Versorgen statt entsorgen

Durmersheim (stn) – In Durmersheim steht die Eröffnung eines Tierkrematoriums bevor. Vorausgegangen ist ein langwieriges Genehmigungsverfahren.

Für jeden Geschmack das passende: Bei Christian Richers können Tierhalter aus einer Vielzahl an Urnen wählen. Fotos: Strupp

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Für jeden Geschmack das passende: Bei Christian Richers können Tierhalter aus einer Vielzahl an Urnen wählen. Fotos: Strupp

Zwei Jahre hat es gedauert, doch nun steht die Eröffnung des Tierkrematoriums in der Malscher Straße 16c in Durmersheim kurz bevor. Voraussichtlich ab Anfang Juni können dort Tiere mit einem Gewicht bis zu 50 Kilogramm eingeäschert werden.
Haustiere begleiten ihre Besitzer oft über Jahrzehnte hinweg durchs Leben. In dieser Zeit entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen Mensch und Tier, die Vierbeiner werden zu wichtigen Familienmitgliedern. Ist aufgrund ihres Alters oder einer Krankheit jedoch der Moment des Abschieds gekommen, ist das für Tierhalter ein schwerer Verlust. Diesen traurigen Moment ein wenig einfacher zu machen, ist das Ziel von Christian Richers, der das Anubis-Tierkrematorium in Durmersheim unter dem Motto „Wir helfen, wenn Freunde gehen“ initiiert hat.

„Für viele Tierbesitzer führt der letzte gemeinsame Weg zum Tierarzt, wo der treue Weggefährte oftmals von seinen Krankheits- oder Altersqualen erlöst wird. Wenn Sie keinen speziellen Bestattungswunsch angeben oder den Tierarzt mit der ,Entsorgung‘ des Tieres beauftragen, kommt das Tier bei den meisten Tierärzten und nach gesetzlicher Vorschrift in eine der zuständigen Tierkörperverwertungsanlagen, wo es zu Tiermehl und -fetten verarbeitet wird“, heißt es in einer Anubis-Broschüre. Richers Ziel deshalb: Eine Alternative zu dieser Tierverwertung zu schaffen und „Tiere zu versorgen statt zu entsorgen“.

Wunsch nach kurzen Wegen

Das neue Tierkrematorium ist eins von vieren, das vom 1997 gegründeten Franchise-Unternehmen Anubis-Tierbestattungen in Deutschland betrieben wird. Nachdem im Februar 2018 erste Gespräche mit der Gemeinde Durmersheim bezüglich des geplanten Tierkrematoriums geführt wurden, folgte ein langwieriges Genehmigungsverfahren, das im August vergangenen Jahres schließlich seinen Abschluss fand. Nach einer mehrmonatigen Umbauphase soll im Juni nun die Eröffnung stattfinden. „Die Technik an sich funktioniert. Wir könnten also loslegen. Diesen Monat wollen wir noch mit dem Büro in die neuen Räumlichkeiten umziehen“, berichtet Richers, der bereits zwei Niederlassungen in Karlsruhe und Neuhausen-Steinegg (Enzkreis) betreibt. Die Auswahl des Standorts Durmersheim begründet er mit dem „großen Wunsch der Tierhalter nach kurzen Wegen und Regionalität“.

In Richers Tierkrematorium können Tiere mit einem Gewicht bis zu 50 Kilogramm eingeäschert werden. Der Tierhalter kann zwischen einer Einzeleinäscherung und einer Sammeleinäscherung wählen. Die Einzeleinäscherung erfolgt mit Rückführung der Asche, die Sammeleinäscherung hingegen ohne Rückführung der Asche, jedoch mit anonymer Beisetzung im Sammelgrab auf einem Tierfriedhof. Einen solchen plant auch Richers auf dem Gelände des Tierkrematoriums in Durmersheim. In naher Zukunft soll dort noch ein Garten angelegt werden, in dem die Tiere in einer Zisterne mit 3000 bis 4000 Litern Fassungsvermögen bestattet werden können.

Bei einer Einzeleinäscherung haben Tierbesitzer zudem die Möglichkeit, den Beginn der Einäscherung über einen Fernseher live zu verfolgen. In dem großzügig angelegten Gebäude stehen außerdem zwei Räume zur Verfügung, in denen sich die Tierhalter noch einmal in Ruhe von ihrem geliebten Vierbeiner verabschieden können.

Den Beruf des Tierbestatters ergriff Richers im Jahr 2010, nach der Beerdigung seines eigenen Hundes. „Als mein Hund gestorben ist, hat der Tierarzt die Einäscherung organisiert“, erzählt er. Diese lief allerdings nicht so ab, wie er es sich gewünscht hätte. „Die Kommunikation hat gefehlt, man hat sich nicht mitgenommen, nicht gut aufgehoben gefühlt. Da habe ich mir gedacht: ,Das kann man besser machen‘.“ So kam es zu dem Entschluss, seinen bisherigen Job zu kündigen und sich selbstständig zu machen.

Während seiner zehnjährigen Tätigkeit hat Richers bereits viele Geschichten und schlimme Schicksale miterlebt. „Gerade bei älteren Leuten ist das Tier eine letzte Verbindung zu einem Partner, der vielleicht auch schon verstorben ist. Da ist die Gefahr der Vereinsamung groß.“ Oft führe er intensive Gespräche, die ihm sehr nahegehen, wie er selbst sagt.


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