Verbindung von Mensch, Arbeit und Natur

Loffenau (vgk) – Das junge Loffenauer Start-up-Unternehmen namens Bernstein Eco-Consulting F. Wagner will mit seiner Arbeit den Stellenwert des Umwelt- und Artenschutzes erhöhen.

David Reiss (links) und Frederik Wagner entfernen oberhalb von Gausbach Adlerfarn, um eine spätere Ziegenbeweidung zu ermöglichen. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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David Reiss (links) und Frederik Wagner entfernen oberhalb von Gausbach Adlerfarn, um eine spätere Ziegenbeweidung zu ermöglichen. Foto: Veronika Gareus-Kugel

Schwer zugängliche Steillagen, Streuobstwiesen, Wiesenlandschaften, dunkle Nadelwälder: Die vielfältige und artenreiche Kulturlandschaft des Schwarzwalds und seiner Täler auch für nachfolgende Generationen zu erhalten, erfordert mancherorts schweißtreibende Aktionen.

„Der beste Schutz ist vielerorts der Nutzen der Natur, um ihren Artenreichtum zu erhalten“, erzählen im BT-Gespräch die beiden aus Loffenau stammenden Frederik Wagner und David Reiss. Gemeinsam hatten sie im vergangenen Jahr die Idee für die Firma Bernstein Eco-Consulting F. Wagner als Einzelunternehmen. Um eine artenreiche Mähwiese zu erhalten, müssen Adlerfarn und Brombeerhecken konsequent bekämpft werden, so Wagner. Die Geschichte hat aber einen Haken – und der ist die Topografie des Murgtals und seiner Seitentäler. Je enger diese werden, desto steiler werden die Hänge, die dann nur noch mühsame Handarbeit zulassen.

In früheren Zeiten wurden die zur Murg abfallenden Wiesenhänge für das Vieh und den Anbau von Obst und Gemüse gebraucht. Mit der im Murgtal zunehmenden Industrialisierung und dem Angebot an Fabrikarbeitsplätzen für die Bevölkerung nahm deren Bedeutung zur Versorgung der Familien immer mehr ab. Es entstanden Brachflächen, auf denen Primärsukzession (Wildwuchs) herrscht und Adlerfarn ideale Wachstumsbedingungen vorfindet.

Junges Unternehmen will sich in einer Nische etablieren

Die Maßnahmen, dem entgegenzuwirken und die Entwicklung von Flächen zu artenreichen Wiesen zu befördern, ergeben sich aus der FFH-Richtlinie. Flora (Pflanzenreich), Fauna (Tierreich), Habitat (Lebensraum) – abgekürzt FFH – ist ein europäisches Regelwerk zur Ausweisung von speziellen Schutzgebieten. Zudem sind FFH-Gebiete Teil des Natura-2000-Netzwerks, ein Netz zusammenhängender Schutzgebiete innerhalb der Europäischen Union, um Artenvielfalt und Biodiversität zu erhalten.

Der Auftraggeber einer in diese Richtung zielenden Aktion ist immer die untere Naturschutzbehörde des Landratsamts. Der Landschaftserhaltungsverband des Landkreises Rastatt begleitet die Projekte, häufig durchgeführt von Vereinen und Privatpersonen. „Daneben haben wir unseren Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft geleistet“, erzählt Wagner.

Das Geld für die Offenhaltung der Landschaft stellt das Land bereit, führt Wagner weiter aus, der sein Studium der Forstwirtschaft und Ökosystem-Management in Erfurt absolvierte und im Anschluss daran noch die Staatsprüfung für den gehobenen Forstdienst in Hessen abgelegt hat. Bernstein Eco-Consulting F. Wagner Mitideengeber Reiss studiert in Dresden internationale Beziehungen, Umwelt- und europäisches Völkerrecht.

Das Start-up-Unternehmen knüpft an der Stelle an, an der es um die Verbindung von Mensch, Arbeit und Natur im Rahmen der Projektdurchführung geht. Zur Begründung erläutert Wagner: „Die Vorgaben werden gemacht, die Mittel bereitgestellt, zumeist hapert es jedoch an der Kapazität für Planung und Durchführung.“ Und genau in dieser Nische will sich das junge Unternehmen etablieren. „Damit Umwelt- und Artenschutz einen noch größeren Stellenwert bekommen“, fügt Reiss ergänzend hinzu.

Der Betrieb versteht sich als Partner der für die Projektumsetzung zuständigen Institutionen. Bisher gebe es nur wenige Firmen, die den Schutz der Artenvielfalt und der Landschaft auf diese Weise zum Inhalt haben. Projektbezogen werden Studenten, die Interesse am Naturschutz haben, auf Minijobbasis angestellt, auch um ihnen eine Möglichkeit zum sinnvollen Gelderwerb zu geben.

9500 Quadratmeter von Adlerfarn befreit

Rund 9500 Quadratmeter Fläche wurden im vergangenen Jahr in Weisenbach in der Schlechtau und oberhalb von Gausbach vom Adlerfarn befreit. Im Anschluss daran wurde die Biomasse abgerecht und am Waldrand belassen. In den kommenden Sommermonaten ist die Folgepflege zu gewährleisten, damit irgendwann Ziegen die Arbeit übernehmen können.

Reiss und Wagner machen sich ebenfalls über das richtige Equipment für derlei Tätigkeiten Gedanken. Zum Arbeitseinsatz kommt deshalb der Nachbau eines schon in früheren Epochen benutzten Holzrechens. Mit Hochachtung spricht Wagner vom Erfindungsreichtum jener Menschen. Der Rechen hat einen langen Fichtenstiel, der die Arbeit auf der Schräge erleichtert. Der Kopf ist aus zähem Eschenholz und die Zinken sind aus stabilem Weißdorn gefertigt. Zudem ist das landwirtschaftliche Gerät leicht und kommt ohne Metall und Klebstoff aus. Für den Zusammenhalt sind Eichenholzkeile verbaut.


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