Verzicht auf Reha hat „gravierende“ Folgen

Baden-Baden (naf) – In der Pandemie beantragen weniger Patienten eine Behandlung. Kliniken in Baden-Baden sind allerdings gut besucht.

Die Reha-Kliniken in Baden-Baden sind trotz Pandemie gut besucht. Die Rentenversicherung meldet allerdings einen Rückgang der Antragszahlen. Symbolbild: Christin Klose/dpa

© dpa-tmn

Die Reha-Kliniken in Baden-Baden sind trotz Pandemie gut besucht. Die Rentenversicherung meldet allerdings einen Rückgang der Antragszahlen. Symbolbild: Christin Klose/dpa

„Die Menschen sind ja nicht plötzlich gesünder geworden“, sagt Saskia Wollny, Direktorin bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Baden-Württemberg. Die zuständige Geschäftsführerin für den Bereich Reha-Management ist besorgt, wie der DRV in einer Pressemeldung mitteilt. Die Patienten, so Wollny, „schieben ihren Reha-Start immer weiter hinaus, weil sie Angst haben, sich während der Reha mit Covid-19 anzustecken“.

Viele Kunden würden im Moment zögern, ihre notwendigen medizinischen Behandlungen zu beantragen oder nach Bewilligung auch anzutreten, heißt es in der Mitteilung weiter. „Wir verzeichnen derzeit einen spürbaren Rückgang bei den Antragszahlen“, wird Wollny zitiert. Dafür verantwortlich macht die DRV die Angst vor der durch Coronaviren ausgelösten Lungenkrankheit.

Doch auch bei einer zu lange aufgeschobenen Reha-Behandlung seien die Folgen nicht zu unterschätzen. Bei langfristigem Verzicht auf Maßnahmen nach einem operativen Eingriff oder bei einer chronischen Erkrankung könnten diese laut DRV „gravierend“ sein.

Aufenthalt wird „bei den Allerwenigsten“ verschoben

Dass der Reha-Aufenthalt aufgrund der Ansteckungsgefahr nach der Beantragung wieder abgesagt wird, komme zumindest bei der Klinik von Dr. Franz Dengler in Baden-Baden selten vor. „Bei den allerwenigsten“ Patienten schlägt der Hausartzt vor, die Reha-Maßnahmen zu verschieben, sagt die Marketingbeauftragte Luisa Neher. „Die Belegung kommt langsam wieder zurück“, berichtet sie, nachdem im vergangenen Jahr die meisten Operationen und damit verbundene Nachbehandlungen ausgefallen waren. Nur rund 50 Prozent der üblichen Patientenbelegung habe die Klinik damals verzeichnen können. Mittlerweile sei man wieder bei rund 80 Prozent angekommen – Tendenz steigend.

Von einer vermehrten Angst vor dem Virus unter den Patienten kann Neher nicht berichten. Diese seien eher „sehr dankbar, dass sie ihre Reha machen dürfen“. Einige würden sich jedoch vorab telefonisch über die Schutzmaßnahmen der Klinik informieren. „Einzelzimmer, Maskenpflicht und Besuchsverbot: Wir tun alles, um Patienten und Mitarbeiter bestmöglich zu schützen“, sagt Neher.

Klinik Höhenblick „sehr gut ausgelastet“

Vom „sehr strikten“ Hygienekonzept erzählt auch Jörg Skupin, Pressesprecher der Baden-Badener Reha-Klinik Höhenblick. Ohne negativen Antigen-Schnelltest komme niemand ins Gebäude. Die Hygieneauflagen sind auch der Grund, weshalb aktuell weniger Patienten aufgenommen werden, so Skupin. Abgesehen davon sei die Klinik Höhenblick „sehr gut ausgelastet“. Dort werden hauptsächlich Rheuma- und orthopädische Patienten behandelt. Nach einer Operation bleibe diesen „auch kaum etwas anderes übrig“, als sich behandeln zu lassen, wie der Pressesprecher erwähnt. Patienten, die zur Corona-Risikogruppe gehören und keine akute OP hinter sich haben, seien allerdings zurückhaltender.

„Die Angst ist unbegründet“, will die DRV in ihrer Pressemitteilung klarstellen. Auch Wollny erwähnt die „ausgefeilten Hygienekonzepte“ der Kliniken und verspricht, dass die reibungslose therapeutische Versorgung stets gewährleistet sei. Die DRV betont: Eine optimale medizinische Rehabilitation sei ein zentraler Baustein, um wieder aktiv am Leben teilzunehmen.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.