Viele Bewerber um Einbürgerung in Baden-Baden

Baden-Baden (hez) – Gehören Eier zu den Weihnachtsbräuchen? Menschen, die sich um die Einbürgerung bewerben, müssen viele Voraussetzungen erfüllen und Fragen beantworten.

Es ist geschafft: Einbürgerungsfeier im Baden-Badener Rathaus im Herbst 2020. Foto: Stadtverwaltung/Archiv

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Es ist geschafft: Einbürgerungsfeier im Baden-Badener Rathaus im Herbst 2020. Foto: Stadtverwaltung/Archiv

Obwohl die Zahl der Einbürgerungen in der Kurstadt rein statistisch im vergangenen Jahr etwas zurückgegangen ist, verzeichnet man an der Oos weiterhin ein großes Interesse am Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft. Dafür müssen allerdings etliche Voraussetzungen erfüllt werden.

Ist das Verstecken von Eiern ein deutscher Weihnachtsbrauch? Beschwert man sich über eine falsche Rechnung einer deutschen Behörde beim Finanzamt? Steht im Grundgesetz, dass alle gleich viel Geld haben sollen? Gehört das Pfarramt zu einer Gemeindeverwaltung? Fragen wie diese tauchen im Einbürgerungstest auf, den die Bewerber um die deutsche Staatsbürgerschaft absolvieren müssen. Viele Aspekte der Geschichte, Geografie und Verfassung Deutschlands werden in dem Test abgefragt, und man sollte zum Beispiel auch wissen, wann die Bundesrepublik gegründet wurde, wer den Bundespräsidenten wählt und was eine Ampelkoalition ist.

„Kandidaten in der Regel gut vorbereitet“

„Die Kandidaten sind in der Regel aber gut vorbereitet auf diesen Test“, berichtet Ute Hasel, Leiterin des Fachgebiets Bürgerservice bei der Stadt Baden-Baden. Und wer in Baden-Baden den Test besteht und auch sonst alle Anforderungen erfüllt hat, kann dann an einer festlichen Einbürgerungsfeier teilnehmen mit Ansprachen, Musik, Urkundenübergabe und dem Singen der Nationalhymne. Und Präsente gibt es auch: zum Beispiel ein Badetuch.

Die Zahl der Einbürgerungen ist allerdings in der Kurstadt zuletzt zurückgegangen: Waren es 2018 noch 151, sank die Zahl 2019 auf 115 und 2020 auf 101. Ähnlich sieht die Entwicklung auf Landesebene aus. Hier ging die Zahl der Einbürgerungen im vergangenen Jahr um 17 Prozent auf den niedrigsten Wert seit 2011 zurück.

Ute Hasel glaubt allerdings nicht an ein stark nachlassendes Interesse an der deutschen Staatsbürgerschaft: „Wir bekommen deswegen täglich Anrufe und führen Beratungsgespräche.“ Immerhin lebten im Vorjahr 11.440 Ausländer in Baden-Baden, was einer Quote von 20,6 Prozent entspricht. Damit liegt man laut Statistischem Landesamt unter den Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs hinsichtlich des Ausländeranteils auf dem fünften Platz.

Begehrtes Papier: Im vergangenen Jahr haben 101 Menschen in der Kurstadt die Einbürgerungsurkunde bekommen. Foto: Julian Stratenschule/dpa

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Begehrtes Papier: Im vergangenen Jahr haben 101 Menschen in der Kurstadt die Einbürgerungsurkunde bekommen. Foto: Julian Stratenschule/dpa

Hasel geht davon aus, dass die geringere Zahl der abgeschlossenen Einbürgerungen 2020 auch mit einer längeren Bearbeitungszeit zusammenhängen könnte. Schließlich gingen durch Corona viele Anträge nur per Post ein.

Insgesamt dauert die Bearbeitung des Einbürgerungswunsches im Land im Durchschnitt 9,5 Monate. Am schnellsten geht es mit nur fünf Monaten bei EU-Bürgern. Die Neu-Bundesbürger in Baden-Baden kommen vor allem aus Ländern wie Polen, Rumänien, Kroatien, Türkei oder den Nachfolgestaaten der einstigen Sowjetunion.

Gerade im letzteren Fall, so Hasel, könne das Einbürgerungsverfahren lange dauern, wenn es um die Entlassung aus der bisherigen Staatsbürgerschaft gehe. Deutlich zurückgegangen sind Einbürgerungsanträge von Briten, nachdem der Brexit jetzt vollzogen ist.

Wichtige Voraussetzungen für die Erlangung der deutschen Staatsbürgerschaft sind vor allem auch ausreichende Sprachkenntnisse und der Nachweis der Sicherung des Lebensunterhalts. Und manchmal, so berichtet die Fachgebietsleiterin, scheitert der Einbürgerungswunsch auch ganz einfach an den zu hohen Vorstrafen des Betreffenden.

Ihr Autor

BT-Redakteur Henning Zorn

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Erstellt:
6. Juni 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 26sec

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