Viel Arbeit im Bürgerbüro Baden-Baden

Baden-Baden (sga) – Ute Hasel leitet das Fachgebiet Bürgerservice und weiß, dass nicht jeder das Arbeitsvolumen sehen kann: „Der Großteil passiert im Hintergrund.“

Mit Freude bei der Arbeit: Anja Koschubat schätzt den Kontakt zu den Kunden sehr. Foto: Sarah Gallenberger

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Mit Freude bei der Arbeit: Anja Koschubat schätzt den Kontakt zu den Kunden sehr. Foto: Sarah Gallenberger

Paul Schmidt ist sauer. Als er vor einiger Zeit das Bürgerbüro im Rathaus besucht, will er eigentlich nur seinen Personalausweis verlängern lassen. Stattdessen wird er vor Ort „enttäuscht und abgewiesen“, weil er keinen Termin hat.

Und das, obwohl er zuvor versucht hat, einen solchen telefonisch zu vereinbaren – vergebens. „Gegen 10.30 Uhr betrat ich das Bürgerbüro“, beschreibt Schmidt in seinem Brief an das Badische Tagblatt, wie er spontan die Unterstützung der Verwaltung in Anspruch nehmen wollte. „Keine Schlange, niemand vor mir.“ Die Dame am Empfang habe telefoniert, die Kollegin etwas weiter hinten sei „frei“ gewesen. Schmidt dachte, dann könne er sein Anliegen ja auch schnell vor Ort klären – wird jedoch abgewiesen.

Der Baden-Badener ist nicht der einzige, der sich über die Arbeitsweisen in einem der Bürgerbüros beschwert. „Viele sehen natürlich nur ihr Anliegen und sind verärgert, wenn sie nicht sofort zu einem Ergebnis kommen“, weiß Ute Hasel. Als Leiterin des Fachgebiets Bürgerservice und durch ihre langjährige Mitarbeit in der Stadtverwaltung sei sie sich bewusst darüber, dass nicht alle Arbeitsschritte von den Bürgern als solche wahrgenommen werden, „weil der Großteil im Hintergrund passiert. Am besten lasse sich das an den Öffnungszeiten des Rathauses erklären: „Wenn wir das Bürgerbüro um 9.30 Uhr öffnen heißt das nicht, dass die Kollegen erst um 9.30 Uhr zur Arbeit erscheinen.“ Die meisten Mitarbeiter kommen zwischen 7 und 7.30 Uhr, um im „Backoffice“ die nötigen Vorbereitungen zu treffen.

„Das sind die Dinge, die der Bürger als Dienstleistung wahrnehmen kann.“

Ob Meldewesen, Verwaltung der Fundsachen, Ausstellen von Familienpässen, Anträge auf Sozialtickets oder Führungszeugnisse: „Das sind die Dinge, die der Bürger als Dienstleistung wahrnehmen kann.“ Doch die Palette sei noch viel größer. Daten müssen mit anderen Meldebehörden, Ausländerzentralregistern oder dem Bundeszentralamt abgeglichen oder Wohnungsgebermeldungen bearbeitet werden. „Die Liste ist lang“, nur das sehe der Kunde eben nicht.

Auch BT-Leser Schmidt weiß nichts von diesen Aufgaben, da er sie nicht sehen kann. Im Gegenteil: Stattdessen sei für ihn der Fall ganz klar. Es handele sich dabei um eine „versteckte und unsinnige Machtdemonstration“, die „zur Bürgerenttäuschung führt“.

Uta Hasel findet es schade, dass manche Kunden so verärgert sind wie Schmidt, „das ist natürlich absolut nicht unsere Intention“. Trotzdem kann sie es auch „irgendwie nachvollziehen, denn wie gesagt: Man sieht viele unserer Aufgaben einfach nicht“. Doch auch wenn ab und zu eine Beschwerde ihren Weg ins Bürgerbüro findet, „im Großen und Ganzen sind unsere Kunden zufrieden, und das freut uns natürlich“, betont Hasel. Ihr selbst bereite die Arbeit in den verwalterischen Bereichen „viel Freude“, immerhin sei sie schon eine ganze Weile dabei und kenne sich gut aus. Überraschungen? „Die gibt es trotzdem immer wieder“, schmunzelt sie. Man denke immer, „da kann nichts neues mehr kommen“, doch am Ende sei jeder einzelne Fall eben doch eine sehr individuelle Angelegenheit.

„Viele Aufgaben haben nichts mit den ursprünglichen Aufgaben zutun“, erzählt Hasel. Mit dem Standort im Rathaus liege das Bürgerbüro „im Herzen der Stadt“. So seien es auch eine ganze Menge Touristen, die nach dem Weg fragen oder sonstige Informationen brauchen: „Wir sind gerne Ansprechpartner.“

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
25. Oktober 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 39sec

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