Viele Klassiker in neuer Staatstheater-Saison

Karlsruhe (cl) – Klassiker mit Abstand: Das Badisches Staatstheater spielt derzeit online und konzentriert sich ab Herbst auf die neue Saison mit Mozart-Oper, Shakespeare-Ballett und Bachmann-Stück.

Abstandsgebot gilt auch für die neue Saison: Die Spartenleiter am Badischen Staatstheater Karlsruhe kurz nach der Vorstellung des Spielplans 2021/22 im leeren oberen Foyer.  Foto: Arno Kohlem/Staatstheater

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Abstandsgebot gilt auch für die neue Saison: Die Spartenleiter am Badischen Staatstheater Karlsruhe kurz nach der Vorstellung des Spielplans 2021/22 im leeren oberen Foyer. Foto: Arno Kohlem/Staatstheater

„Der Himmel hat aufgerissen – wir sehen Licht am Horizont.“ Mit diesem Zitat und dem Verweis auf die „vielen Baustellen“, die das Badische Staatstheater hat, eröffnete der Geschäftsführende Direktor Johannes Graf-Hauber gestern die Spielplanvorstellung für die neue Karlsruher Theatersaison ab Mitte September. Aber nicht um die enormen Kostensteigerungen beim aktuellen Sanierungs- und Neubauprojekt Staatstheater oder die anstehende Intendantennachfolge sollten im Mittelpunkt stehen – sondern allein die Kunst galt es vorzustellen. Die auch im Herbst noch unter Corona-Bedingungen zu planen ist, aber jede Menge große Klassiker der Opern-, Schauspiel- und Ballettliteratur bieten will.

Unter keinem Motto, aber der Vorgabe „Sicherheit geht vor“ werden weiterhin von allen Sparten Saalpläne mit Abstand entworfen. Auch die Künstler werden auf der Bühne mit Abstand spielen müssen. Und die Badische Staatskapelle, so betonte ihr neuer Generalmusikdirektor Georg Fritzsch, werde mit Besetzungen von höchstens 35 Musikern planen: das heiße eher Mozart-Werke auf dem Programm der acht großen Sinfoniekonzerte als Mendelssohn-Bartholdy. Für die Spielzeiteröffnung am 18./19. September wurde die Geigerin Arabella Steinbacher als Solistin der Staatskapelle engagiert.

Opern-Start mit Mozarts „Gärtnerin“

Mit der „Mutter aller Mozart-Opern“ – „Die Gärtnerin aus Liebe“ – eröffnet die Oper im Großen Haus unter Direktorin Nicole Braunger am 23. Oktober ihren Spielplan, der trotz unsicherer Besetzungsgrößen im Orchestergraben und verschärften Abstandsgeboten für die Sänger kaum Wünsche an die Klassiker der Opern- und Operettenliteratur offen lässt. Von der Kalman-Operette „Gräfin Mariza“ (11.12.) bis zur neuen „Salome“ von Richard Strauss (14.5.22) und Verdis Oper „Aida“ (26.6.22) – wie Braunger sagte, „ohne Elefanten“, aber trotzdem mit orientalischem Flair auf der Bühne – reicht das Angebot der sieben großen Premieren. Die in diesem Jahr noch ausgefallenen Händelfestspiele (18.2.-2.3.22) sollen mit der Premiere des Musikdramas „Hercules“ am 18. Februar 2022 starten. Auch die Puccini-Oper „Gianni Schicchi“, die gerade ihre Online-Premiere feierte, wird zum 3. Oktober aufgenommen.

Heiterer Auftakt fürs Ballett

Dank eines regelmäßig auferlegten Testkonzepts eröffnet das Badische Staatsballett seinen Premierenreigen mit einer neuen Choreografie von Direktorin Bridget Breiner zur Shakespeare-Komödie „Was ihr wollt“ am 13. November. Breiners mehrmals verschobene Interpretation von Friedrich Schillers Tragödie „Maria Stuart“ um die erbittert geführte Königinnen-Konkurrenz zwischen Elisabeth von England und Maria von Schottland kommt am 24. April 2022 heraus. „Movers & Shakers“, ein Ballettabend mit Choreografien von David Dawson, (28.5.22.), wird die Entwicklung des Tanzes im 20. Jahrhundert nachvollziehen. Junge Choreografen sollen wiederum in „Zukunft Choreografie“ (17.10.) eine Chance erhalten. Zu Weihnachten gibt es wieder den „Nussknacker – Eine Weihnachtsgeschichte“ in der Choreografie von Youri Vamos. Auch Jeroen Verbruggens „Feuervogel“-Choreografie, die vor rund einem Monat im Livestream Premiere gefeiert hat, wird in den neuen Spielplan mit dem dritten Akt von Tschaikowskys „Dornröschen“ aufgenommen (ab 23.1.22). Die einstmalige Ballettwoche heißt künftig „Aufgefächert“, das Festival für den Tanz läuft vom 1. bis 3. Juli 2022 aber viel kürzer.

Zusammen mit der Volkstheater-Sparte bringt das Ballett das Projekt „Alles tanzt! Halbstark“ mit jungen Männern am 26. Juni 2022 heraus – dann steht die Männlichkeit im Fokus.

Schauspiel bevorzugt Autorinnen

Schauspieldirektorin Anna Bergmann reagiert auf die derzeit nicht nur am Badischen Staatstheater, sondern generell im Theaterbetrieb viel diskutierte, als nicht mehr zeitgemäß empfundene Machtfülle, die ein Intendantenposten auf sich vereint: In Karlsruhe soll das Schauspielensemble am neuen Leitungsmodell beteiligt werden. „Wir wollen für die Zukunft demokratische Strukturen am Theater entwickeln“, sagte Bergmann gestern. Sichtbares Signal soll das „Studio der Zukunft“, ein Abend mit kleinen Shows, Stücken und Monologen, zum Spielzeitauftakt am 18. September bieten. Bergmanns erste eigene Inszenierung der Saison ist Christa Wolfs Stück „Medea Stimmen“ (1.10.) gewidmet. Die Frauenförderung am Schauspiel, begonnen bereits vor zwei Saisons mit der Verpflichtung von Regisseurinnen, fokussiert sich nun auf Autorinnen: Zu sehen Ingeborg Bachmanns „Der gute Gott von Manhattan“ (3.12.), die Theaterfassung von Maren Ades Film „Toni Erdmann“ (28.12.), die deutsche Erstaufführung der Szenensammlung „Blank“ von Alice Birch sowie George Sands „Gabriel“ (14.4.22). Nur der derzeit viel gespielte Dramatiker und Jurist Ferdinand von Schirach mit dem Drama „Gott“ und Bestseller-Autor Jonathan Safran „Wir sind das Klima!“ (15.10.) haben es zwischen die Autorinnen-Riege geschafft.

Bis dahin gilt der Online-Spielplan

„Erste Öffnungsschritte des Landes priorisieren Veranstaltungen im Außenbereich – wir sind ein Haus, das in den Spielstätten spielt“, erklärte der Geschäftsführende Direktor des Staatstheaters, Graf-Hauber, gestern auf die Frage nach möglicher Öffnung noch in der laufenden Spielzeit. Vorerst soll der Online-Spielplan mit den noch anstehenden Premieren von „Wenn nicht wir, wann dann“ heute Abend und „Fräulein Julie“ an Pfingstsamstag (21.5.) gelten. Ob bis zu den Theaterferien in neun Wochen doch noch ein Angebot gemacht werden könne, sei offen.

Neue Wege ins Staatstheater

Zum Start der neuen Saison am 18. September soll auch das neue Entree in Betrieb gehen, mit Abendkasse, Garderoben und einer kleinen Gastronomie. Die Tageskasse mit dem Vorverkauf wird im K.-Punkt eingerichtet. Auch die Tiefgarage habe bis dahin eine neue Ein- und Ausfahrt.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

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Erstellt:
19. Mai 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 34sec

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