VW Golf im BT-Test

Baden-Baden (fde) – Durch das jüngste Facelift ist der VW Polo noch mehr zum Mini-Golf gereift. Der Kleinwagen bietet gleich zwei Hightech-Features, die in diesem Segment so nicht zu erwarten sind.

Mini-Golf: Die neu designte Frontpartie ähnelt dem großen Bruder. Foto: Volkswagen AG

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Mini-Golf: Die neu designte Frontpartie ähnelt dem großen Bruder. Foto: Volkswagen AG

Für einen Spitzenplatz in der deutschen Pkw-Bestsellerliste 2021 hat es für den VW Polo zuletzt nicht mehr gereicht. Mit rund 32.000 verkauften Modellen (minus zehn Prozent) taucht der Kleinwagen erstmals seit vielen Jahren nicht in den Top Ten auf. Dabei hat die seit 2017 verkaufte sechste Generation im vergangenen Jahr ein umfassendes Facelift spendiert bekommen. In diesem Zug haben die Wolfsburger die Ausstattungspalette überarbeitet, die nun die Linien Polo, Life, Style und R-Line umfasst. Letztere als besonders sportliche Top-Variante tritt zum BT-Test an.

Mit den LED-Matrix-Scheinwerfern und dem Travel Assist, der teilautomatisiertes Fahren ermöglicht, sind gleich zwei Features an Bord, mit denen in dieser Klasse nun wirklich nicht zu rechnen ist. Im Touareg, Passat, Golf und Tiguan okay, aber im zweitkleinsten VW-Spross? Das überrascht positiv. Die neu designte Front- und Heckpartie mit markanter Lichtsignatur erinnert an den Golf und die ID-Modelle. Das nur vom VW-Logo unterbrochene LED-Band unterhalb des Kühlergrills verleiht dem Wagen ein breiteres Erscheinungsbild. Die schwarzen Quer- und Längsstreben im Stoßfänger sind übrigens genau wie der schwarze Diffusor mit integrierten Abgasblenden in Chromoptik und der schwarze Heckspoiler der R-Line vorbehalten – die Extraportion Exklusivität verhilft dem Mini-Golf tatsächlich zu deutlich mehr Sportlichkeit.

Schwarzer Heckspoiler und Diffusor mit Abgasblenden in Chromoptik: Die R-Line ist auf Sportlichkeit getrimmt. Foto: Volkswagen AG

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Schwarzer Heckspoiler und Diffusor mit Abgasblenden in Chromoptik: Die R-Line ist auf Sportlichkeit getrimmt. Foto: Volkswagen AG

Mit 4,05 Meter Länge hat auch der Polo längst die Kleinwagen-Schallmauer von vier Metern durchbrochen. Durch einen ebenso üppigen Radstand sind die Platzverhältnisse entsprechend gut im Innenraum. Vorne sowieso, doch selbst hinten können zwei Erwachsene bequem mitfahren, ohne die Füße oder den Kopf einziehen zu müssen.

Der Kofferraum bietet mit 351 Litern ausreichend Platz für einen normalen Einkauf. Wird die zweigeteilte Rückbank umgelegt, ist rund das Dreifache an Volumen verfügbar. Der Ladeboden lässt sich mit einem Griff bequem nach oben ziehen. Ist wie in unserem Fall kein Reserverad dabei, gibt es in der Mulde zusätzlichen Stauraum. Alles in allem bietet der Polo auch hier ein Ergebnis, das die Erwartung an einen Kleinwagen übersteigt.

Digitales Cockpit in zwei Größen

Auch die Anmutung des Innenraums gefällt: Die dunkelgrauen Sitze – teilweise mit schickem Veloursleder bezogen – versprühen die sportliche R-Line-Note auch im Innenraum. Für zusätzliches Wohlbefinden sorgt die Ambientebeleuchtung. Das Cockpit ist übersichtlich gestaltet, die wenigen verbliebenen Schalter sind allesamt griffgünstig verbaut. Analog war gestern: Serienmäßig gibt es im überarbeiteten Polo jetzt ein digitales Cockpit. Der Bildschirm bietet mindestens acht Zoll, gegen Aufpreis ist auch eine 10,25-Zoll-Variante verfügbar. Über die „View“-Taste am Multifunktionslenkrad kann zügig zwischen drei Grundlayouts hin- und hergewechselt werden. Über weitere Tasten lassen sich die gewünschten Fahrinformationen anzeigen oder sogar einzelne Assistenzsysteme de- und aktivieren.

Ordentlich dimensioniert: Ein Blick in den Kofferraum. Foto: Dennis Schmidt

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Ordentlich dimensioniert: Ein Blick in den Kofferraum. Foto: Dennis Schmidt

Rechts daneben geht es fast nahtlos mit dem Display des Infotainmentsystems weiter. Wie nahtlos ist auch davon abhängig, wie groß der Screen den sein soll: 6,5-, 8,0- oder doch lieber 9,2 Zoll? Abhängig von der Größe ist auch der Funktionsumfang. Die Premiumvariante beinhaltet ein Navigationssystem und die permanente Online-Anbindung mit zahlreichen Features.

Darunter sitzt die Klimabedieneinheit, bei der gegen Aufpreis ebenfalls die Digitalisierung einzieht. „Climatronic“ heißt das Feature bei Volkswagen. Statt Drehreglern und Tasten gibt es Touchflächen und Slider. Die Bedienung ist selbsterklärend und klappt einwandfrei – dank Beleuchtung selbst bei Nacht. Eine induktive Ladefläche und jeweils zwei USB-C-Anschlüsse vorne und im Fond ermöglichen, sogar mehrere Smartphones unterwegs zu laden.

Zig Helfer fürs Parken

Das Armaturenbrett ist schlicht, aber elegant. Der Sparzwang ist am ehesten an den Türverkleidungen abzulesen, die größtenteils aus Hartplastik bestehen. Immerhin die Armauflagen sind aber geschäumt.

Und klar: Wenn der Polo solch ein Hightech-System besitzt, ist das nur die Speerspitze der nützlichen Helfer. Volkswagen fährt groß auf und rüstet den Mini-Golf umfassend mit Sicherheitssystemen aus – das meiste allerdings nur gegen Aufpreis. Immer dabei sind immerhin der Front Assist mit Notbremsfunktion, der Spurhalteassistent sowie LED-Scheinwerfer. Doch allein fürs Parken gibt es reichlich Unterstützung: Sensoren vorne und hinten piepsen rechtzeitig, wenn ein Hindernis naht. Für den Blick nach hinten gibt es ohnehin noch die Rückfahrkamera. Und wenn beim Zurücksetzen links und rechts die Sicht versperrt ist und bei Querverkehr naht, meldet sich der Ausparkassistent. Und wer grundsätzlich nicht gerne in einparkt, kann mit einem Tastendruck die Aufgabe an den Parklenkassistenten übertragen. Gas geben und Bremsen obliegt dem Fahrer, das Lenken übernimmt der Wagen.

Analog war gestern: Das digitale Cockpit ist nun Serie. Foto: Volkswagen AG

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Analog war gestern: Das digitale Cockpit ist nun Serie. Foto: Volkswagen AG

Allein beim Lenken bleibt es bei aktiviertem Travel Assist nicht. Auch ums Bremsen und Beschleunigen kümmert sich das System. Einzige Voraussetzung: Die Hände müssen die ganze Zeit am Lenkrad bleiben. Der Travel Assist kombiniert verschiedene Assistenten. So hält der Polo die Spur, schließt bis zu einem selbst gewählten Abstand zum Vordermann auf und bremst durch das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe sogar bis zum Stillstand ab. Vorausschauend werden Geschwindigkeitshinweise berücksichtigt, auch vor Kreisverkehren oder scharfen Kurven wird das Tempo automatisch reduziert. Nur einmal im BT-Test bremst der Wagen grundlos ab, denn die vermeintliche Baustelle existiert bereits seit mehreren Wochen nicht mehr. Ansonsten überzeugt das System auch im Polo auf ganzer Linie.

Durstiger als beworben

Auf der Straße lässt sich der Kleinwagen problemlos in der Spur halten, Unebenheiten werden gut ausgeglichen und die Lenkung ist sehr präzise. Der 110 PS starke 1,0-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner bietet für dieses Segment mehr Leistung als nötig. Zu wild sollte das Anfahren aber nicht ablaufen, denn das wird mit einem unruhigen Rucken quittiert. Alternativ gibt es zwei Benziner mit 80 oder 95 PS und Handschaltung.

Der von VW beworbene Verbrauch von 5,6 Litern wird im Test deutlich überschritten. 7,4 Liter sind es im Schnitt. Bei weniger Autobahnetappen und mehr Stadtpassagen ist ein Wert um die sechs Liter realistisch.

Fazit

Mehr als 18 Millionen Polos sind seit dem Debüt im Jahr 1975 vom Band gerollt – der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Über sechs Generationen ist das Modell bereits gereift. Was VW alles an Ausstattung in seinen Kleinwagen packt, ist in diesem Segment beispiellos. Das Paket hat allerdings einen selbstbewussten Preis: Bei knapp 20.000 Euro geht es mit der Basisvariante los. Die R-Line samt Topbenziner startet bei 26.840 Euro, der BT-Testwagen mit allerlei Sonderausstattung kostet 33.000 Euro – auch wenn einiges davon wie beispielsweise das Beats-Soundsystem für viele sicher verzichtbar ist.

Technische Daten

VW Polo R-Line

Motor: 1,0-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner

Leistung: 110 PS

Max. Drehmoment: 200 Nm

Getriebe: Siebengang-Doppelkupplung

0 - 100 km/h: 10,4 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit: 195 km/h

Verbrauch: 5,6 l / 100 km

CO2-Ausstoß: 128 g/km

Leergewicht: 1.207 kg

Maße (L/B/H): 4,07 m/1,75 m/1,45 m

Basispreis: 26.840 Euro

Testfahrzeuge werden der Redaktion von Herstellern unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Über Art und Inhalt der Berichterstattung bestimmt allein die Redaktion.

Ihr Autor

BT-Redakteur Dennis Schmidt

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Erstellt:
29. Januar 2022, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 22sec

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