Verkauf von Baden Board überraschend geplatzt

Gernsbach/Weisenbach (stj) – Völlig überraschend ist der geplante Verkauf der Baden Board GmbH an die schwedische Firma Fiskeby Board geplatzt. Die Firma hat einen Insolvenzantrag gestellt.

Baden Board hat in Obertsrot (im Bild) und Weisenbach derzeit 283 Beschäftigte. Foto: Veronika Gareus-Kugel/Archiv

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Baden Board hat in Obertsrot (im Bild) und Weisenbach derzeit 283 Beschäftigte. Foto: Veronika Gareus-Kugel/Archiv

Die knapp 300 Beschäftigten von Baden Board kommen nicht zur Ruhe: Nachdem der schwedische Konzern Fiskeby Board den traditionsreichen Karton- und Verpackungsspezialisten mit seinen Werken in Obertsrot und Weisenbach Anfang dieser Woche vollständig übernehmen wollte, ist dieser nun völlig überraschend vom Kauf zurückgetreten. Mit den Schweden als Investor hatten die Murgtäler gehofft, endlich wieder eine langfristige Perspektive für ihren Standort zu sehen. Durch die Akquisition wollte Fiskeby seine Produktionskapazität nahezu verdoppeln und sein Produktportfolio erweitern. „Gemeinsam wird unsere Präsenz in Zentraleuropa deutlich gestärkt“, hatte das 1637 in Norrköping als einer der ersten Papierhersteller Europas gegründete Unternehmen auf seiner Homepage (www.fiskeby.com) verkündet. Doch plötzlich ist das Vorhaben geplatzt.

Rätselraten über das Warum

Über das Warum herrscht Rätselraten, sowohl beim Insolvenzverwalter als auch bei der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). „Das kam aus heiterem Himmel“, sagte Gewerkschaftssekretär Dirk Schmitz-Steinert dem BT. Er nannte die Pläne, die Fiskeby mit Baden Board hatte, „sehr vielversprechend“. Von daher sei es jetzt natürlich ein Schock, vor allem für die Belegschaft. Diese habe zusammen mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft alles dafür getan, dass der mittelständische Karton- und Verpackungsmittelhersteller trotz aller Schwierigkeiten lukrativ blieb für einen passenden Investor. Den meinte man mit den Schweden gefunden zu haben, so Schmitz-Steinert. Doch statt neu durchzustarten ist nun ein Insolvenzantrag erforderlich geworden.

Geschäftsbetrieb wird vollständig aufrechterhalten

Als gerichtlich bestellter vorläufiger Insolvenzverwalter ist Marc Schmidt-Thieme mit seinem Team von Experten um Rechtsanwältin Saskia Streicher und Rechtsanwalt Sascha Schönwald vor Ort und wird sich die wirtschaftliche Ausgangslage des Unternehmens genau anschauen. Der Geschäftsbetrieb von Baden Board werde derweil vollständig aufrechterhalten. Produktion, Termin- und Liefertreue seien auch während des vorläufigen Insolvenzverfahrens gewährleistet.

„Der Betrieb Baden Board ist nach wie vor gut aufgestellt“, versicherte Schmidt-Thieme und gab sich im BT-Gespräch zuversichtlich, „dass wir einen Investor finden und die Betriebsfortsetzung organisieren“. Er ist seit 1999 als Insolvenzverwalter mit Schwerpunkt Unternehmenssanierung und Restrukturierung tätig und habe in dieser Zeit „schon viel schlimmere Fälle betreut“. Bei den ersten beiden Mitarbeiterversammlungen am Donnerstag habe er für das weitere Verfahren zugesagt, eine große Transparenz zu pflegen, zudem sei der Betriebsratsvorsitzende in den Gläubigerausschuss berufen worden, auch „um für Vertrauen zu werben“, so Schmidt-Thieme.

Anstieg des Gaspreises große Herausforderung

Eine große Herausforderung sehe der Insolvenzverwalter allerdings schon jetzt im enormen Anstieg des Gaspreises von beinahe 230 Prozent seit Anfang dieses Jahres, der für das Unternehmen in dieser Größenordnung nicht vorhersehbar war und eine große Belastung darstellt. Mit aktuell rund 74 Euro pro Megawattstunde sei das für die Produktionsprozesse der Baden Board erforderliche Erdgas so teuer wie noch nie in Deutschland. Ein Ende dieser problematischen Preisentwicklung, unter denen Industrie und Verbraucher gleichermaßen leiden, sei Experten zufolge derzeit nicht in Sicht. Trotzdem habe Schmidt-Thieme „ein ganz gutes Gefühl“, was die Zukunft von Baden Board betreffe.

Diese Zuversicht teilt der zuständige Gewerkschaftssekretär: Die Belegschaft leiste gute Arbeit und stelle gute Produkte her, die gefragt sind, betonte Schmitz-Steinert. Mit den positiven Signalen seitens des Insolvenzverwalters sei er fest davon überzeugt, dass bei Baden Board weiter produziert wird.

Ihr Autor

BT-Redakteur Stephan Juch

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Erstellt:
23. September 2021, 18:30 Uhr
Aktualisiert:
23. September 2021, 18:12 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 37sec

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