Verein braut „Heimatbräu“-Bier in Ottersweier

Ottersweier (tph) – Das Ottersweierer Heimatbräu ist Monat für Monat in Windeseile ausverkauft. Hinter dem leckeren Gebräu steht ein Verein um Boris Kirschsieper.

Die Ottersweierer Heimatbrauer wollen den Biergenuss zelebrieren und das Handwerk des Brauens erfahrbar machen. Foto: Tom Philipp Huck

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Die Ottersweierer Heimatbrauer wollen den Biergenuss zelebrieren und das Handwerk des Brauens erfahrbar machen. Foto: Tom Philipp Huck

Wie macht man eigentlich Bier? Diese Frage stellte sich Boris Kirschsieper vor vielen Jahren. Da er als Arzt beruflich gewohnt ist, Dingen auf den Grund zu gehen, begann er zuhause, mit einem kleinen Topf zu experimentieren und einfache Bierrezepte nachzukochen. Heute ist aus den anfänglichen Experimenten der Ottersweierer Verein „Heimatbräu“ gewachsen, der sich voll und ganz der Brauerei verschrieben hat.

Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Handwerk des Brauens erfahrbar zu machen – und das vollständig in Handarbeit, ganz ohne die Automatisierungstechnik, die in kommerziellen Brauereien zu finden ist. Daher bezeichnen sich die Hobbybrauer auch als „1. Bierbrau-Manufaktur Ottersweier“.

Verein sucht weitere Bierliebhaber

Nach dem Erwerb einer Brauanlage, die die Gaststätte „Alte Post“ in Bühl abzugeben hatte, wurde aus dem 20-Liter Topf, mit dem die Brauer ihre ersten Erfahrungen gemacht hatten, ein 150 Liter fassender Sudkessel. Auch in Sachen Know-how hat sich viel getan: Heutzutage kochen die Brauer nicht mehr nur bestehende Rezepte nach, sondern kreieren eigene Biere. Derzeit hat der Verein sechs verschiedene Sorten im Repertoire, darunter auch Pils, Weizen, Festbier und Schwarzbier. Die Angebotspalette variiert jedoch, da sich die Rezepte in einem ständigen Entwicklungsprozess befinden. Auch neue Sorten, wie ein Weihnachtsbier oder ein Kirschbier, sind in der Entwicklung.

Vorsitzender Kirschsieper bezeichnet den Verein als „experimentelle Brauerei“. Der Fokus liege jedoch klar auf den traditionellen Sorten: „Im Unterschied zu manchen Craftbeer-Brauereien geht es bei uns nicht um Kreativität um jeden Preis, sondern darum, die klassischen Rezepte neu zu interpretieren“ erklärt er.

Um den gewünschten Geschmack des Bieres zu erzielen, stehen den Brauern verschiedene Stellschrauben zur Verfügung. Einer der wichtigsten Faktoren ist dabei die Schüttung. So bezeichnet man die Malzmischung, die die Basis des Bieres bildet. Durch die Zusammensetzung der Schüttung können Faktoren wie der Kohlensäure- oder Zuckergehalt beeinflusst werden. Eine weitere Stellschraube ist die Auswahl des Hopfens. Damit lassen sich gezielt bestimmte Geschmacksnoten, wie Frucht oder Beere, hervorrufen. Auch die Auswahl der Hefe und die Temperatur im Kessel spielen eine wichtige Rolle. Der Prozess des Brauens ist dabei sehr sensitiv: Auch kleine Änderungen an diesen Stellschrauben können große Änderungen im Geschmack nach sich ziehen. Um die wechselseitigen Einflüsse vorhersehen zu können, gibt es Hilfsmittel wie zum Beispiel Tabellen, in denen man den Einfluss bestimmter Parameter ablesen kann.

Zum Druckablassen werden alle Flaschen geöffnet

Das wichtigste Hilfsmittel ist jedoch die Erfahrung. Und selbst damit bleibt die Bierkreation stets eine Herausforderung. Auf Anhieb das Rezept optimal zu treffen, ist selten. In der Regel macht ein Bier also einen echten Entwicklungsprozess durch, bei dem das Rezept in vielen Schritten immer wieder ausprobiert und verfeinert wird. Da jeder Schritt mit viel Aufwand verbunden ist, kann dieser Prozess sehr lange dauern – beim Schwarzbier waren es ganze eineinhalb Jahre, bis der Geschmack den hohen Ansprüchen der Ottersweierer Brauer genügte.

Auch wenn das Bier im Fass ist, ist die Arbeit noch lange nicht vorüber: Alle zwei Tage muss der Stärkegehalt gemessen werden, um den richtigen Moment zum Abfüllen zu erwischen. Bei den abgefüllten Flaschen muss dann regelmäßig Druck abgelassen werden. Dabei wird jede der Hunderte Flaschen von Hand geöffnet. Als wäre dies nicht schon genug Aufwand, muss die ganze Ausrüstung natürlich auch noch gereinigt werden. „Die Hauptsache beim Brauen ist: Putzen, putzen, putzen“ gibt Kirschsieper mit einem Schmunzeln zu.

Dass sich die Arbeit lohnt, zeigt der Zuspruch aus der Bevölkerung. An jedem ersten Donnerstag im Monat verkaufen die Ottersweierer Brauer Biere in der Hauptstraße 100. Zwei Jahre, nachdem das erste „besondere Bier von Otterschwier“ auf den Markt kam und reißenden Absatz fand, ist das Angebot nach wie vor blitzschnell ausverkauft. Dabei ist das Team um Oberbrauer Kirschspieper gerade mal acht Mann stark und mit Herstellung und Verkauf zeitlich sehr gefordert. „Wir würden uns freuen, wenn weitere Bierliebhaber und Mitstreiter zu uns stoßen würden. Interessenten können gerne einen Brautag miterleben, um den faszinierenden Prozess der Bierherstellung mitzuerleben. Dass dabei auch probiert wird, was in den Kesseln und Flaschen reift, liegt auf der Hand“, lädt Vorstandsmitglied Axel Marin ein.

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Erstellt:
26. Oktober 2020, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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