Vereine verlieren Lust auf Altpapier

Rastatt (ema) – Wegen gesunkener Preise verlieren immer mehr Vereine die Lust, Altpapier zu sammeln - ein Aspekt der Abfallbilanz 2019 im Landkreis Rastatt.

Mehr Einwohner im Landkreis Rastatt bedeuten auch mehr Müll. Foto: av

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Mehr Einwohner im Landkreis Rastatt bedeuten auch mehr Müll. Foto: av

Die Menschen im Landkreis Rastatt haben im vergangenen Jahr offenbar kräftig ausgemistet. Die Menge an Sperrmüll ist erstmals seit dem Jahr 2011 wieder angestiegen, wie aus der Bilanz des Abfallwirtschaftsbetriebs (AWB) für 2019 hervorgeht.
Der AWB führt diese Entwicklung vor allem auf die Zunahme bei den Kleinmengenanlieferungen zurück. 38 837 Mal (Vorjahr: 35 936) wurde Sperrmüll in den Anlagen Oberweier und Vimbuch abgegeben. Aber auch die Möglichkeit, den Sperrmüll vor der Haustür abholen zu lassen, wird immer mehr genutzt. 2019 gab es mit 3.022 Aufträgen einen neuen Höchststand (2018: 2.886).

Die im Betriebsausschuss des Kreistags vorgelegte Abfallbilanz verzeichnet kaum Ausreißer. Ausnahme bildet der Bodenaushub, der ohnehin meist stark schwankt. Im vergangenen Jahr fielen 39.764 Tonnen an (2018: 63.967). Den leichten Anstieg beim Hausmüll (graue Tonne) um 1,2 Prozent (siehe Infografik) begründet der AWB mit dem Bevölkerungszuwachs. Gleiches gilt für den Biomüll (braune Tonne), der abermals einen Höchststand erreicht. Außerdem schlagen sich hier die sommerlichen Zusatzleerungen nieder.

Weniger Altpapier

Beim Altpapier registriert der AWB einen Rückgang um 1,7 Prozent. Zu den 17.144 Tonnen muss man noch 1.117 Tonnen hinzurechnen, die bei 117 Sammlungen von Vereinen oder sonstigen gemeinnützigen Vereinigungen zusammenkamen. Nach Einschätzung der Verwaltung verzichten immer mehr Vereine auf solche Sammelaktionen, da der Preis für Altpapier drastisch gesunken ist.

Problemkind bleibt die gelbe Tonne, weil dort viel Müll landet, der nicht hineingehört. Der AWB nennt einem Anteil von 26 Prozent an Störstoffen. Das hat in der Praxis Konsequenzen: Die Entsorgungsfirma MERB hat 417 Behälter wegen Fehlbefüllungen kostenpflichtig als Restmüll geleert. Der Löwenanteil, 330 Behälter, waren 1.100-Liter-Container, die meist in Großwohnanlagen aufgestellt werden.

Insgesamt lag das Müllaufkommen im Landkreis im vergangenen Jahr bei 160 453 Tonnen (minus 12,9 Prozent). 59 Prozent davon konnten verwertet werden.

Wirtschaftlich schloss der AWB mit einem Plus von 176.000 Euro ab. Das Polster aus Überschüssen schmilzt wegen der Auflösung von Rückstellungen von 2,3 Millionen auf 825.000 Euro.

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Erstellt:
8. Juli 2020, 14:00 Uhr
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