Vasco Walz: Traum von der Fußballkarriere

Kuppenheim (rap) – Er kommt aus Kuppenheim, ordnet als Kapitän das Mittelfeld von Borussia Dortmund und ist seit einigen Wochen U-17-Nationalspieler: Vasco Donato Walz will Fußballprofi werden.

„Im zentralen defensiven Mittelfeld fühle ich mich am wohlsten“: Vasco Walz ist der Stratege im Zentrum der Dortmunder B-Jugend. Foto: Privat

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„Im zentralen defensiven Mittelfeld fühle ich mich am wohlsten“: Vasco Walz ist der Stratege im Zentrum der Dortmunder B-Jugend. Foto: Privat

Schon der Name klingt nach großem Fußball: ein Hauch Copa Libertadores, eine Prise AC Mailand und eine ordentliche Portion Dampfhammer. Und in der Tat, Vasco Donato Walz hat für sein Alter schon ganz schön viele Schritte in Richtung große Karriere gemacht. Vor rund einem Monat absolvierte der 16 Jahre alte Kuppenheimer beim 2:2 gegen die Auswahl Dänemarks sein zweites Spiel mit dem Adler auf der Brust. Anfang September – damals war Walz noch 15 – gab das Talent, das ansonsten das defensive Mittelfeld der B-Jugend von Borussia Dortmund ordnet, sein Debüt für die U-17-Nationalmannschaft des Deutschen Fußball-Bunds.

„Das hat schon Bock gemacht“, sagt Walz über seine Premiere beim DFB gegen Belgien, die auch dank mittelbadischer Hilfe mit 3:2 gewonnen wurde. Der Nachwuchskicker mit dem lautmalerischen Vornamen klingt mit seinem adaptierten Ruhrpott-Slang dabei schon erstaunlich abgeklärt: „Die Vorfreude“ auf den ersten Auftritt im elitären Kreis, so sagt er, war definitiv größer als die Nervosität. „Der Ball lief gut, es war ein gutes Spiel“, antwortet Walz auf die Frage, wie er selbst mit seinem Debüt zufrieden war.

SV 08 Kuppenheim, KSC – dann Borussia

Was seine Ziele angeht, ist der Teenager weniger zurückhaltend, was bei seinem bisherigen Werdegang – von seinem Heimatverein SV 08 Kuppenheim über den Karlsruher SC bis in die Stammelf des BVB – auch nicht weiter verwunderlich ist. „Jeder, der bei einem so großen Club spielt, oder auch schon beim KSC, hat immer das Ziel, Fußballprofi zu werden. Das ist auch mein Ziel.“ Es geht aber auch noch eine Nummer größer, denn „träumen geht immer“, sagt Walz: Wenn er mit seinen Zukunftsgedanken Doppelpass spielt, malt sich der 16-Jährige schon manchmal aus, wie es wäre später mal die Champions League zu gewinnen oder den goldenen WM-Pokal in die Höhe zu stemmen. „Bis dahin ist es noch ein langer Weg, aber wenn es irgendwann so kommen würde, wäre das natürlich schon schön.“

Vasco Walz mit dem DFB-Adler auf der Brust. Foto: DFB

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Vasco Walz mit dem DFB-Adler auf der Brust. Foto: DFB

Der Ball indes wurde dem kleinen Vasco in die Wiege gelegt. Sein Papa Antonio D’Onofrio spielte früher beim FC Gernsbach und war in den ersten Jahren im Wörtel auch Jugendtrainer seines Sprösslings. Onkel Gennaro D’Onofrio ist nicht nur bezirksbekannter Ex-Kicker und -trainer, sondern aktuell auch fußballverrückter Vorsitzender des VfR Bischweier. Sein Neffe musste schon in jungen Jahren beim SV 08 lernen, sich gegen ältere – und meist auch körperlich überlegene – Gegner durchzusetzen. Seine Kontrahenten „waren im Schnitt immer zwei Jahre älter“, erklärt Papa Antonio. Auch beim KSC, wo Vasco Walz ab der U 12 spielte. „Ich musste immer Wege finden, mich zu wehren. Das hat mir geholfen“, sagt Walz.

Als 14-Jähriger sollte er eigentlich für die U 17 im Wildpark auflaufen, vor der Saison stand gefühlt die halbe Bundesliga-Elite auf der Matte und wollte das Talent verpflichten: Eintracht Frankfurt, TSG Hoffenheim, VfB Stuttgart, Mainz 05, SC Freiburg. „Aber dann hat Lars Ricken angerufen“, erzählt Walz und grinst: „Natürlich waren das alles große Clubs“, aber nach dem Gespräch mit dem Champions-League-Held von 1997, Ex-Nationalspieler und heutiger Nachwuchskoordinator bei den Schwarz-Gelben, hatte der Kuppenheimer „schon nochmal ein ganz anderes Gefühl“. Nach ein paar Tagen Bedenkzeit sagte er beim BVB zu – und zog als 14-Jähriger in den tiefen Westen. Aus dem schmücken Elternhaus in Oberndorf ins nicht minder imposante Internat des Dortmunder Nachwuchsleistungszentrums.

Sowohl zweikampf- als auch meinungsstark

Dort kann sich der Nachwuchskicker voll und ganz seinem Traum widmen. Denn auch abseits des Rasens – das Goethe-Gymnasium ist eine NRW-Sportschule – nimmt man Rücksicht auf die vielversprechenden Nachwuchsathleten. „Die Kooperation ist super“, sagt Walz, „hier wäre das nicht gegangen.“ Obendrein spart er jede Menge Zeit. Zeit, die er früher auf der Autobahn nach Karlsruhe verbracht hat – das Vesperbrot in der einen, die Hausaufgaben in der anderen Hand – und die er nun für Zusatzschichten nutzen kann: im Kraftraum, beim Physiotherapeuten oder für die Videoanalyse. „Von meinem Zimmer in die Kabine brauche ich nur drei Minuten“, schwärmt Walz vom professionellen Umfeld, wo ihm auch immer mal wieder die Profis des BVB über den Weg laufen.

Axel Witsel zum Beispiel oder Emre Can – zwei Stars, von denen sich Walz für sein eigenes Spiel einiges abguckt. Zweikampfstark, unangenehm, dennoch ballsicher und mit Zug nach vorne – das sind die Attribute, die auch Walz für sein Spiel braucht. „Im zentralen defensiven Mittelfeld“, im Maschinenraum des Fußballs, dort, wo Partien entschieden werden, „fühle ich mich am wohlsten“. Sein großes Vorbild ist allerdings kein Mittelfeldstratege wie Joshua Kimmich oder Marco Verrati, sondern ein Stürmer. Nein: DER Stürmer: Zlatan Ibrahimovic. Mit der Tatsache, dass Papa Antonio Milan-Fan ist, hat das indes weniger zu tun. „Selbstbewusst und charakterstark – auch wenn Zlatan nicht auf meiner Position spielt, ist er ein Spieler, den ich bewundere und mit dem ich mich identifizieren kann. Auch ich scheue mich nicht, Dinge anzusprechen, meine Meinung zu sagen“, betont Walz, der auch einen italienischen Pass besitzt. Und wie Zlatan hat auch Vasco bisher Worten erfolgreich Taten folgen lassen, wenn auch auf kleinerer Ebene.

„Vasco ist ein Musterbeispiel an Disziplin“

Das Leben eines designierten Profis hat auch in jungen Jahren mit Verzicht zu tun, auf die alten Freunde etwa, mit denen Walz aber nach wie vor über das Smartphone in Kontakt ist. Aber mehr noch auf die Familie: Vater Antonio, Mutter Karin und die beiden Schwestern. Gerade für die Mama ist es nicht immer einfach, wenn ihr Sohn rund 400 Kilometer entfernt wohnt und kickt. Aber Karin Walz spielt mit: „Vasco ist ein Musterbeispiel an Disziplin. Er strengt sich total an, in der Schule, beim Training, im Verein. Er tut alles, was er kann. Deshalb hat er es auch verdient, es zu probieren.“ Und um die Sehnsucht etwas zu lindern, sind Walz‘ Eltern bei all seinen BVB-Spielen vor Ort. Wenn samstags gespielt wird, fährt der Junior nach der Partie fast immer mit zurück nach Oberndorf. Am Sonntagabend geht es dann mit dem Zug zurück nach Dortmund.

Gespielt wird momentan aber gar nicht. Wie überall im Land wurden auch die Partien der B-Jugend des BVB, wo Walz noch einen Vertrag bis Ende August 2021 hat, aufgrund der Corona-Pandemie ausgesetzt. Ohnehin müsste Walz derzeit zuschauen, im vorletzten Spiel gegen Alemannia Aachen musste er bereits nach einer Viertelstunde verletzungsbedingt passen. Wenn der Spielbetrieb in absehbarer Zeit aber wieder aufgenommen würde, könnte sich der Kuppenheimer das gelbe Trikot erneut überstreifen. Sein BVB, den Walz in der vergangenen Saison, die in der entscheidenden Phase ebenfalls dem Virus zum Opfer fiel, als Kapitän aufs Feld führte, rangiert nach fünf Spielen auf dem zweiten Platz der Bundesliga West, hinter den Gladbacher Borussen. Das ist freilich nicht das Selbstverständnis des Topclubs – und auch nicht das von Vasco Donato Walz: „Beim BVB spielt man, um Erster zu werden“, sagt der 16-Jährige und fügt hinzu: „Auch mein persönlicher Anspruch ist es, immer ganz oben mit dabei zu sein!“ In Dortmund, bei der U-17-Nationalmannschaft – und wer weiß, vielleicht irgendwann auch mal in der Champions League oder bei der WM.

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Erstellt:
14. November 2020, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 45sec

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