Verwaltung zeigt sich machtlos beim Schutz der Bäume

Rastatt (ema) – Der Zorn von Anwohnern wegen der Fällung einer kerngesunden Bluteiche hält an. Ein Appell der Verwaltung, den Baum zu schützen, verpuffte.

Diese Blutbuche steht noch neben dem ehemaligen Forstamt in der Bismarckstraße. Der Zwilling ein paar Meter entfernt wurde ein Opfer der Säge. Foto: Frank Vetter

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Diese Blutbuche steht noch neben dem ehemaligen Forstamt in der Bismarckstraße. Der Zwilling ein paar Meter entfernt wurde ein Opfer der Säge. Foto: Frank Vetter

Die umstrittene Fällung einer vitalen Blutbuche neben dem ehemaligen staatlichen Forstamt in der Bismarckstraße hat der neue Grundstückseigentümer veranlasst, obwohl die Stadt in einem Bauvorbescheid darauf hingewiesen hat, dass der Baum „schützenswert und zu erhalten“ sei. Doch der Hinweis aus dem Rathaus hat keine juristische Durchschlagskraft.
Monika und Burkhard Schelletter wohnen neben dem künftigen Baugrundstück und zeigen sich erzürnt angesichts der Entwicklung. Im Zuge der Angrenzerbenachrichtung waren sie über die künftige Nutzung des Grundstücks von der Stadtverwaltung informiert worden. Im April 2019 bekamen sie die Kopie des Bauvorbescheids. Der war im Original an Vermögen und Bau in Pforzheim adressiert. Dort werden Liegenschaften des Landes Baden-Württemberg verwaltet und gegebenenfalls verkauft – wie im Falle der beiden Grundstücke links und rechts des ehemaligen Forstamts

Anwohner fühlen sich „betrogen und veräppelt“

Dem Käufer des betroffenen Grundstücks habe man schon bei Anbahnung des Kaufs mitgeteilt, dass die Blutbuche schützenswert und zu erhalten sei, sagt der Leiter des Amts Vermögen und Bau in Pforzheim, Christian Lindinger. Außerdem habe man dem Käufer den Bauvorbescheid der Stadt Rastatt übermittelt, der diese Aussage wiedergibt. Darin heißt es wörtlich: „Der großkronige Einzelbaum an der Bismarckstraße ist schützenswert und zu erhalten.“

Das Ehepaar Schelletter fühlt sich nun „betrogen und veräppelt“, weil die rund 80 Jahre alte, kerngesunde Blutbuche trotz des Hinweises der Stadtverwaltung der Säge zum Opfer fiel. Die Forderung der Nachbarn nach einer Sanktionierung des „Umweltfrevels“ dürfte sich jedoch nicht erfüllen. Denn nach Auskunft der städtischen Pressestelle hat der „Hinweis“ im Bauvorbescheid keine rechtsverbindliche Bindungskraft, sondern nur den Charakter eines Appells.

Überlebenschancen hätte die Blutbuche gehabt, wenn man sie zu einem Naturdenkmal erklärt hätte. Das habe die Stadtplanung auch geprüft, heißt es aus dem Rathaus. Allerdings liege die Messlatte dafür sehr hoch – für eine entsprechende Verordnung habe es nicht gereicht, erklärt die Pressestelle dazu.

Ein Schutzschirm für die Buche wäre auch eine Baumschutzsatzung gewesen – doch die will die Verwaltung erst im kommenden Jahr angehen (wir berichteten).

Nach dem Ärger um die Fällaktion nehmen nun Anwohner mit Sorge eine weitere Blutbuche in den Blick, die quasi als Zwillingsbaum zur Rechten des ehemaligen Forstamts steht. Zumindest liegt für dieses Grundstück im Rathaus noch kein Bauantrag vor.

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Erstellt:
21. Dezember 2020, 21:00 Uhr
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