Vandalismus macht vor Rieddörfern nicht Halt

Rastatt (ema) – Stefan Lott hat die Faxen dicke: „Da muss was passieren“, reißt dem Ottersdorfer Ortsvorsteher der Geduldsfaden wegen einer Serie von Vandalismus-Schäden.

Vandalismus am Obstlehrpfad: Francis Moog, Ehrenvorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Ottersdorf, klagt über Farbsprühereien auf 15 Stelen. Foto: Frank Vetter

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Vandalismus am Obstlehrpfad: Francis Moog, Ehrenvorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Ottersdorf, klagt über Farbsprühereien auf 15 Stelen. Foto: Frank Vetter

Hinzu kommt der am Wochenende abrupt wieder entbrannte Ärger am Lindensee. Fast scheint es, als sei die Zerstörungswut einer Jugendgang vom Nachbarort Wintersdorf hinübergeschwappt. Die Stadtverwaltung ist hellhörig geworden.
Innerhalb weniger Tage hat Lotts Liste einen frustrierenden Umfang angenommen. Auf dem in der Region bekannten Obstlehrpfad haben Unbekannte 15 Stelen aus Granit mit schwarzer Farbe besprüht. Beim neuen Bolzplatz ist die Vermüllung noch das kleinere Übel. Aus dem Maschendrahtzaun der Anlage wurden offenbar mit einem Bolzenschneider Drähte herausgeschnitten. Bei der Schule nebenan stapelten Unbekannte Paletten und kletterten auf dem Dach herum. Beim Zugang zum Kaltenbachsee wurde das Schloss einer Schranke geknackt. „Man kann das nicht verstehen“, schüttelt der Ortsvorsteher den Kopf. Auch der Ehrenvorsitzende des Ottersdorfer Obst-und Gartenbauvereins, Francis Moog, fragt sich: „Warum machen die jungen Leute das? Ich verstehe es nicht.“ Moog zeigt auf eine von 15 Granitstelen entlang dem Obstbaum-Lehrpfad am Ortsausgang. Seit 1996 gibt es den Informationsweg zum Thema Streuobst. 130 Obstbäume sind dort zu bewundern. Vor jedem ist eine Stele aus Granit aufgestellt, die über die jeweilige Baumsorte informiert. Es sei das erste Mal, dass die Stelen von sinnloser Gewalt in Form von schwarzer aufgesprühter Farbe betroffen seien, berichtet Moog. Der Verein wird Anzeige erstatten.

Ein Thema für den Arbeitskreis Stadtsicherheit

Beim turnusmäßigen Treffen der Ortsvorsteher in dieser Woche hat Stefan Lott die Probleme angesprochen. Von einer generellen Verschärfung der Lage in den Riedorten will man im Rathaus nicht sprechen. Allerdings werde man den Vandalismus im Arbeitskreis Stadtsicherheit aufgreifen, kündigt Pressesprecherin Heike Dießelberg an.

Bereits in der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass Vandalismus vor den Toren der Dörfer keinen Halt macht. Erst im vergangenen Jahr schrieb eine Jugendgang in Wintersdorf Schlagzeilen. Eine Gruppe von etwa ein Dutzend Jungs und Mädchen hinterließ in ihrer Zerstörungswut eine Schneise der Verwüstung. Aktuell habe sich die Lage beruhigt, stellt Ortsvorsteherin Daniela Schneider fest, nachdem sie im vergangenen Jahr mehrmals das Gespräch mit Eltern gesucht habe – mit eher „dürftigen Rückmeldungen“. Daniela Schneider spricht vorsichtig von einer „Momentaufnahme“. Schließlich steigen die Temperaturen und die Tage werden länger. Nicht ausschließen will sie, dass sich die Sachbeschädigungen gerade ins Nachbardorf verlagern: „Viele Jugendliche kennen sich ja.“ Ob diese sogenannte Wheelie-Gang – benannt nach ihrem Erscheinungsbild mit Fahrrädern – tatsächlich für die neueren Schäden verantwortlich ist, hält ein Polizeisprecher für „Spekulation“. Die Ordnungshüter erkennen derzeit keine größeren Auffälligkeiten im Ried. Allerdings ist die Polizei bislang auch nur über die Schäden am Obstlehrpfad in Kenntnis gesetzt worden.

„Chaotische Verhältnisse“

Schneiders Kollege Stefan Lott plagt derweil nicht nur der Vandalismus. Die Saison am Lindensee hat wieder begonnen – und prompt muss sich der Ortsvorsteher geharnischte Kritik anhören. Anwohner Wolfgang Kilian spricht von „chaotischen Verhältnissen“ am vergangenen Sonntag: „Offenes Feuer (Wasserpfeifen), Dutzende Motorroller mit sicherlich nicht betriebskonformen Auspuffanlagen, die permanent um den See fahren (die Sonntagsruhe ist massiv gestört), parkende Fahrzeuge im Halteverbot am See, parkende Fahrzeuge auf dem Wendehammer im Girrlenweg“, schreibt er in seinem Rapport.

Kilian fordert eine permanente Aufsicht des Badebetriebs. Doch das hält Lott nicht für machbar, weil das Gewässer kein offizieller Badesee sei. Zwar hat der Ortsvorsteher wieder einen Sicherheitsdienst angeheuert, der täglich zu unregelmäßigen Zeiten, auch nach 22 Uhr, kontrollieren werde. Der sollte eigentlich am 1. Juni loslegen. Doch nach einem Vor-Ort-Termin am Mittwoch mit Firma, Polizei und Verwaltung einigte man sich auf einen Beginn am 21. Mai (bis 10. September), heißt es jetzt aus dem Rathaus.

Lott weiß selbst, dass eine zufriedenstellende Lösung noch nicht gefunden ist. Seinen Vorschlag, den südöstlichen Teil des Sees mit Bojen oder Wasserleinen abzusperren, stößt auf Widerstand des örtlichen Angelsportvereins, weil die Schikanen beim Fischen hinderlich seien. Jetzt denke man über Alternativen nach. Klären will Lott, ob Bürger falsch geparkte Fahrzeuge fotografieren dürfen, um ein Bußgeldverfahren in die Wege zu leiten.

Im Rastatter Rathaus bedauert man, dass sich der Konflikt hochschaukelt. Der kommunale Ordnungsdienst (KOD) werde zwar auch am Lindensee eingesetzt; der habe aber mehrere Freizeitflächen zu kontrollieren, sagt Heike Dießelberg. Ohnehin sei die Effizienz eingeschränkt, weil weder KOD noch Sicherheitsfirma Personalien feststellen dürften. Empfehlung aus dem Rathaus: „Es führt kein Weg daran vorbei, dass Betroffene die Polizei verständigen.“


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