Verfahren am Amtsgericht Bühl eingestellt

Bühl (bgt) – Zwei junge Frauen haben vor Gericht ihre Aussagen revidiert, nachdem sie einen Motorradfahrer des sexuellen Übergriffs beschuldigt haben. Das Verfahren wurde eingestellt.

Das Verfahren am Amtsgericht Bühl wurde nach Paragraf 153 eingestellt. Foto: Friso Gentsch

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Das Verfahren am Amtsgericht Bühl wurde nach Paragraf 153 eingestellt. Foto: Friso Gentsch

Der sexuelle Übergriff in der Anklageschrift wandelte sich im Laufe der Verhandlung am Amtsgericht in Bühl zu einer möglichen sexuellen Belästigung, bis am Ende das Verfahren nach Paragraf 153 eingestellt wurde.

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft soll der 56-jährige Industriekaufmann im letzten Jahr einer damals noch 16-jährigen Schülerin auf ihrem Motorrad nicht nur an die Hüfte, sondern zudem noch an die Brüste gefasst haben, als er, auf ihrem Sozius sitzend, den Vorschlag machte, doch kurz eine Runde mit ihr zu drehen. Er soll den Überraschungsmoment ausgenutzt haben, um übergriffig zu werden.

Auf einem Parkplatz der Schwarzwaldhochstraße war er mit der Klägerin und ihrer Freundin ins Gespräch über die unterschiedlichen Modelle ihrer Motorräder gekommen. Nur mit einem Einsitzer-Modell unterwegs, hatte er lediglich ausprobieren wollen, wie man zusammen auf dem Zweisitzer fährt. So jedenfalls lautete die Einlassung des Angeklagten, der sich vor Richterin Jantzer völlig konsterniert zeigte, „… dass ich hier überhaupt sitze!“. Es sei ein vollkommen normales Gespräch gewesen, erklärte er, und ihm habe es die Sprache verschlagen, als er sich mit der Anzeige der Schülerin konfrontiert sah.

„Nein, das habe ich bestimmt nicht gesagt“

Natürlich habe er möglicherweise beim Aufsteigen ihre Hüfte leicht berührt, aber doch niemals ihre Brüste. Das aber war im Polizeiprotokoll festgehalten worden, ganz so, wie es die Geschädigte und auch ihre beste Freundin es seinerzeit ausgesagt hatten. Das hörte sich nun im Zeugenstand ganz anders an, zumindest, was die sensiblen Körperstellen betraf. Er habe sie kurz an der Hüfte berührt, erklärte die heute 17-Jährige und mochte sich nicht mehr daran erinnern, dass sie bei der Polizei auch noch andere Stellen genannt hatte. „Nein, das habe ich bestimmt nicht gesagt, denn wenn das so gewesen wäre, hätte ich bestimmt zugeschlagen.“ Auch die Freundin revidierte ihre damalige Aussage, denn auch sie hatte von Brüsten gesprochen.

Im Wesentlichen aber stimmten die Aussagen der beiden insofern überein, als sie die Situation doch etwas anders schilderten als vom Angeklagten dargestellt. Der habe sie mit seinem Motorrad auf der Schwarzwaldhochstraße schon längere Zeit verfolgt und sie dann auf dem Parkplatz angesprochen, was ihnen schon „irgendwie komisch“ vorgekommen sei. Er sei ja schon „mindestens 50“ gewesen. Unaufgefordert habe er sich dann auf den Sozius gesetzt und gefragt, ob man zusammen mal eine Runde drehen könne. Das aber habe die Fahrerin nicht gewollt, und da sei er auch gleich wieder abgestiegen.

„Wie lange hat er denn drauf gesessen?“, wollte die Richterin von der Schülerin wissen. „Nur etwa ein paar Sekunden.“ Aber er habe sie dann noch öfter auf der Landstraße gesehen und sei ihr hinterhergefahren, sodass sie es mit der Angst zu tun bekommen habe. Dem mochte die Richterin nicht allzu viel Gewicht beimessen und es auch nicht als sexuelle Belästigung deuten, sie regte an, das Verfahren einzustellen. Die Staatsanwaltschaft war derselben Meinung.

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Erstellt:
20. August 2021, 14:00 Uhr
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