Verschollene Messe in Gernsbach uraufgeführt

Gernsbach (vgk) – Auf ein ganz besonderes Klangerlebnis konnten sich am ersten Weihnachtsfeiertag Gottesdienstbesucher in der Liebfrauenkirche freuen.

Mit vollem Einsatz dirigiert Holger Becker die Uraufführung der Messe von Michael Frey in der Liebfrauenkirche. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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Mit vollem Einsatz dirigiert Holger Becker die Uraufführung der Messe von Michael Frey in der Liebfrauenkirche. Foto: Veronika Gareus-Kugel

Sie wurden Zeugen der Uraufführung der lange verschollenen lateinischen Messe des badischen Hofkomponisten Michael Frey, gesungen vom ökumenischen Vokalensemble unter der Leitung von Holger Becker. Am Schluss des Gottesdiensts gab es Applaus für die gesangliche Leistung der Ensemblemitglieder.

Im Herbst 1815 wurde Frey von seinen Pflichten am badischen Hof freigestellt. Der Wunsch nach einem Studienaufenthalt in Wien, der Stadt von Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven, rückte für ihn näher. Doch nicht der gebürtige Bonner Beethoven, sondern der berühmte italienisch-österreichische Kapellmeister Antonio Salieri (1750-1823) und der ebenso geschätzte Komponistenkollege und Herausgeber einer Generalbasslehre, Emanuel Aloys Förster (1748-1825), wurden für Freys Weiterbildung bestimmend. Das im Bonner Beethovenhaus verwahrte und in Fragmenten erhaltene Tagebuch des lernbegierigen und opernsüchtigen Mannheimers gibt Auskunft über dessen Wien-Aufenthalt.

Die Komposition wurde bisher weder veröffentlich noch aufgeführt

Zwischen 12. und 18. Dezember 1821 soll Frey seine Messe für Chor, Solisten und Orgel verfasst haben, in nur sieben rekordverdächtigen Tagen. Deren Identifizierung verdankt die Musikwelt dem Freiburger Musikwissenschaftler Albert Schelb. Er entdeckte das Script, das Gerd Brückner (Baden-Baden) druckreif machte, in einem Freiburger Nachlass. Die Komposition wurde bisher weder veröffentlich noch aufgeführt.

In andächtiger Stille und stehend lauschten die Besucher der weihnachtlichen Premiere den schönen Klängen aus dem Seitenschiff heraus – und nicht wie sonst üblich von der Empore herunter. Diese biete in Pandemie-Zeiten nicht genügend Platz für alle Ensemble-Mitglieder, führte bei einer der Proben Dirigent Becker im Gespräch mit dem BT aus.

Es ist eine klangschöne Messe, vortrefflich zur Geltung gebracht von den ausführenden Solisten Felicitas Burger (Sopran), Anja Schlenker-Rapke (Alt), Stefan Tiede (Tenor) und Ernst Rapke (Bass) sowie dem ökumenischen Vokalensemble Gernsbach. Den Orgelpart übernahm Michael Essig. Die Gesamtleitung lag in den Händen von Holger Becker.

Das rund 25-minütige Sakralwerk ist ein musikalisches und ein in Latein gesungenes Bekenntnis christlichen Glaubens. Das Werk charakterisiert eine gefällige, einschmeichelnde Melodik. Das engagierte Dirigat Beckers bot den Sängerinnen und Sängern Sicherheit. Mit viel Dynamik und Ausdrucksstärke formte der Chor die Komposition von Frey zu einem wunderbaren Klangerlebnis. Gemeinsam zauberte man eine andachtsvolle Atmosphäre in die Kirche.

Anspruchsvolle Sakralmusik

Von schönem Chorgesang und einer anspruchsvollen Sakralmusik sprach am Ende der Messe auch Pfarrer und Dekan Josef Rösch. Er dankte den Vokalisten für die stimmungsvolle und festliche Umrahmung des Weihnachtsgottesdiensts am Samstag und für die zuvor erfolgten Proben unter Pandemie-Bedingungen.


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