Verein „Neues Leben“ Baden-Baden hilft Ukrainern

Baden-Baden (sga) – Alexander und Yaroslav Srokovskyi wollen mit dem Verein Neues Leben Kriegsgeschädigten aus der Ukraine helfen. Unterstützung bekommen sie dabei von Vitaly Klitschko.

Kann heute Fußball spielen: Victor ist 2015 ohne Beine als Kriegsgeschädigter nach Baden-Baden gekommen. Foto: Familie Srokovskyi

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Kann heute Fußball spielen: Victor ist 2015 ohne Beine als Kriegsgeschädigter nach Baden-Baden gekommen. Foto: Familie Srokovskyi

Victor hat keine Beine mehr, als er 2015 nach Baden-Baden reist. Der ukrainische Soldat musste in seiner Vergangenheit einiges erleben – und auch Verluste hinnehmen. Nach Deutschland kommt er, weil der Verein Neues Leben ihm helfen möchte. Nicht nur aus medizinischer Sicht, denn „für diese Menschen müssen wir Dinge organisieren, die für uns normal sind“, betont Alexander Srokovskyi.

Als Vizepräsident des Vereins arbeitet er eng mit dem Gründer, seinem Vater Yaroslav, zusammen. Gemeinsam sorgen sie sich um Ukrainer, die in ihrem Heimatland nicht die Hilfe in Anspruch nehmen können, die sie dringend brauchen. Victor ist nur einer der Kriegsgeschädigten, doch sein Schicksal beschäftigt die Familie Srokovskyi bis heute.

Yaroslav, der selbst in Lemberg in der Westukraine aufgewachsen ist, kann sich gut in die Betroffenen hineinversetzen, denen er hilft. Dennoch: „Da kommen Menschen, die im Krieg gewesen oder über einen langen Zeitraum gefoltert worden sind. Das können wir uns hier in Deutschland gar nicht vorstellen.“ Sichtbar sind dagegen die „Narben, bei denen ich gar nicht erst frage, woher sie kommen“, wenn die sowohl körperlich als auch psychisch verletzten Menschen eintreffen. Alexander Srokovskyi, der in Kiew geboren wurde und mittlerweile Inhaber mehrerer Praxen in Baden-Baden ist, hat nicht nur persönliche Berührungspunkte mit dem Land, das aktuell von russischen Truppen angegriffen wird. Viele seiner Mitarbeiter seien Ukrainer, die sich große Sorgen um ihre Familienmitglieder machen.

Unterstützung auch auf emotionaler Ebene

Mit dem Verein Neues Leben versuchen er und sein Vater bereits seit 2014 das Leid, das durch den Krieg entstanden ist, zu lindern. Sie holen Betroffene nach Baden-Baden, schauen sich ihre Verletzungen an und kümmern sich um die medizinische Versorgung. „Da steckt aber noch so viel mehr dahinter“, betonen Vater und Sohn. Wer in der Kurstadt behandelt und operiert wird, geht nicht nach zwei Tagen wieder zurück in sein Herkunftsland, „wir stellen Wohnungen zur Verfügung, kümmern uns um die Verpflegung und Rehabilitation und sind auch auf emotionaler Ebene nah an den Menschen“. Denn wer einen Krieg erlebt hat, trägt die Narben nicht nur am Körper, sondern auch in der Seele mit sich herum.

Doch mit der Hilfsbereitschaft wächst auch der Berg an finanziellen Mitteln, die für Operationen und Co. fällig werden. Da könne schon mal 40.000 Euro zusammenkommen, oft eher mehr. Unterstützung bekommt der Verein von Lebensmittelgeschäften, Restaurants, Taxiunternehmen und Praxen, mit denen sich die Srokovskyis vernetzt haben. „Trotzdem wäre es schön, wenn noch mehr Menschen helfen würden“, hofft der Vizepräsident auf zusätzliche Ehrenamtliche.

Versteigerung von Klitschkos Boxhandschuhen

Dass Vitaly Klitschko als Bürgermeister von Kiew und Profisportler ein Paar seiner Boxhandschuhe zur Versteigerung anbietet, bedeute dem Verein sehr viel und könne vielleicht sogar eine gewisse Summe einbringen. Doch es gehe nicht nur um große Spenden, sondern auch um die Koordination des Ganzen. Wer seine Hilfe anbieten möchte, kann sich per E-Mail an

kontakt@neues-leben-baden-baden.de wenden.

Das Schicksal von Victor hat sich übrigens bereits zum Positivem gewendet: Heute kann der Mann, der einst ohne Beine nach Baden-Baden gekommen ist, sogar wieder Fußball spielen – und ein neues Leben beginnen.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
13. März 2022, 11:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 37sec

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