Verkehrschaos auf dem Kaltenbronn

Gernsbach (stj) – Besucheransturm wird zur Belastungsprobe: Die Situation auf dem Kaltenbronn sorgt in Reichental für „autobahnähnliche Zustände“.

Alles dicht: Selbst bei nasskaltem Schmuddelwetter sind die Parkplätze auf dem Kaltenbronn derzeit total überfüllt, sodass auch am Straßenrand geparkt wird. Foto: Guido Wieland

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Alles dicht: Selbst bei nasskaltem Schmuddelwetter sind die Parkplätze auf dem Kaltenbronn derzeit total überfüllt, sodass auch am Straßenrand geparkt wird. Foto: Guido Wieland

„Die Situation am Kaltenbronn ist wirklich erschreckend.“ Das musste Reichentals Ortsvorsteher Guido Wieland am Mittwochvormittag feststellen. Der Massentourismus, der zuletzt trotz der nach wie vor äußerst kritischen Corona-Situation schon die Hotspots im Nordschwarzwald belastet hat, ist längst auch auf dem Kaltenbronn angekommen.

„So ein Verkehrsaufkommen habe ich dort noch nie gesehen“, schildert Wieland seine Eindrücke im BT-Gespräch: „Ich dachte immer, die Leute sind vernünftiger“, blickt er kopfschüttelnd auf die Corona-Pandemie, deren Eindämmung durch derlei Auswüchse sicher nicht schneller vorankommt. In Reichental herrschten „autobahnähnliche Zustände“, berichten Anwohner der Ortsdurchfahrt. Wieland betont, dass die Situation schon am ersten Weihnachtsfeiertag mehr als grenzwertig gewesen sei.

Positiv verweist der Ortsvorsteher auf das schnelle Eingreifen der Polizei, die in den vergangenen Tagen mehrfach oben auf dem Kaltenbronn gewesen sei, kontrolliert und Knöllchen verteilt habe. Wirklich gebessert hat sich die Gemengelage dadurch aber nicht. So musste am Mittwoch der Linienbus, der von Bad Wildbad her den Kaltenbronn ansteuert und eigentlich am Schwarzmiss-Parkplatz wendet, bis nach Reichental weiterfahren, um eine Wendemöglichkeit zu finden – denn auch die Parkplätze an der Kreuzlehütte, an der Rankhütte und an der Bushaltestelle Orgelfelsenhaus waren komplett dicht.

Lage schon ab 9 Uhr „nicht mehr beherrschbar“

Auch der SPD-Landtagsabgeordnete Jonas Weber zeigt sich nach einer Stippvisite vor Ort erschüttert: Die Lage sei bereits um 9 Uhr nicht mehr beherrschbar gewesen, weshalb er sich am Mittwoch an Staatsministerin Theresa Schopper gewandt hat, „weil – aus meiner Sicht – ohne ein Eingreifen der Landesregierung vor Ort keine Besserung zu erwarten ist“. Im Gespräch mit Bürgermeister Julian Christ habe dieser Weber die Bemühungen des Ordnungsamts Gernsbach geschildert: „Für den tatkräftigen Einsatz der Kräfte vor Ort bin ich ausdrücklich dankbar“, betont Weber. In seinem Schreiben an Schopper, die für die politische Koordination im Staatsministerium verantwortlich ist, schildert Weber einen regelrechten Massentourismus, unter dem der Kaltenbronn und durch die Anfahrt auch der Gernsbacher Stadtteil Reichental zu leiden haben: „Was ich heute Morgen erlebt habe und was wir im Nordschwarzwald in den vergangenen Tagen erleben mussten, geht weit über die Grenzen des Erträglichen hinaus. Dies ist aus meiner Sicht vor dem Hintergrund der aktuellen pandemischen Lage in keiner Weise zu vertreten. Aus persönlichen Gesprächen weiß ich, dass viele Ortsansässige bereits nicht mehr vor ihrer Haustür in den Nordschwarzwald gehen. Heute Morgen kurz nach Sonnenaufgang waren bereits alle Parkplätze rund um den Kaltenbronn voll belegt. Die Autokennzeichen lassen darauf schließen, dass die überwiegende Zahl der Touristen aus dem ganzen Bundesland – mit erheblicher Anreise – und aus anderen Bundesländern kommen. In Gesprächen vor Ort wurde mir berichtet, dass die Frequenz in den vergangenen Tagen stetig zugenommen hat. Ich will ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Gemeinde mit ihrem Ordnungsamt und die örtliche Polizei versuchen, dem Trubel Herr zu werden. Jedoch sind die Möglichkeiten in Anbetracht der Massen einfach begrenzt.“

An einigen Hotspots sei längst nicht mehr an Abstand zu denken, betont Weber weiter, der in seinem Schreiben ausdrücklich unterstreicht, „dass ich Verständnis für Sport und Freizeit im Freien habe. Jedoch frage ich mich, wieso im Nordschwarzwald nun Massen von Menschen faktisch dicht an dicht stehen, die Strecken weit über 100 Kilometer zurückgelegt haben, während die Ortsansässigen bereits davon ablassen müssen, sich überhaupt noch im Schwarzwald zu bewegen? In Anbetracht der nach wie vor hohen Infektionszahlen kann ich nicht nachvollziehen, wieso ein solcher Tourismus zugelassen wird. Die örtlichen Behörden haben trotz großem Engagement keine wirkliche Handhabe gegen diese Entwicklung. Im Interesse einer effektiven Bekämpfung der Pandemie bitte ich Sie und die Landesregierung, sich dieser Sache anzunehmen.“

Stadt kündigt verstärkte Kontrollen an

Nachdem das winterliche Wetter in den zurückliegenden Tagen erneut die Menschen in Massen auf den Kaltenbronn gelockt hat, empfiehlt die Stadt Gernsbach „dringend, die Fahrt dorthin zu vermeiden“. Die Schlittenhänge und Parkplätze seien am zurückliegenden Wochenende bereits am Morgen voll ausgelastet gewesen. Am Nachmittag reichte der Stau dann mehrere Kilometer, es war kein Durchkommen mehr und manche Fahrer stellten außerdem ihr Auto einfach auf privaten Grundstücken ab oder blockierten Einfahrten, berichtet die Stadtverwaltung: „Das städtische Ordnungsamt und die Polizei werden in den nächsten Tagen, auch an den Feiertagen, verstärkt die Verkehrssituation kontrollieren und sanktionieren. Außerdem wird erneut darauf hingewiesen, dass die geltenden Corona-Beschränkungen wie Mindestabstände und ein Ansammlungsverbot einzuhalten sind.“

Viele Besucher des Kaltenbronn halten sich nicht an die vorgeschriebenen Abstände. Foto: Guido Wieland

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Viele Besucher des Kaltenbronn halten sich nicht an die vorgeschriebenen Abstände. Foto: Guido Wieland


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