Vereine müssen umdenken

Rastatt (ema) – Die Rastatter Vereine werden umdenken müssen. Der neue Sportentwicklungsplan zeigt auf, dass mehr Kooperationen gefragt sind.

Die Schulhöfe sollen bewegungsfreundlicher werden. Bei der Hansjakob-Schule gibt es schon einige Angebote. Foto: Mauderer

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Die Schulhöfe sollen bewegungsfreundlicher werden. Bei der Hansjakob-Schule gibt es schon einige Angebote. Foto: Mauderer

Rastatt als Sportstadt wird sich wandeln müssen, weil sich auch die Bevölkerung verändert und deren Bedürfnisse. Wohin die Reise gehen könnte, deutet der aktuelle Sportentwicklungsplan an, mit dem sich der Gemeinderat befasst hat. Die Verwaltung will nun aus dem Konzept Handlungsempfehlungen ableiten.
Das Institut IKPS hat im Auftrag der Verwaltung die Sport-Infrastruktur analysiert, in Umfragen unter Vereinen, Schulen und Bürgern deren Einschätzung erfragt und die Ergebnisse in einer Planungsgruppe zusammengeführt, um die Konsequenzen zu erörtern. Das Angebot in Rastatt sieht im Vergleich zu anderen Städten nicht schlecht aus, wie Jörg Wetterich von IKPS erläuterte. Teilweise herrsche sogar ein Überangebot, etwa bei Sportplätzen. Als Schwächen kristallisierten sich fehlende Angebote wie multifunktionaler Sport- und Bewegungspark, mangelnde Öffentlichkeitsarbeit an Schulen, bewegungsunfreundliche Schulhöfe und der Instandhaltungsstau bei den Sporthallen heraus.

Zahl der Mitglieder gesunken

Größtes Problem der 57 Sportvereine ist es, ehrenamtliche Mitarbeiter zu gewinnen und qualifizierte Trainer zu gewinnen und zu binden. Die Zahl der Mitglieder ist seit 2013 um 1,6 Prozent auf 15 789 gesunken. Wetterich plädierte dafür, das Ehrenamt zu stärken und besser zu strukturieren, etwa über eine Ehrenamtskarte oder eine zentrale Info- und Austauschplattform. Wie schwierig das Miteinander sein kann, deutete der Planer am Beispiel der Konzentration der Leichtathletik in Rastatt an. Der Hinweis auf Erhalt der Tradition erweise sich in Gesprächen oft als Hindernis.

Aber: Es müsse bei den Vereinen „ein Umdenken“ einsetzen, wie CDU-Fraktionschefin Brigitta Lenhard sagte, da müsse man sich von lieb gewonnenen Strukturen lösen, was sicherlich „schmerzhaft“ sei. Mehr Teamarbeit und Kooperationen, so Wetterich, könnten es erleichtern, Aufgaben zu lösen. Sportamtsleiter Stefan Vogt fügte hinzu, dass sich im Zuge des Gedankenaustauschs zum Sportentwicklungsplan herausgestellt habe, dass die Vereine zu wenig Kontakt untereinander hätten. Jetzt soll ein Art Sport-Stammtisch dazu beitragen, dass man gemeinsam über Probleme spricht und Lösungen erörtert. OB Hans Jürgen Pütsch erklärte: „Die Vereine müssen aufeinander zugehen und sich unterstützen – eventuell auch über Fusionen.“

Bei den von der Planungsgruppe genannten vordringlichen Aufgaben spielen die Vereine erst mal keine große Rolle. Die höchste Priorität gilt dem Ausbau der Bewegungsförderung in den Kindergärten (weil man hier unter dem Gesundheitsaspekt alle Kinder erreiche), die bewegungsfreundliche Gestaltung von Schulhöfen sowie die Erhöhung der Hallenkapazitäten für den Schulsport. Bei der Infrastruktur stehen auf der Wunschliste oben: Aufwertung der Grünflächen und Parks mit Möglichkeiten für Sport und Bewegung sowie die Etablierung von öffentlich zugänglichen Fitnessgeräten an einem Laufweg. In der Vereinslandschaft will man die Fusion der Tennisclubs Blau-Gold und Fohlenweide fördern und die Zahl der Tennisplätze an den tatsächlichen Bedarf anpassen.

Am Ratstisch wurde das Konzept begrüßt. Die SPD erneuerte dabei ihre Forderung nach einer hauptamtlichen Vereinsservicestelle im Rathaus. Grünen-Fraktionschef Roland Walter unterstützte diesen Ansatz und forderte die Verwaltung auf, die Erkenntnisse auch tatsächlich umzusetzen. Er sprach von einem „Déjà-vu“, da sich in dem Konzept manches finde, was bereits im alten Sportentwicklungsplan von 2009 gestanden habe.


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