Viele Erinnerungen an die Murgtal-Brauerei

Gaggenau (er) – „... und noch ein Degler“: Der Werbespruch der einstigen Brauerei könnte auch Motto sein für eine Aktion, bei der BT-Leser Erinnerungsstücke an Sammler Marius Ball übergeben haben.

Hinten von links: Ute Rauch, Edwin Rauch, Alfred Dern, Monika Rittmann, Sascha König, Heinz Rittmann. Knieend: Rita Lübbecke und Marius Ball. Foto: Elke Rohwer

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Hinten von links: Ute Rauch, Edwin Rauch, Alfred Dern, Monika Rittmann, Sascha König, Heinz Rittmann. Knieend: Rita Lübbecke und Marius Ball. Foto: Elke Rohwer

Es gibt Themen, die den Lesern des Badischen Tagblatts besonders am Herzen liegen. Dies ist oft dann der Fall, wenn es sich etwa um historische Gebäude handelt, die eng mit der Region verbunden sind und über die so mancher Zeitzeuge noch etwas zu berichten weiß. Der im September erschienene Artikel über den Degler-Sammler Marius Ball aus Oberweier gehört eindeutig dazu. Mehr als 20 Leser meldeten sich seither in der Redaktion, um Kontakt aufzunehmen zu dem jungen Mann aus dem Keschtedorf.

Sie alle hatten zwei Dinge gemeinsam: Zum einen freuten sie sich, dass ein junger Mensch sich für die ehemalige Degler-Brauerei und damit für ein Stück längst vergangener Gaggenauer Geschichte interessiert. Zum anderen waren sie alle noch im Besitz von Degler-Erinnerungsstücken, die sie Marius Ball für seine Sammlung gern überließen.

Zum gedanklichen Austausch trafen sich einige von ihnen am Samstag. Zunächst ging die Gruppe entlang der Alois-Degler-Straße bis zu einem schon etwas älteren Haus mit der Nummer 7. „Das ist das einzige noch erhaltene Gebäude der Degler-Brauerei. Im sogenannten Schalander, mundartlich „Schalonder“, haben sich die Brauerei-Arbeiter damals umgezogen, er diente auch als Pausenraum.

„Und nach der Arbeit haben die Männer hier ihr Feierabendbier getrunken“, weiß Rita Lübbecke. Ihr ganzes Leben lang hat sie in unmittelbarer Nähe zum Brauerei-Areal verbracht. Bis zu ihrem vierten Lebensjahr lebte sie in der Schulstraße, im Gebäude der heutigen Kunstschule, wo ihre Eltern den Lebensmittelladen Hof hatten. Mit neun Jahren zog ihre Familie dann in die Rindeschwenderstraße, wieder in die unmittelbare Nachbarschaft zu Degler. Rita Lübbecke kann sich noch gut an die Brauerei erinnern – an die Halle mit den Braukesseln, an das Plätschern der Kühlanlage, an das Scheppern der gläsernen Bierflaschen in den Metallkästen, aber auch daran, wie sie als Mädchen Mitte der 1950er-Jahre mit dem Handwagen zur Brauerei geschickt wurde, um Stangeneis für den Lebensmittelladen zu holen.

Steingutkrüge vom Dachboden

„Bevor das Bier mit Lkw transportiert wurde, hatte die Brauerei ein Fuhrwerk. Wenn der Bierkutscher mit dem Wagen die Straße entlangfuhr und die Pferde etwas fallen ließen, war es meine Aufgabe, die Pferdeäpfel aufzusammeln, um sie als Dünger in den elterlichen Garten zu bringen.“ Auch an den einen oder anderen Bierfahrer kann sie sich erinnern, etwa an Arthur Riedinger und an Emil Kohlbecker. Heute erinnern nur noch Fotografien an die Gaggenauer Brauerei und deren Abriss im Jahr 1986.

Blick auf das Brauereigebäude in den 70er-Jahren. Foto: Rita Lübbecke Foto: Elke Rohwer

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Blick auf das Brauereigebäude in den 70er-Jahren. Foto: Rita Lübbecke Foto: Elke Rohwer

Heinz Rittmann, selbst leidenschaftlicher Sammler, war einst als Bierfahrer für Degler tätig. Sein Gebiet reichte von Malsch über Iffezheim bis Forbach, Marxzell und Feldrennach. Er fuhr damals einen Mercedes-Lkw mit Kettenantrieb und Vollgummireifen. „Damals hatte ich manchmal Bereitschaft. Wenn auf einem Fest das Bier knapp wurde, bin ich mit meiner BMW vom Fest zur Brauerei gefahren, um den Lkw zu beladen und Nachschub zu bringen.“ Sein größter „Degler-Schatz“ ist ein kleiner Porzellanuntersetzer mit der Aufschrift „Trink Deglerbier“, mit dem in den Wirtschaften das Tropfbier der Zapfanlagen gesammelt wurde.

Edwin und Ute Rauch, geborene Oesterle, aus Sandweier haben eine besondere Verbindung zu Degler. Denn die Eltern von Ute Rauch waren einst Pächter der Degler-Brauereigaststätte „Grüner Hof“ in Iffezheim.

„Damals wurde jedes Bierfass mit einer halben Stange Eis geliefert. Im Keller der Gastwirtschaft wurden Bier und Eis dann mit dicken Planen abgedeckt. So hat sich die Kälte gehalten“, erinnert sich Ute Rauch. Das Ehepaar hatte für Marius Ball noch vier taillierte Degler-Meisterpilsgläser mit Goldschrift aus dem ehemaligen Gasthaus.

Alfred Dern und Renate Dern-Kohler aus Weisenbach sind beim Räumen ihres Hauses auf Steingut-Bierkrüge der Brauerei gestoßen. „Auf dem Dachboden lagerten Sachen von meinen Eltern und den Großeltern. Diese hatten alles aufgehoben, so war das damals“, erzählt Renate Dern-Kohler.

„Ich bin begeistert, dass sich so viele Menschen bei mir gemeldet haben. Ich habe viele schöne Stücke bekommen, und in den Gesprächen habe ich interessante Dinge über die Brauerei erfahren“, sagt Marius Ball beim anschließenden Umtrunk im „Christophbräu“. Das Gasthaus befindet sich direkt neben dem einstigen Degler-Areal und führt die Brauer-Tradition am Standort fort.

Ihr Autor

Elke Rohwer

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Erstellt:
22. November 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 06sec

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