„Verzerrung des Wettbewerbs“

Gaggenau (tom) – Die Geschäftsführer des City-Kaufhauses ärgern sich über die Bedingungen des Lockdown.

Michael Meurers (links) und Harry Schneider hoffen, dass sie ihr City-Kaufhaus bald wieder regulär öffnen können. Foto: Thomas Senger

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Michael Meurers (links) und Harry Schneider hoffen, dass sie ihr City-Kaufhaus bald wieder regulär öffnen können. Foto: Thomas Senger

Die Sanierung des City-Kaufhauses war erfolgreich. Der vom Unternehmen vorgelegte Insolvenzplan ist am 18. Dezember vor dem Amtsgericht Baden-Baden einstimmig angenommen worden. Damit bleiben rund 56 Arbeitsplätze am Standort Gaggenau erhalten. Aber so richtig entspannt können die geschäftsführenden Gesellschafter Harry Schneider und Michael Meurers nicht in die Zukunft blicken: „Es wird immer unwahrscheinlicher, dass wir ab 11. Januar wieder regulär öffnen können.“

Seit Ende März haben Meurers und Schneider mit ihren Mitarbeitern um den Erhalt und die zukunftsfähige Ausrichtung des Unternehmens gekämpft. Doch der erneute Corona-Lockdown sei für das Kaufhaus und viele andere Unternehmen eine große Bedrohung. Die „Zwangsschließung mit derzeit unabsehbaren Folgen“, so Schneider, werfe eine entscheidende Frage auf: „Wie lange kann der Einzelhandel das durchstehen?“

Die Probleme beginnen bereits bei der Planung, zum Beispiel beim Einkauf von Waren, die nicht zum täglichen Bedarf gehören. „Ohne Ware werden wir nicht sein“, sagt Schneider, aber: „Was macht man mit der Ware, die da ist und irgendwann mal aus dem Lager heraus muss?“

Wegen der Schließung gibt es faktisch keine Zeit, um die Winterkollektionen abzuverkaufen, gibt sein Kollege Meurers zu bedenken: „Jeder Tag, den wir länger zu haben, vergrößert das Problem.“ Und im Textilbereich habe man zwar beim Einkauf ein halbes Jahr Vorlauf, „aber irgendwann kommt die Ware, und die will dann bezahlt werden“. Auch die Ankündigung in Zusammenhang mit dem sogenannten „Überbrückungsgeld 3“, dass man Ware abschreiben könne, sehen die Geschäftsführer kritisch: „Das geht ja nur, wenn man Gewinne macht, aber welcher Einzelhändler macht Gewinne?“

Dass die Geschäftspartner an das City-Kaufhaus glauben, das sei im Insolvenzverfahren deutlich geworden. Dieses sei im Prinzip abgeschlossen, wenn auch der formale Beschluss des Amtsgerichts erst für Mitte Januar erwartet wird. Viele Stellschrauben habe man seit dem Frühjahr justiert. Und zu „weit über 90 Prozent“ habe man von allen Geschäftspartnern sehr viel Unterstützung erlebt.

„Was wäre Gaggenau ohne euch?“ Das habe man oft gehört in den vergangenen Monaten – dies gebe Kraft fürs Weitermachen. Schließlich sei der Betrieb saniert, nun gelte es, ein Finanzpolster aufbauen. Denn, so Schneider: „Die Kosten laufen weiter.“

„Waren im Dezember richtig gut unterwegs“

„Mich ärgert so sehr die Wettbewerbsverzerrung“, sagt Schneider mit Blick zum Beispiel auf Drogeriemärkte. Diese dürften „quasi alles verkaufen“, während dies anderen Unternehmen eben verwehrt bleibe. „Die großen Discounter haben noch zu Beginn des Lockdown Non-Food-Artikel hereingeholt“, berichtet er. Sie und der Online-Handel seien deshalb „die Hauptgewinner des Lockdown“.

Meurers und Schneider werden dabei nicht müde zu betonen: „Der Handel ist nicht der Treiber des Infektionsgeschehens“, habe aber unter den Folgen der Beschränkungen erheblich zu leiden.

„Bis Dezember sei das Kaufhaus nach anfänglichen Schwierigkeiten Anfang Mai „gut unterwegs gewesen. Wir waren im Dezember gut aufgestellt, waren richtig gut in den Planansätzen“. Deshalb sei das Unternehmen auch so schnell aus dem Insolvenzverfahren herausgekommen: „Das ist alles andere als üblich.“


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