Viele Raser in Neusatz unterwegs

Bühl (mf) – Der Bühler Stadtteil Neusatz hat ein großes Verkehrsproblem und eine harte Nuss zu knacken: Es wird viel zu schnell gefahren.

Nicht jeder reagiert auf den „Smiley“ in Neusatz: Viele Autofahrer drosseln die Geschwindigkeit nicht. Foto: Martina Fuß

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Nicht jeder reagiert auf den „Smiley“ in Neusatz: Viele Autofahrer drosseln die Geschwindigkeit nicht. Foto: Martina Fuß

Doch wie kann die Forderung nach mehr Geschwindigkeitskontrollen durchgesetzt werden? Im Ortschaftsrat wurde darüber lebhaft und durchaus auch mit Empörung diskutiert.

Dominik Merz (FW) stellte in der Sitzung des Ortschaftsrats in Vertretung von Vorsteher Hans-Wilhelm Juchem die Auswertung der Geschwindigkeitsmessungen vor. Die Ergebnisse haben bestätigt, was die Einwohner längst wussten: In Neusatz sind Raser unterwegs – und zwar sowohl bergwärts als auch talwärts.

Spitzengeschwindigkeit: 137 Stundenkilometer

Spitzengeschwindigkeit am „Schelmenloch“ beim Ortsausgang Richtung Ottersweier: Unglaubliche 137 Stundenkilometer. Gemessen wurde dies nicht etwa nachts, sondern am 10. September zur Mittagszeit, dann, wenn Schulkinder nach Hause gehen und die Straße überqueren. Dabei ist diese Geschwindigkeit nicht etwa ein Einzelfall. Am 21. September wurden 135 Stundenkilometer gemessen, in den Tagen darauf und zu verschiedenen Tageszeiten kam es mehrfach zu Geschwindigkeiten über 100 Stundenkilometern. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 53 Stundenkilometer und 85 Prozent fahren 60 oder langsamer.

„Ein Alarmzeichen“, sagt Johannes Rettig von der Arbeitsgruppe Verkehr, der unzählige Daten des Smileys, nämlich 109.439 Messungen in ehrenamtlicher Arbeit ausgewertet und mittels Diagrammen visualisiert hat. Der Wert dürfe nicht über 50 liegen, erklärte er in der Sitzung des Ortschaftsrats.

Nicht besser sieht es in der Drei-Tore-Straße in Richtung Lauf aus, wo Tempo 30 vorgeschrieben ist und täglich über 1.000 Fahrzeuge durchrollen. Spitzengeschwindigkeiten von knapp 70 Stundenkilometern werden dort gefahren. Die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt 36 Stundenkilometer, 85 Prozent aller Fahrzeuge fahren 44 Stundenkilometer oder langsamer.

Schließlich der Ortsausgang bei der Omerskopfstraße, wo das Gerät nicht funktioniert hat und daher nur die Messung von einem Tag, diese Woche von Montag bis Dienstag, vorliegt. „Auch das negativ beeindruckend“, so Merz, „269 Messungen, Durchschnittsgeschwindigkeit 57, 85 Prozent fahren 72 oder weniger, Spitzengeschwindigkeit in den Ort hinein 112, zum Ort hinaus 85 Stundenkilometer.“ Diese Geschwindigkeiten seien am Dienstagvormittag gemessen worden.

Stadt Bühl in die Pflicht nehmen

Besonders enttäuschend war für die Ortschaftsräte eine andere Auswertung, die der Smiley technisch durch eine zweite Messung ermöglicht. Von 1.117 Fahrzeugen, die über 71 fuhren, reagierten nur 18 auf den Smiley so, dass sie anschließend mit den erlaubten 50 Stundenkilometer weiterfuhren, 417 Fahrzeuglenker blieben aber stur bei der überhöhten Geschwindigkeit oder gaben sogar noch Gas. An allen Messpunkten wird zu schnell gefahren, egal ob per Smiley oder Daten-Erfassungsgerät überprüft. Ob die Geräte nun geeicht oder ob eine prozentuale Messungenauigkeit vorliegt, für die Ortschaftsräte spielt das angesichts der hohen Geschwindigkeiten keine Rolle. Sie sehen hier eine große Gefahr für die Bürger und fordern daher Unterstützung durch die Stadt Bühl. „Plus oder minus drei Prozent ist doch egal, es wird insgesamt viel zu schnell gefahren“, empörte sich Manfred Kist (FW).

Hoffnungen auf Besserung durch den neuen Bußgeldkatalog sind zwar vorhanden, aber Hubert Oberle (CDU) glaubt nicht daran: „Wenn nicht mehr kontrolliert wird, bringen die höheren Bußgelder gar nichts. Oder aber wir brauchen an den Ortseingängen Fahrbahnteiler“, so eine andere Idee. Helmut Krampfert (SPD) wandte sich an Ortschaftsrat Franz Fallert (FW) mit der Bitte, sich in seiner Funktion als Gemeinderat für mehr Kontrollen in Neusatz einzusetzen. „Wir müssen da massiv hinterher sein, mit Nachdruck die Kontrollen fordern und auch die Bürger mit ins Boot nehmen.“ Einig waren sich die Ortschaftsräte, dass ein einziger „Enforcement Trailer“, ein Blitz-Anhänger zur autonomen Geschwindigkeitsmessung, für das ganze Stadtgebiet nicht ausreichend sei. Die Argumente „Es gibt nicht nur Neusatz“ oder „der Einsatz lohnt sich nicht in Neusatz“ wollen die Ortschaftsräte nicht mehr hören und auch nicht mehr gelten lassen.

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Erstellt:
11. November 2021, 11:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 48sec

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