Viele Kuriositäten beim Unimog-Museum

Gaggenau (galu) – Unimog in allen Größen, Formen und Farben haben sich – der anhaltenden Corona-Pandemie zum Trotz – zum alljährlichen Weltenbummler-Treffen am Unimog-Museum getroffen.

Karl-Heinz und Birgit Pfrommer aus Mühlacker sind mit ihrem Unimog U 416 aus dem Jahr 1977 auch schon durch Island getourt. Foto: Lukas Gangl

© galu

Karl-Heinz und Birgit Pfrommer aus Mühlacker sind mit ihrem Unimog U 416 aus dem Jahr 1977 auch schon durch Island getourt. Foto: Lukas Gangl

„Hier kann man den Imagewandel des Unimog einfach wunderbar beobachten: Weg vom Arbeits- und Militärfahrzeug, hin zum Fahrzeug für Abenteuer und Entdeckungen“, weiß Hildegard Knoop, Geschäftsführerin des Museums. Sie ist froh, dass das Treffen stattfinden kann – als eine der wenigen Zusammenkünfte für Unimog-Begeisterte überhaupt in diesem Jahr. Die 80 Stellplätze waren innerhalb weniger Stunden ausgebucht, dank der günstigen Inzidenzwerte konnte Knoop um 20 Plätze erhöhen – auch die waren in kürzester Zeit vergeben.

„Viele Stammgäste, aber auch wieder einige neue Gesichter“, freut sie sich über die 100 Unimog aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden. Die Stimmung bei den rund 600 Besuchern pro Tag hat sie als durchweg positiv und begeistert wahrgenommen – nicht zuletzt dank des weitgehend guten Wetters. Im Großen und Ganzen herrscht fast Normalität auf dem Treffen, von Corona-Schutzmaßnahmen abgesehen.

Normalerweise stellt Daimler noch zwei Fahrzeuge für Parcoursfahrten bereit, die zwei Unimog befinden sich jedoch im Katastropheneinsatz in Ahrweiler.

Sechs Meter hoher Aufbau

Bereits zum dritten Mal dabei sind Irina Schwarz und Michel Mongeville mit ihrem U 1300 L von 1994. Das Fahrzeug war bei der Schweizer Armee, bevor es privat aufgekauft wurde. Während der Vorbesitzer bereits in Namibia und der Sahara damit unterwegs war, können Schwarz und Mongeville coronabedingt bisher nur auf Fahrten nach Kroatien zurückblicken. Bei ihrem ersten Treffen waren die beiden noch mit einem Landrover Defender vor Ort, kurz darauf hatten sie einen schweren Unfall – wirtschaftlicher Totalschaden.

„Also haben wir die Chance genutzt und eine Nummer vergrößert“, erzählt Schwarz lachend. Denn im Vergleich zum Landrover kann man im Unimog „auch mal drei Tage Dauerregen aushalten“. Gleich im ersten Urlaub gab es Probleme: eine kaputte Windschutzscheibe und ein Kupplungsschaden haben den Ausflug deutlich kürzer gestaltet als geplant. Obwohl die beiden in Österreich wohnen, hat der Unimog eine deutsche Zulassung. „Der österreichische TÜV macht uns da ganz schön Probleme, dagegen war es in Deutschland richtig einfach, eine Zulassung zu bekommen“, erläutert die 28-Jährige. Das nächste Projekt steht schon an: Da das Paar mittlerweile zwei Hunde hat, muss zeitnah ein größeres Führerhaus her. Im September soll es dann wieder auf Reisen gehen. Wohin werden die beiden spontan entscheiden, je nachdem, was die Pandemie erlaubt. Schwarz verrät aber ihr Wunschziel: Marokko.

Ein wahrer Hingucker ist der Unimog U 1750 L von Sjef und Lisette Rommens aus Gilze in den Niederlanden: Ausgefahren ist der Aufbau ihres Gefährts immerhin stolze sechs Meter hoch. Die beiden sind zum sechsten Mal dabei, beim ersten Mal noch mit einem Agrar-Unimog. Mit dem jetzigen Fahrzeug fahren sie nur noch auf Treffen; der Erstbesitzer war vor rund 20 Jahren hauptsächlich in Afrika unterwegs. „Wir sind verrückt nach Unimog“, scherzen die Holländer, sie sind schon seit etwa zwei Jahrzehnten in der Szene unterwegs. Besonders froh sind sie, dass sie endlich wieder bekannte Gesichter sehen. Das Weltenbummler-Treffen dieses Jahr ist ihr „Highlight“. Mit rund 500 Kilometern hat das Paar einen der weitesten Anfahrtswege ins Murgtal.

„Wie ein Haustier, man hängt einfach dran“

Zum ersten Mal beim Treffen sind Tine Mainka und Marcel Thimm aus der Nähe von Nagold. Vor zwei Jahren haben sie das Museum besucht und das Treffen um ein paar Tage verpasst. Mit einem eigenen Gefährt sind sie noch nicht vor Ort, aber auf dem besten Weg dorthin: Mit ihrer Firma klemmstaenderbauweise bieten die beiden möglichst originalgetreue Nachbauten von Häusern, Wohnwagen und Mobilheimen an, in Zukunft sollen Unimog dazukommen.

Seit dem ersten Weltenbummler-Treffen dabei sind Karl-Heinz und Birgit Pfrommer aus Mühlacker. Lediglich das letztjährige Treffen haben sie verpasst, da sie mit ihrem U 416 mit 77er Baujahr in Island waren. Das ehemalige Feuerwehrfahrzeug aus Kärnten nennt Pfrommer seit neun Jahren sein Eigen. „Da haben sich zwei gefunden“, scherzt seine Frau. Komfort sieht anders aus, aber hergeben würden sie ihren Unimog nie wieder. „Es ist wie ein Haustier, man hängt einfach dran“, so der 63-Jährige. „Wenn man die Einsamkeit und Ruhe sucht – perfekt“, meint Birgit Pfrommer. Auch Albanien 2019 hat der Oldtimer bereits hinter sich gebracht. „Es ist nicht jedermanns Sache, man muss das schon wollen“, sagt Pfrommer.

Eine Hausnummer größer ist der MAN 5 mil von Tanja Lößnitz und Arnaldo Olnedo Knapps aus Oppenau. Zudem gibt es diese Ausführung nur 50 Mal, da das Fahrzeug einen halben Meter kürzer ist als die Standardausführung. Der Vorbesitzer sei ein wahrer Blechkünstler gewesen: Denn den Lackkoffer aus DDR-Zeiten hat dieser selbst erhöht und verlängert, die Arbeiten sind für das ungeübte Auge kaum sichtbar. Seit vier Jahren kommen die zwei nach Gaggenau, in diesem Jahr zum ersten Mal mit einem eigenen Gefährt. Das Fahrzeug hat einiges erlebt: Zuletzt war es ein Showcar in Südtirol, davor war der MAN schon Begleitfahrzeug bei der Breslau-Rallye. Der Kauf des Fahrzeugs war die Idee von Lößnitz. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, berichtet die 29-Jährige lachend. Rund 8.000 Kilometer hat das Paar mit dem Gefährt in den vergangenen zwei Jahren gemacht, ursprünglich war eine Weltreise geplant. Doch es kam alles anders, nicht nur durch Corona. „Wir haben quasi unsere Traumjobs gefunden über die Pandemie. Da fehlt dann jetzt einfach die Zeit“, meint Knapps. Folglich werden sie ihr Fahrzeug „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ verkaufen müssen. Zum Weltenbummler-Treffen wollen die beiden aber auch in Zukunft kommen.

Weiterer Artikel zum Weltenbummler-Treffen.

Beitrag zu den Erweiterungsplänen des Unimog-Museums.

Tanja Lößnitz und Arnaldo Olnedo Knapps aus Oppenau mit ihrem militärischen Ungetüm von MAN. Foto: Lukas Gangl

© galu

Tanja Lößnitz und Arnaldo Olnedo Knapps aus Oppenau mit ihrem militärischen Ungetüm von MAN. Foto: Lukas Gangl


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.