fernsehen driftet immer mehr in den Hintergrund – on demand schauen, also wann man möchte, ist heute angesagt. Kann man da als analoge Serie noch mithalten?
Hertel: Da hat sich so viel verändert – Fernsehen on demand, Social Media, Netflix. Die Leute haben so viele Angebote. Wenn ich an meine Jugend denke, drei Programme, mehr gab es nicht. Heute ist das einfach so krass, ich schaue selbst so viel weniger TV als früher, weil es andere Dinge gibt. „Unter uns“ hat sich etabliert. Heute würde etwas Neues auf dem Sendeplatz komplett floppen. Man hat auch heute keinen langen Atem mehr.

Mehr Nähe durch Kameraperspektiven

BT: Wie hat Corona ihren Dreh-Alltag verändert?
Hertel: Es ist mittlerweile machbar, wir haben uns daran gewöhnt. Für die Geschichten ist es etwas schade, weil wir uns nicht berühren dürfen. Jeden Morgen vor Drehbeginn machen wir einen Coronatest und arbeiten bis zur Aufzeichnung mit Maske. Es gibt Coronabeauftragte, die extrem auf die Abstände achten, trotz der Tests. Wir mogeln dann durch Kameraperspektiven, dass es für den Zuschauer nach mehr Nähe aussieht.

BT: Dann hat sich Corona also auch auf die Geschichten ausgewirkt ...
Hertel: Absolut, die Autoren haben einen gewissen Vorlauf, da mussten alle Bücher umgeschrieben werden, weil wir reagieren mussten. Seit Herbst wussten wir direkt, was zu tun ist. Man wird sehr kreativ, muss neue Wege finden, um Nähe und Wärme zu zeigen, was vorher durch Berührungen erfolgte.

BT: Letztes Jahr feierte „Unter uns“ 25 Jahre – und ab 9. März steht die große „Unter uns“-Eventwoche an. Was erwartet die Zuschauer in der Schillerallee?
Hertel: Was wird wohl passieren: Es wird einen Schrecken aus der Vergangenheit geben, und ich weiß, dass viele schon rätseln. Ich kann nur so viel sagen: Es es wird etwas passieren, womit ich im Leben nicht gerechnet hätte. Es ist ein Knall und betrifft fast alle aus der Schillerallee, eine Mischung aus Drama und Krimi, einfach superspannend!

Ihr Autor

BT-Redakteurin Kathrin Maurer

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Erstellt:
7. März 2021, 15:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 6min 27sec

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