Versorgung besonders für Risikogruppen

Baden-Baden/Bühl (marv) – Die Lieferdienste in der Region verzeichnen einen großen Nachfrage-Boom.

So läuft die Auslieferung derzeit nicht ab: Fahrer tragen Mundschutz und geben die bestellten Waren möglichst ohne direkten Kundenkontakt ab. Symbolfoto: Deckers Biohof

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So läuft die Auslieferung derzeit nicht ab: Fahrer tragen Mundschutz und geben die bestellten Waren möglichst ohne direkten Kundenkontakt ab. Symbolfoto: Deckers Biohof

In der Krise gilt es zusammenzurücken. Nicht so in der Coronakrise: Sozialkontakte sollte man aktuell möglichst meiden, um eine Übertragung des Virus zu vermeiden. Catering-Unternehmen haben daher deutliche Einbußen, Lieferdienste hingegen sind gefragter denn je.
Der Landseehof in Haueneberstein beispielsweise bietet seit gestern einen Lieferdienst für Menschen, „die zuhause bleiben sollten oder das Haus nur ungern verlassen möchten“ (Inhaberin Verena Reiß), im Raum Baden-Baden, Rastatt, Gaggenau und Umgebung an. Dienstags und freitags werde geliefert, einzelne Bestellungen nehme man unter (0152)53731018 bis zum jeweiligen Vortag (also Montag und Donnerstag), 17 Uhr, entgegen. Der Landseehof liefert laut Verena Reiß: Backwaren, Beilagen, Eier, Gemüse, Honig, Kaffee, Käse, Marmelade, Milchprodukte, Nudeln, Obst Soßen, Suppen und Wurst aus dem Hofladensortiment. „Aufgrund der aktuellen Situation wollen wir gerade Risikogruppen mit dem Nötigsten versorgen“, so Reiß. Die zwei Landseehoffahrer trügen Schutzmasken bei der Auslieferung. „Bevor Kunden unseren Hofladen betreten, müssen sie sich die Hände desinfizieren und mindestens zwei Meter Abstand zueinander einhalten“, darauf achte sie penibel sagte Reiß im BT-Gespräch. Nach der Ankündigung der vorübergehendes Lieferservices habe man „großen Zuspruch“ erhalten, auf Facebook wurde die Ankündigung Hundertemale geteilt.

Jürgen Lauten, Ortsvorsteher von Eisental, teilte dem BT schriftlich mit, dass das Dorv-Zentrum seinen Einkaufsservice – Fahrdienste für in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen – aufgrund der Coronakrise eingestellt hat. Stattdessen biete man nun einen Lieferservice an. „Wir sind bestrebt, alle zu beliefern, soweit es unsere Kapazitäten zulassen“, heißt es in der Mitteilung. Dennoch appelliert der Ortsvorsteher an die Bürger, sich zu melden, wenn sie Bestellungen ausfahren möchten, damit „unsere vorerkrankten und älteren Menschen zu Hause bleiben und sich vor dem Virus schützen können“. Bestellungen für den neuen Lieferservice können mit Angabe des Namens und der Telefonnummer (für etwaige Rückfragen) unter (07223)9429102 und per E-Mail an info@dorv-eisental.de aufgegeben werden.

Das Baden-Badener Traditionskaufhaus Wagener bietet bereits einen Zuliefer- und einen Einkaufsservice für seine Kunden an, laut Marktleiter Ansgar Hoferer wolle man den Einkaufsservice, bei dem man telefonisch, per Fax oder E-Mail die Produkte aus dem Wagener-Sortiment bestellen kann, „wenn möglich schon in der Woche täglich anbieten“. Derzeit liefere man montags, mittwochs und freitags zu festen Zeiten. Im Moment baue man die nötige Infrastruktur auf, schaffe weitere Fahrzeuge an und schule die Mitarbeiter, die künftig die Bestellvorgänge abwickeln. „Ich bin ganz sicher, dass es ein ganz großes Thema wird, gerade in Baden-Baden“, sagte Hoferer über die Lieferung von Gütern des täglichen Bedarfs.

Die Bio-Gärtnerei Schmälzle aus Sinzheim-Müllhofen kündigt auf ihrer Homepage an, dass sie ihre Biokisten aktuell wegen des Coronavirus in Plastiktüten ausliefert.

Deckers Biohof aus Weitenung bietet seit 2011 einen Lieferservice an. Einen Zuwachs an Neukunden wie in den vergangenen Tagen habe Geschäftsführer Christoph Decker aber noch nicht erlebt. „Wir haben im Moment circa 20 Prozent mehr Bestellungen bei den Ökokisten“, so Decker. „Wir liefern aber alle Produkte aus unserem Sortiment, also auch Klopapier und Konserven. „Viele Kunden bestellen für ihre Eltern“, sagt Decker im BT-Gespräch. Alte Menschen gehören laut Robert-Koch-Institut zu den Risikogruppen des Coronavirus. Die Kunden schätzten die kontaktfreie Belieferung derzeit sehr. Mindestens drei Meter Abstand würden die Fahrer zu den Kunden halten, die Kisten vor der Tür abstellen und dann klingeln, beschreibt Decker die Vorgehensweise. Bezahlt werde per Bankeinzug. „Im Moment bekommen wir es noch hin“, aber im Büro sei man „fast am Limit. Wir stellen noch zusätzliche Fahrer ein“, so Decker, dessen Geschäftsmodell derzeit gut bei den Kunden ankommt.

Ganz anders die Situation bei „Margots Paradies“ mit Hauptsitz in Bühl, dass in der Baden-Badener Rheinstraße eine Filiale hat, in der auch Mittagstisch angeboten wird. Inhaberin Margot Friedmann hat „immense Einbußen derzeit“. Man sei zwar mit „Catering für Kitas, Schulen und Kongresse sehr breit aufgestellt“, dass reiche im Moment aber dennoch fast nicht aus, so Friedmann.

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Erstellt:
18. März 2020, 23:00 Uhr
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