Verunsicherung bei Schwangeren

Rastatt/Baden-Baden (yd) – Als wäre die Zeit von Schwangerschaft und Geburt für werdende Eltern nicht schon aufregend genug, kommt derzeit noch Angst und Verunsicherung durch die Corona-Pandemie dazu. Im Klinikum Mittelbaden dürfen die Väter derzeit nur mit in den Kreißsaal, nicht auf die Wöchnerinnenstation. Daher entscheiden sich immer mehr werdende Mütter für eine ambulante Entbindung, bei der sie kurz nach der Geburt nach Hause zurückkehren und sich von ihren Hebammen betreuen lassen.

Alles ist anders in Corona-Zeiten: Schwangere in der Region tendieren derzeit eher zu ambulanten Entbindungen. Foto: Sonja Fröhlich/dpa

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Alles ist anders in Corona-Zeiten: Schwangere in der Region tendieren derzeit eher zu ambulanten Entbindungen. Foto: Sonja Fröhlich/dpa

Mirka Zimmer erlebt derzeit spannende Tage: Die 31-Jährige ist hochschwanger, im Prinzip kann es jeden Moment losgehen. Es ist Zimmers dritte Schwangerschaft, sie weiß also eigentlich, was auf sie zukommt. Und dennoch ist sie dieses Mal doch verunsichert, nervös und besorgt. Das Coronavirus macht eben auch vor den Kreißsälen nicht halt.
„Als es vor ein paar Wochen hieß, die Männer dürfen nicht mehr mit zur Entbindung und müssen dem Kreißsaal fernbleiben, habe ich viel geweint“, sagt Mirka Zimmer. „Das Ganze hat mich sehr belastet. Inzwischen ist zwar klar, dass die Männer immerhin mit in den Kreißsaal dürfen, aber ganz geheuer ist mir das Ganze immer noch nicht.“

Auch Antonia Busch, Hebamme aus Elchesheim-Illingen, hat anfangs große Verunsicherung bei den Schwangeren gespürt, die sie betreut: „Als die Schulen geschlossen wurden und es noch nicht klar war, wie die einzelnen Kliniken mit der Situation umgehen, herrschte große Verunsicherung. Die Frauen waren teils richtig verzweifelt, es gab tränenreiche Telefonate.“ Mittlerweile habe sich alles einigermaßen beruhigt: „Ich empfinde die Schwangeren jetzt eigentlich als recht flexibel, sie haben sich mit der Situation arrangiert. Selbst die Erstgebärenden haben sich schnell umorganisiert. Viele haben beschlossen, dann eben ambulant zu entbinden.“ Das heißt, die Frauen entlassen sich kurze Zeit nach der Entbindung selbst aus dem Krankenhaus und verbringen das frühe Wochenbett dann komplett zu Hause.

Denn: Die Partner dürfen in den Kliniken der Region zwar mit in den Kreißsaal, anschließend, also nach der Geburt ihres Kindes, müssen sie aber direkt nach Hause – Besuche auf der Wöchnerinnenstation sind wie alle anderen Krankenhausbesuche derzeit nicht erlaubt. „Auch wenn ich es verstehe, ist es doch schwer für uns. Man entzieht dem Vater dann ja quasi sein Kind für mehrere Tage“, findet Mirka Zimmer.

„Auch bei uns dürfen die werdenden Papas noch im Kreißsaal dabei sein“, sagt Sybille Müller-Zuber, Pressesprecherin des Klinikums Mittelbaden. Geburten sind derzeit nur in Baden-Baden möglich, der Rastatter Kreißsaal wurde geschlossen (das BT berichtete). Sofern es die Auslastung zulasse, gewähre man den frisch gebackenen Eltern aber wenigstens mehr gemeinsame Zeit im Kreißsaal, die Wöchnerin werde dann erst später als sonst üblich auf die Station verlegt, sagt die Klinik-Sprecherin. Bei einem Kaiserschnitt warte der werdende Vater in der Regel vor dem Kreißsaal, um dann nach der OP mit dem Baby zu „bonden“ (also engen Hautkontakt zu genießen), bis die Mama wieder aus dem OP komme. „Wobei sich alles natürlich auch wieder von heute auf morgen ändern kann, das hat die Entwicklung der vergangenen Wochen ja gezeigt“, betont Müller-Zuber.

Die Ungewissheit, ob die geltenden Regeln auch noch in Kraft sind, wenn sich ihr Baby auf den Weg macht, treibt auch Mirka Zimmer um. „Meine ersten beiden Geburten mussten eingeleitet werden. Erfahrungsgemäß dauert es einige Zeit, bis die Wehen fördernden Medikamente wirken. Darf mein Mann Stefan in der Zeit dann bei mir sein oder muss ich da allein durch? Das weiß ich zum Beispiel gar nicht.“ Sie habe versucht, sich in den vergangenen Wochen mit dem schlimmsten aller Fälle, also damit, dass sie bei der Geburt allein sein wird, auseinanderzusetzen. „Immerhin weiß ich beim dritten Mal ja nur allzu gut, was auf mich zukommt“, scherzt die 31-Jährige.

Ein Podcast zum Thema „Allein gebären“ habe ihr weitergeholfen. Auch für die Rhein-stettenerin, die im Diakonissenkrankenhaus in Karlsruhe entbinden will, ist eine ambulante Entbindung durchaus eine Option. „Wenn alles in Ordnung ist, werde ich möglichst schnell nach der Geburt nach Hause gehen. Die Nachsorgehebamme kommt dann zu mir.“

Beim Klinikum Mittelbaden verzeichnet man ebenfalls einen sprunghaften Anstieg der ambulanten Entbindungen. Im März fanden in der Klinik Balg fünf davon statt, in den Monaten zuvor maximal eine oder zwei.

Mehr ambulante Entbindungen, das bedeutet mehr Arbeit für Antonia Busch und ihre Kolleginnen, die die Frauen unmittelbar nach der Entlassung aus der Klinik im Wochenbett zu Hause betreuen. Wie läuft so eine Betreuung ab, in diesen Zeiten? „Eigentlich wie immer, nur dass ich eine Maske mit Filter trage, wenn ich die Frauen oder die Neugeborenen untersuche“, erklärt die Hebamme. „Gründliches Händewaschen und -desinfizieren gehört ja ohnehin dazu. Die Frauen, die ich betreue, haben sich als sehr gewissenhaft herausgestellt.“

Für das frühe Wochenbett, wo die Wöchnerinnen und auch die Babys vor allem viel Ruhe benötigen, sei eine Situation, wie sie momentan herrscht, eigentlich gar nicht so schlecht. „Es kommt kein ungebetener Besuch vorbei, es gibt weniger Stress und das Ganze läuft momentan eigentlich störungsfreier ab als sonst“, findet Busch.

Mirka Zimmer hofft nun aber erstmal, dass bei der Geburt von Baby Nr. 3, alles gut geht und dass sie möglichst bald ihr Neugeborenes im Arm halten kann. Spannend ist so eine Schwangerschaft ja ohnehin schon genug. Ob nun außenherum gerade ein Virus wütet oder nicht.

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Erstellt:
14. April 2020, 09:49 Uhr
Aktualisiert:
14. April 2020, 10:02 Uhr
Lesedauer:
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