Verdacht gegen Masken-Verweigerer

Rastatt (ema) – Nicht alle Apotheken führen FFP2-Masken, die seit dieser Woche an Menschen aus Risikogruppen gratis abgegeben werden müssen. Das sorgt für Ärger.

Die Gratis-Abgabe der FFP2-Masken ist eine Herkulesaufgabe für die Apotheken. Noch läuft es nicht rund. Foto: av

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Die Gratis-Abgabe der FFP2-Masken ist eine Herkulesaufgabe für die Apotheken. Noch läuft es nicht rund. Foto: av

Es ist eine „Herkulesaufgabe“, sagt Frank Eickmann. Die kostenlose Abgabe von FFP2-Masken an Menschen ab dem vollendeten 60. Lebensjahr sowie Personen mit bestimmten Vorerkrankungen sowie Risikopatienten bringt die Apotheken ans Limit, weiß der stellvertretende Geschäftsführer des Landesapothekerverbands (LAV) Baden-Württemberg. Dass in manchen Pharmazieläden überhaupt keine Masken erhältlich sind, könnte auch mit unlauteren Methoden zusammenhängen, mutmaßt der Rastatter Apotheker Christoph Bergbauer.
Als in dieser Woche der Startschuss für die Versorgungsaktion fiel, hatte der Betreiber der Georgen-Apotheke mehrere Tausend FFP2-Masken parat, die am Donnerstag alle vergriffen waren. Bergbauer berichtet von langen Schlangen vor seinem Geschäft und wunderte sich, dass einige unbekannte Kunden kamen, die erklärten, in ihrer Stammapotheke gebe es überhaupt keine Masken.

25.000 Euro im Schnitt für jede Apotheke

Bergbauer, der auch im Beirat des LAV sitzt, hegt deshalb den Verdacht, dass Kollegen sich der Aktion entziehen, aber trotzdem finanziell profitieren wollen. Dass das möglich ist, liegt an der Systematik. Die Apotheker müssen in Vorleistung gehen und die Masken auf dem freien Markt besorgen. Dafür stehen allen pharmazeutischen Läden allein für den Dezember im Durchschnitt rund 25.000 Euro aus einem Fonds zu – eine Auszahlung, gegen die man „sich nicht wehren kann“, sagt Frank Eickmann. Im Gegenzug besteht eine „Leistungspflicht“ zur Beschaffung und Ausgabe der Masken – eigentlich. Doch sowohl beim LAV als auch bei der berufsrechtlichen Aufsicht, der Landesapothekerkammer, liegen Hinweise vor, dass man nicht überall dieser Leistungspflicht nachkommt. Das könnte auch darin begründet sein, dass die vom Bundesgesundheitsminister verkündete Verordnung mit heißer Nadel gestrickt und offenbar nicht ganz sattelfest ist. Katina Lindmayer von der Landesapothekerkammer spricht von einer „Verpflichtung ohne Rechtsgrundlage“. Die Situation sei schwierig; Hinweisen auf Totalverweigerer werde man nachgehen.

Dass der Versorgungsauftrag in Einzelfällen nicht erfüllt wird, könnte laut Verbandsvertreter Eickmann auch an anderen Gründen liegen. Viele Apotheker hätten die Masken bestellt, seien aber noch nicht beliefert worden, weil es auf den allgemeinen Versandwegen der Logistiker aufgrund des geballten Lieferverkehrs vor Weihnachten klemmt. Der LAV-Sprecher will aber auch nicht ausschließen, dass einige Kollegen durch die jüngste Pleite eines Apothekerrechenzentrums wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand stehen und deshalb über keine ausreichende Reserve verfügen, um finanziell in Vorleistung zu treten. Bei der Apothekerkammer wiederum hat man Hinweise erhalten, dass manche Häuser Masken nur an Stammkunden abgeben.

Bei LAV und Kammer jedenfalls will man sich den Unregelmäßigkeiten widmen – denn jetzt ist nur der erste Ansturm bewältigt. Noch bis 6. Januar haben allein in Baden-Württemberg rund 3,7 Millionen Menschen Anspruch auf drei kostenlose FFP2-Masken.

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Erstellt:
19. Dezember 2020, 06:00 Uhr
Lesedauer:
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