Viele Autos und Radfahrer in der Kaiserstraße

Karlsruhe (BT) – Die Karlsruher City befindet sich im Umbruch: Auch ohne Straßenbahnen rollt der Verkehr in der Kaiserstraße – allerdings oft auch unerlaubt.

Geplant ist eine Flaniermeile, doch noch bestimmen vor allem Autos das Bild in der Karlsruher Kaiserstraße. Foto: Jörg Donecker

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Geplant ist eine Flaniermeile, doch noch bestimmen vor allem Autos das Bild in der Karlsruher Kaiserstraße. Foto: Jörg Donecker

Die Straßenbahnen sind seit Mitte Dezember aus der Kaiserstraße verschwunden – die aber die Fußgänger dennoch nicht für sich haben. Durch die Einkaufsmeile fahren zahlreiche Autos und flitzen Radfahrer. Und das auch zu Zeiten, in denen das nicht erlaubt ist.

„Hier ist wirklich einiges an Verkehr“, sagt Fatih Pürcek, der am Marktplatz Blumen verkauft und am Mittwoch um die Mittagszeit auf die nicht mehr benötigten Gleise schaut. Wenn seine kleinen Neffen an den Stand kommen, würde er sie gerne herumrennen lassen. „Da muss man aber aufpassen“, sagt der Händler. Er beobachtet, dass Polizei und Kommunaler Ordnungsdienst (KOD) das Problem im Blick haben. „Es gibt immer wieder Kontrollen, Autos und auch Radler werden angehalten.“

Praktisch täglich Kontrollen

Die Pressestelle der Stadt bestätigt das: „Der Fahrrad- und Lieferverkehr in der Fußgängerzone Kaiserstraße wird vom KOD im Rahmen der Streifentätigkeit praktisch täglich kontrolliert“, teilt ein Sprecher mit. Die Mitarbeiter würden vor Ort situationsbezogen entscheiden, ob eine mündliche Verwarnung aussprechen oder ein Verwarnungsgeld erhoben wird. Radler kann dies dann 25 Euro, Kraftfahrzeugführer 50 Euro kosten. Der KOD plane in diesem Jahr mehrere Schwerpunktkontrollaktionen gemeinsam mit der Polizei. Dabei sollen sowohl Radfahrer als auch E-Scooter-Fahrer in den Fokus genommen werden. Eine erste Aktion sei für Ende Februar/Anfang März vorgesehen.

Am Mittwochmittag ist gegen 12 Uhr weder Polizei noch KOD am Marktplatz zu sehen. Radler strampeln bevorzugt zwischen den beiden Gleissträngen. Fußgänger halten sich oft lieber rechts und links der Straße, wie früher, als in der Mitte noch Straßenbahnen unterwegs waren. Auch wenn die längst in den Tunnel verbannt sind, lohnt sich für die Passanten der Schulterblick. Da kommt ein Lieferando-Fahrer, dort ein Geldtransporter, hier ein Taxi. Ein roter Kleinwagen mit Rastatter Kennzeichen scheint den Weg raus zu suchen. Das Auto will am Marktplatz abbiegen, wendet, fährt schließlich weiter Richtung Kronenplatz. Richtung Europaplatz wiederum parken Handwerker schon in zweiter Reihe. „Wir haben eine Genehmigung“, versichert einer der Arbeiter. Derweil bahnt sich ein DHL-Fahrzeug den Weg vorbei.

Weitere Baustellen

Im Zuge der geplanten Umgestaltung der Kaiserstraße werden sicherlich auch die Themen Radverkehr und Lieferverkehr Berücksichtigung finden, erklärt die Pressestelle der Stadt. Mit der Eröffnung des Tunnels ist die neue Kaiserstraße schließlich noch nicht fertig. Die Schienen sollen raus, die Bodenplatten erneuert werden. Neue Baustellen stehen bevor. Das Ziel lautet Flaniermeile. Noch ist das Zukunftsmusik. „Tatsächlich sind im Moment weniger Menschen unterwegs“, sagt Straßenmusiker Michael Kuny. Das habe wohl mit Corona und dem Wetter zu tun. Und damit, dass die Bahnen jetzt unten fahren. Auch er beobachtet verstärkt Autos und Radler. Sie stören aus seiner Sicht aber kaum. Wie Blumenhändler Pürcek sagt er, dass sein Geschäft seit der Eröffnung des Tunnels schwieriger geworden ist. Und einfach unten musizieren: „Ich glaube nicht, dass das geht“, sagt der Mann aus dem Sudan lachend.

Ihr Autor

Tina Givoni

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Erstellt:
20. Januar 2022, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 29sec

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