Verkehrszählung in Bühl erst im Mai

Bühl (BNN) – Eine Machbarkeitsstudie für eine Fußgängerzone in der Haupstraße wurde bereits 2019 gefordert. Eine Verkehrszählung im Mai soll die nötigen Daten liefern. OB Schnurr zeigt sich skeptisch.

Viel los in der Hauptstraße: Um eine Reduzierung des Verkehrsaufkommens wird immer wieder diskutiert.  Foto: Ulrich Coenen

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Viel los in der Hauptstraße: Um eine Reduzierung des Verkehrsaufkommens wird immer wieder diskutiert. Foto: Ulrich Coenen

Das Thema Fußgängerzone hat in den vergangenen Tagen gleich doppelt für Aufregung gesorgt. Zunächst hat GAL-Fraktionssprecher Walter Seifermann der Stadtverwaltung bei den Haushaltsberatungen „Missachtung des Parlaments“ vorgeworfen, dann ging das Durcheinander im Technischen Ausschuss weiter.
Bereits im Dezember 2019 haben GAL, SPD und FDP gemeinsam eine Machbarkeitsstudie für eine Fußgängerzone in der Hauptstraße gefordert. Geschehen ist seitdem nichts – das hatte Seifermann kritisiert. Oberbürgermeister Hubert Schnurr (FW) versprach vergangene Woche spontan einen umfassenden Sachstandsbericht im nächsten Technischen Ausschusses. Für dessen Sitzung am Donnerstagabend gab es aber nur eine nicht öffentliche Tagesordnung. Weil im Rathaus niemand daran gedacht hat, die Tagesordnung anzupassen, blieb es bei einer Sitzung zum brisanten Thema unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Eine kurzfristige Änderung der Tagesordnung sei aus rechtlichen Gründen nicht mehr möglich gewesen, hieß es aus dem Rathaus.

Gegenüber dieser Redaktion erklärte Schnurr am Freitagmorgen, dass die Fraktionen seinen Sachstandsbericht kommentarlos aufgenommen hätten. Der Oberbürgermeister hat bereits am 19. November 2020 das Ingenieurbüro Brilon, Bondzio, Weiser in Bochum den Auftrag für die Machbarkeitsstudie erteilt.

Keine brauchbaren Zahlen wegen Corona

„Als Diskussionsgrundlage brauchen wir verlässliche Daten“, erklärt Schnurr. „Eine Verkehrszählung war aber 2020 wegen zwei Großbaustellen in der Innenstadt nicht möglich. Corona hat im vergangenen Jahr ebenfalls eine Verkehrszählung mit Kennzeichenerfassung zur Bestimmung des Durchgangs- und Quellverkehrs unmöglich gemacht.“ Schnurr geht davon aus, dass die Pandemie mit zeitweiligem Lockdown den innerstädtischen Verkehr so weit verändert, dass aktuell keine brauchbaren Zahlen zu bekommen sind. Zusätzlich habe die Sperrung der Grabenstraße den innerstädtischen Verkehr 2021 beeinflusst.

Entscheidung über Fußgängerzone verschoben

Das Bochumer Büro will die Verkehrszählung vom 9. bis 20. Mai durchführen. „Wie sich die Situation im Hinblick auf die Pandemie entwickelt, ist aber nicht abschätzbar“, warnt Schnurr. Er verweist außerdem auf die laufende Diskussion für ein Mobilitätskonzept, an der der Gemeinderat beteiligt ist. Die Klausurtagung mit den Stadträten, die am 26. und 27. November geplant war, musste pandemiebedingt auf unbestimmte Zeit verschoben werden. „Ich hoffe, dass wir die in der ersten Jahreshälfte nachholen können“, sagt der OB. Er will das Ergebnis dieser Tagung unbedingt abwarten, bevor über eine Fußgängerzone in der Hauptstraße zwischen Eisenbahnstraße und Rheinstraße diskutiert wird. Außerdem will er Einzelhandel, Gastronomie und Bürger einbeziehen.

Schnurr weist darauf hin, dass nach wie vor 60 Prozent des Verkehrsaufkommens in Bühl durch Autos verursacht werden. 20 Prozent sind Radfahrer, 15 Prozent Fußgänger und nur fünf Prozent ÖPNV. „Vor dem Hintergrund müssen wir uns fragen, wo wir mit unserem Mobilitätskonzept hinwollen.“ Der ÖPNV benötige „gewaltige Zuschüsse“.

Weiterentwicklung der verkehrsberuhigten Zone

Der Oberbürgermeister sieht eine Fußgängerzone in der Hauptstraße sehr skeptisch und hält die jetzige Beschränkung auf 20 Stundenkilometer für die bessere Lösung. „Ich arbeite seit 29 Jahren in Bühl, ursprünglich als Bauamtsleiter und dann als Baubürgermeister“, erklärt er. „Eine meiner ersten Aufgaben war die Analyse des Tangentensystems um die Innenstadt. Leider fehlt uns eine östliche Umgehungsstraße.“ Der OB will statt einer Fußgängerzone die verkehrsberuhigte Zone weiterentwickeln. Um den Parksuchverkehr zu reduzieren, will er alle Parkplätze in der Hauptstraße in Fahrradstellplätze umwandeln. „Wir haben in unseren Tiefgaragen und Parkdecks ausreichend innerstädtische Parkplätze“, argumentiert er. Im Hinblick auf die Besucherfrequenz in Bühl plant Schnurr außerdem, die Hauptstraße an Samstagen für den Verkehr zu sperren. „Das hat sich vor der Pandemie an den sogenannten Bühler Samstagen bewährt.“

Zum Thema

Kontroverse: Eine Fußgängerzone in der Schwanenstraße und am Johannesplatz gibt es in Bühl seit der Mitte der 1980er Jahre. Über eine zweite Fußgängerzone in der Hauptstraße wird seit den 1990er Jahren kontrovers diskutiert.

Fehlende Umgehung: Ein Problem in Bühl ist das unvollständige Tangentensystem um die Kernstadt. Umgehungen gibt es mit der B3 im Westen, dem Zubringer im Norden und der K3749 im Süden. Diese Tangenten wurden in den vergangenen Jahren durch mehrere Kreisverkehre ertüchtigt. Im Osten ist nur der Schwarzwald

In der City: Innerstädtisch sind die Umgehungsstraßen noch problematischer. Grabenstraße, Johannesstraße und Bühlertalstraße sind Wohngebiete. Zudem steuern 500 Busse täglich den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) an. In der nördlichen Hauptstraße sind 203 Busse unterwegs, in der südlichen 225. Die treffen sich an der Haltestelle am Rathaus. Für diese Linien müssten im Fall einer Fußgängerzone neue Routen gefunden werden. (uc)

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Ihr Autor

Ulrich Coenen

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Erstellt:
30. Januar 2022, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 23sec

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