Vespa-Sammler aus Leidenschaft: Carmelo Manisco

Baden-Baden (vr) – Italienisches Lebensgefühl auf zwei Rädern: Das verbindet Carmelo Manisco, Raumausstatter aus Baden-Baden, mit Vespas, von denen er mittlerweile rund ein Dutzend gesammelt hat.

Stolze Sammlung: Carmelo Manisco ist seit frühester Kindheit Vespa-Fan.  Foto: Veruschka Rechel

© vr

Stolze Sammlung: Carmelo Manisco ist seit frühester Kindheit Vespa-Fan. Foto: Veruschka Rechel

Sie war der Star, der minutenweise sogar die Schauspiel-Legenden Audrey Hepburn und Gregory Peck in den Schatten stellte: die Vespa in der zu Tränen rührenden Filmromanze „Ein Herz und eine Krone“.
Die Szene, wie das Traumpaar 1953 mit Fahrtwind in den Haaren und Lebenslust in den Augen durch Rom knatterte, verewigte sich weltweit als „Dolce Vita“ pur im kollektiven Gedächtnis der Kinobesucher. Bis heute steht die wannenartige Blechkarosse der kleinen „Wespe“ für Leichtigkeit, Unbekümmertheit und Jugend. Eigentlich wollte Flugzeughersteller Enrico Piaggio nach dem Zweiten Weltkrieg ein billiges Fortbewegungsmittel für die Italiener bauen. Stattdessen schuf er einen Kult, und weltweit sind Jung wie Alt mit dem „Vespa-Virus“ infiziert. Auch Carmelo Manisco, der als Sohn italienischer Eltern aus Apulien in Heidelberg geboren und aufgewachsen ist. Vor 15 Jahren zog der gelernte Raumausstatter nach Baden-Baden und machte sich mit dem Exklusivvertrieb eines italienischen Unternehmens für luxuriöse Wandgestaltungen selbstständig.

Schon in frühester Kindheit wurde Manisco mit den Motorrollern konfrontiert, denn er fuhr jedes Jahr mit seinen Eltern in ihre italienische Heimat. „Das erste Geräusch, was ich beim Aufwachen hörte, war das typische Knattergeräusch von den Zweitaktmotoren der Vespas, auf denen die Einheimischen schon frühmorgens unterwegs waren“, erinnert er sich. Seitdem wünschte er sich eine eigene Knatterkiste, doch irgendwie hatte es sich nie ergeben. Bis vor zwei Jahren, als er in der süditalienischen Kleinstadt Matera in einem Laden mit edlen Putztapeten eine alte Vespa entdeckte. „Verkaufst Du die?“, fragte er den Inhaber. Der zuckte mit den Schultern und antwortete: „Warum eigentlich nicht?“ Prompt gab ihm Carmelo Manisco sein ganzes Bargeld, 300 Euro, als Anzahlung und kehrte postwendend nach Baden-Baden zurück. Er setzte sich in seinen Transporter und fuhr die 1700 Kilometer nach Matera, um seine rollende Rarität abzuholen. „Von da an war ich endgültig mit dem Vespa-Virus infiziert“, gesteht er.

Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern

Seitdem sind noch zehn weitere Kultroller aus den Baujahren 1952 bis 1967 dazugekommen. Darunter eine „SS 90“ von 1967, das erste Modell mit einer Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern. „Dafür sorgten die schmale Form und ein kleines Brustpolster, durch das man sich für mehr Windschnittigkeit schmerzfrei ganz weit nach vorne beugen konnte“, erklärt Manisco lachend. Früher in Italien seien vierköpfige Familien auf einer Vespa gefahren – Papa vorne, das ältere Kind am Lenker stehend, Mama auf dem Rücksitz, den jüngeren Nachwuchs auf dem Schoß. Maniscos neueste Errungenschaft ist eine „Faro Basso“ (Lampe unten), Baujahr 1953, ein Scheunenfund aus Norditalien.

Wenn sie restauriert ist, will er mit ihr auf der Landstraße nach Apulien fahren. Mit Rückenwind erreiche sie bis zu 70 Stundenkilometer. „Ich denke, dass ich 200 Kilometer am Tag schaffe, ohne dass mir das Gesäß zu sehr wehtut“, sagt Manisco. Wobei das eigentlich keine Rolle spiele. „Man sitzt auf jahrzehntelanger Tradition, und dafür nimmt man schon mal einen etwas schmerzenden Popo in Kauf.“

Zum Artikel

Erstellt:
14. Januar 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 31sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.