Viele Fragen nach handgreiflichem Streit

Gernsbach (stn) – Es sind verhärtete Fronten zwischen einem 39-jährigen Forbacher und seiner getrennt lebenden Ehefrau, an denen das Amtsgericht am Dienstag zu arbeiten hatte.

Amtsgericht Gernsbach: Die Verhandlung wegen einer angeblichen Körperverletzung wird am 3. Februar fortgesetzt. Foto: Ulrich Jahn (Archiv)

© uj

Amtsgericht Gernsbach: Die Verhandlung wegen einer angeblichen Körperverletzung wird am 3. Februar fortgesetzt. Foto: Ulrich Jahn (Archiv)

Der Vorwurf wiegt schwer. Es geht um Körperverletzung. Der angeklagte Forbacher soll am 28. Juli vergangenen Jahres seine getrennt lebende Ehefrau nach einem Streit so gegen das Kinn geschlagen haben, dass deren Zahnimplantat im linken Oberkiefer herausgefallen war. Auf Nachfrage von Amtsgerichtsdirektor Ekkhart Koch bestritt der 39-Jährige jedoch vehement, dass es an besagtem Tag einen Streit gegeben habe oder er gar gewalttätig geworden sei. Stattdessen schilderte er seine Sicht der Dinge folgendermaßen: Seine Noch-Ehefrau sei am 28. Juli zu ihm gekommen, um den gemeinsamen Sohn abzuholen. Der Siebenjährige sei zuvor von der Schule aus zu ihm gelaufen. Der Mann wohnte zu diesem Zeitpunkt alleine in der ehelichen Wohnung in Forbach in einem Mehrfamilienhaus, das das Ehepaar zusammen gekauft hatte. Beim Eintreffen der 35-Jährigen habe er die Tür geöffnet, ihr gesagt, dass der Sohn gleich komme und die Tür daraufhin wieder geschlossen. Beim wiederholten Öffnen der Tür ist die Lage dann offenbar eskaliert: „Plötzlich fängt sie an zu schreien, geht zu den Nachbarn und fragt ,Hast du gesehen, wie er mich geschlagen hat?‘“, berichtet er.

Als Amtsgerichtsdirektor Koch die als Zeugin geladene Ehefrau aufrufen wollte, um Licht in die Sache zu bringen, musste er allerdings feststellen, dass diese nicht zur Verhandlung erschienen war. Mit einem beherzten Griff zum Telefon versuchte Koch sie zu kontaktieren – mit Erfolg. Am anderen Ende der Leitung meldete sich die überaus verwunderte Ehefrau des Angeklagten. Eine Vorladung zur Verhandlung habe sie nicht erhalten. Auf Kochs Bitte hin willigte sie letztlich jedoch ein, noch spontan bei Gericht zu erscheinen. Die Verhandlung wurde kurzzeitig unterbrochen, konnte aber nach rund 20 Minuten mit Eintreffen der 35-Jährigen fortgeführt werden.

Ehefrau erhebt schwere Vorwürfe

Diese präsentierte den Anwesenden allerdings eine ganz andere Geschichte: Sie sei zuerst bei der Schule gewesen, habe dort ihren Sohn jedoch nicht angetroffen. Als sie erfahren habe, dass sich der Nachwuchs beim Vater befindet, habe sie sich auf den Weg zum Angeklagten gemacht. „Ich habe ihm nicht geglaubt, dass unser Sohn eigenständig von der Schule zu ihm gelaufen ist. Das traut er sich nicht. Er hat Angst vor seinem Vater“, gab sie am Dienstag bei Gericht an.

Vielmehr versuche der Angeklagte, alle zu täuschen. „Unser Sohn ist nicht zu ihm gelaufen. Er hat unseren Sohn von der Schule abgeholt“, ist sie überzeugt. Das habe der Siebenjährige ihr gegenüber selbst so zugegeben. An der Wohnungstür hätten der Forbacher und sie sich „gegenseitig angeschrien“. „Er hat ein erstes Mal die Hand gehoben, aber nichts gemacht. Und beim zweiten Mal hat er mir dann den Kinnhaken gegeben“, erläutert sie. „Ich habe Angst bekommen, bin zu unserer Mieterin in den ersten Stock gelaufen und habe von dort die Polizei gerufen.“ Anschließend habe sie eine Ärztin aufgesucht, die Prellmarken am Kinn feststellte.

Zweifel an den von der Ehefrau vorgetragenen Geschehnissen hatte hingegen Klaus Bloedt-Werner, der Anwalt des Angeklagten: „Ständig hat mein Mandant Vorladungen von der Polizei wegen Dingen, die nicht stimmen.“ Drei Verfahren – zwei wegen Körperverletzung und eins wegen Bedrohung – seien bereits eingestellt worden. Auch die jüngsten Verfahren – Verletzung des Datenschutzes und sexueller Missbrauch der Stieftochter – würden, davon geht Bloedt-Werner aus, eingestellt werden.

Auch Streitigkeiten wegen Sorge- und Umgangsrecht

Der Anwalt verwies auch auf die laufenden Streitigkeiten wegen des Umgangs-, Sorge- und Aufenthaltsbestimmungsrechts in Bezug auf die zwei leiblichen Kinder des Ehepaars. Die Frau behaupte, der Mann würde die Kinder schlagen, die Kinder wiederum hätten angegeben, dass sie unbedingt beim Vater leben wollen, weil die Mutter sie schlägt. In diesem Zusammenhang sei auch der Vorfall vom 28. Juli 2021 zu sehen. „Der Sohn hat seinem Vater erklärt, warum er an diesem Tag von der Schule zu ihm gelaufen ist. Einen Tag später gab es nämlich einen Termin beim Jugendamt wegen des Sorge- und Umgangsrechts. Die Kinder sollten dort angehört werden. Der Sohn hat seinem Vater erzählt: ,Die Mama verlangt von mir, dass ich was Falsches sage.‘“ Angesichts dieser Sachlage traf Bloedt-Werner nüchtern die Feststellung: „Wir können uns raussuchen, was wir glauben.“

Entschieden blieb die 35-Jährige jedoch bei ihrer Version. Da die Schuld des Angeklagten nicht abschließend geklärt werden konnte, wird die Verhandlung am Donnerstag, 3. Februar, fortgesetzt. Da der Sohn die Auseinandersetzung zwischen seinem Vater und der Mutter am 28. Juli mitbekommen hat, erwägt Richter Koch zudem, auch den Siebenjährigen an diesem Tag in der Verhandlung anzuhören.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Nora Strupp

Zum Artikel

Erstellt:
18. Januar 2022, 17:56 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 20sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.