Viele Fragezeichen für Baden Rhinos

Hügelsheim (mi) – Vor dem Eishockey-Saisonstart in der Regionalliga am 2. Oktober bleibt zweifelhaft, ob der ESC Hügelsheim die Voraussetzungen des vom DEB erarbeiteten Hygienekonzepts erfüllen kann.

Noel Johnson (Mitte) und Co. hoffen in der neuen Saison weiter auf Fan-Unterstützung.  Foto: Frank Seiter

© Frank Seiter

Noel Johnson (Mitte) und Co. hoffen in der neuen Saison weiter auf Fan-Unterstützung. Foto: Frank Seiter

Gerade in Zeiten wie diesen kann ein guter Draht zum Bürgermeister nicht schaden. Beim Eishockey-Regionalligisten ESC Hügelsheim planen Vorstand Peter Seywald und Sportdirektor Pascal Winkel in Bälde einen Besuchstermin bei Reiner Dehmelt. „Bei dem Gespräch werden wir erfahren, was auf uns zukommt. Dehmelt hat uns immer geholfen, er steht hinter uns“, sagt Seywald voller Hoffnung.
Der Hügelsheimer Bürgermeister wird nämlich nach Lage der Dinge eine nicht unbedeutende Rolle spielen, ob die Cracks ihre Heimspiele wie geplant für die mittlerweile für den 2. Oktober als Starttermin festgelegte neue Regionalliga-Saison austragen können. Und zwar trotz Abstandsgebot mit den von Vereinsseite erhofften rund 500 Zuschauern – natürlich mit Mundschutz – in der Baden-Airpark-Arena, die bei Playoff-Spielen bis zu 1000 Fans Platz bietet. Außer Hügelsheim genießt in der Regionalliga nur der EHC Zweibrücken einen ähnlichen Zulauf.

„Es wäre eine große Erleichterung für uns, wenn 500 Zuschauer zugelassen werden könnten. Bei aber nur 200 hätte es keinen Sinn, dann können wir die Halle zulassen“, beschreibt der Vorsitzende die Ausgangssituation drastisch und belegt diese mit konkreten Zahlen. „Uns fallen Stromkosten im Schnitt von 20000 bis 22000 Euro im Monat an.“

Herkulesaufgabe für Verein

Nicht so optimistisch bezüglich des wichtigen Termins beim Gemeindeoberhaupt ist Pascal Winkel. „Viel zu erwarten haben wir eher nicht. Das ist eine Herkulesaufgabe für uns, das alles umzusetzen. Wir haben eine alte Halle, nur in zwei von fünf Kabinen sind Fenster drin“, gibt er einen kleinen Einblick in die vielfältigen Hürden, vor denen die Baden Rhinos stehen.

Zuletzt hatte der Deutsche Eishockey Bund mit einer Task Force unter Leitung von Sportdirektor Stefan Schaidnagel ein strukturiertes Hygienekonzept als Leitfaden entwickelt. Dieses wurde vom Eissportverband Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit den Behörden übernommen, adaptiert und den Vereinen zugestellt.

Die Rhinos-Verantwortlichen, zuvorderst Pascal Winkel als Hansdampf in allen Gassen, müssen ein standortgenaues Konzept – Stichworte: Abstandsregelung beim Einlass, im Hallenumlauf, auf den Tribünen, Stehplätzen – ausarbeiten und dieses von den Behörden absegnen lassen. Letztlich müssen diese nämlich entscheiden, ob und wie der Saisonstart in rund zwei Monaten über die Bühne gehen kann.

Winkel hat bislang ein „Zehn-Punkte-Papier mit höchster Priorität erstellt. Da geht es zum Beispiel darum: Wieviel Abstand kriegen wir zwischen den Reihen hin? Für die Zuschauer ist auch nur Einlass mit personalisierter Karte möglich. Für die Fans würde da auch viel Neues zukommen“. Der engagierte Sportdirektor gibt zu bedenken, dass allein das Konzept umzusetzen, „uns erhebliche Kosten verursacht. Selbst bei halber Kapazitätsauslastung würden wir in zwölf Heimspielen maximal den Umsatz von normalerweise sechs Spielen haben. Wie schaffe ich es so, die Halle eine ganze Saison zu betreiben?“ Winkel weiß auch von anderen Vereinen, welche Probleme auf die Regionalligisten zukommen: „In Eppelheim sitzen 25 Spieler auf zehn Quadratmetern in der Kabine.“

Klar ist nur, dass die Regionalliga Südwest aus neun Mannschaften bestehen wird. Neben den Baden Rhinos tummeln sich die Spitzenteams aus Zweibrücken, SC Bietigheim-Bissingen und Heilbronner EC sowie der EC Eppelheim, EKU Mannheim, EV Ravensburg, Stuttgarter EC und als Neuling Landesliga-Meister 1. CfR Pforzheim in der Spielklasse.

Duhamel bastelt am Kader

.Völlig unklar ist weiterhin, ob für die Rhinos zusätzliche wichtige Einnahmequellen aus Publikumslauf, Schulsport oder Eis-Disco im Herbst fließen und auch die Verzehrstände öffnen können. Peter Seywald setzt bezüglich der Vorkehrungen auf zwei große Ventilatoren, die in der Halle am Baden Airpark installiert sind. Mittels dieser soll ein ausreichend hoher Frischluftanteil gewährleistet sein, der eine Erregerübertragung verhindern soll. Seywald: „Das hilft uns hoffentlich weiter.“

Ungeachtet der Ungewissheiten arbeitet Neu-Coach Cedrick Duhamel eifrig am Kader. Mit jedem einzelnen Akteur der Vorsaison hat er gesprochen. Und laut Seywald klare Ansagen gemacht: „Jeder weiß bei ihm, wo er steht. Deshalb rennt jeder derzeit auch im Wald herum oder macht Krafttraining. Er erwartet viel, auch von sich selbst. Er ist der richtige Mann für uns.“ Der seit rund zehn Jahren in Gernsbach lebende Kanadier, der bis heute Topscorer des Vereins ist, hat mittlerweile auch einen Deutschkurs belegt, damit er sprachlich möglichst auch in dieser Sprache kommunizieren kann. Schließlich sind bis auf den Tschechen Martin Vachal und den Kanadier Graham Brulotte, bei dem laut Winkel „die Tendenz dahin geht, dass er nicht zu uns zurückkehrt“, nur deutsche Spieler im Kader.

Erfreut ist Seywald über die Treue der Sponsoren, von denen bislang nur zwei abgesprungen sind. „Toi, toi kann ich nur sagen. Bislang sind wir sehr zufrieden. Die regionale Verbundenheit ist wichtig für uns. Diese haben wir auch immer angestrebt.“ In der zweiten September-Woche soll am Baden-Airpark das Eis bereitet werden. Dann muss Klarheit herrschen. Seywald hat in zehn Jahren Baden Rhinos schon viele emotionale Achterbahnfahrten erlebt: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt er.

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Erstellt:
29. Juli 2020, 06:00 Uhr
Lesedauer:
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