„Viele wissen nicht, ob sie die Krise überstehen“

Rastatt (dm) – Tag eins der verschärften Landesverordnung zur Eindämmung des Coronavirus’ hat in Rastatt mit Wirrungen begonnen. Derweil sorgen sich Unternehmen, ob sie die Krise überhaupt überstehen.

Am Vortag saoen die Menschen in der Eisdiele noch dicht gedrängt, jetzt geht nichts mehr. Melcher

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Am Vortag saoen die Menschen in der Eisdiele noch dicht gedrängt, jetzt geht nichts mehr. Melcher

Wirrungen um die Landesverordnung zur Eindämmung des Coronavirus: Gestern Morgen hatten zunächst einige lokale Einzelhändler in der Barockstadt trotz des für sie geltenden Verbots ihre Pforten geöffnet – die Nachricht über die neue, verschärfte Verordnung, die spät am Vorabend erlassen worden war, habe sie noch nicht erreicht, wie City-Manager Johannes Flau zu hören bekam. Dieser ging am Vormittag durch die Stadt, um die Geschäfte zu informieren. Dabei sei er überwiegend auf Verständnis, aber auch Verunsicherung gestoßen. Auch am frühen Nachmittag ergab sich noch kein einheitliches Bild: Die eine Eisdiele hatte ganz geschlossen, die andere nur innen, verkaufte aber nach außen noch, samt Sitzangebot im Freien (tatsächlich ist dies so wohl erlaubt). Doch es gibt weitere Graubereiche: Sind ein Optiker oder ein Fotostudio (mit Verkauf) als Einzelhandelsgeschäft oder Dienstleister einzustufen? Auf Letzteres beriefen sich Rastatter Unternehmer dieser Branchen mit Hinweis auf die Handwerkskammer. Sie wurden gleichwohl aufgefordert zu schließen. Laut Ordnungsamt müssen Optiker im Prinzip dichtmachen, dürfen aber weiterhin Termingeschäfte betreiben, erläuterte Flau am Nachmittag auf Nachfrage des BT. So tat dies gestern bereits ein Optikergeschäft, während andere schlossen und ein weiteres zunächst noch offen hatte. Der Ordnungsdienst sei unterwegs, um die Lage mit Betreibern vor Ort zu regeln. Hinzu kommt, dass die Speisegaststätten, die unter bestimmten Umständen noch betrieben werden dürfen, nach neuer Verordnung jetzt spätestens um 18 Uhr schließen müssen.

Appell: Lieferservice vor Ort wählen

Offen bleiben dürfen (wie berichtet): Einzelhandel für Lebensmittel, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken und Sparkassen, Poststellen, Friseure, Reinigungen, Waschsalons, Zeitungsverkauf, Bau-, Gartenbau- und Tierbedarfsmärkte sowie Großhandel, Hofläden und Raiffeisenmärkte.

Die Stadtverwaltung Rastatt will am Donnerstag bei einem Pressegespräch im Ratssaal – der entsprechende Sicherheitsabstände ermöglicht – einen Einblick geben, wie sie mit der Krise umgeht, unter anderem, welche ordnungsrechtlichen Maßnahmen sie umsetzt. So sollen in den nächsten Tagen etwa auch Spielplatzkontrollen anlaufen.

Im Gewerbeverein RA³ geht derweil die Sorge um, dass die Maßnahmen der Bundesregierung zur Milderung der Folgen nicht ausreichen. Den niederschwelligen Zugang zu Kurzarbeitergeld begrüße man, doch die angebotenen Kredite sieht man skeptisch. Man könne die jetzt entstehenden Löcher nicht mit Schulden abdecken, betonte RA³-Vorsitzender Thomas Richers. Der Staat müsse vielmehr einen Hilfsfonds aufsetzen, so seine Forderung. Viele Freiberufler könnten von heute auf morgen nicht mehr arbeiten (durch die Schließung der Gerichte seien zum Beispiel auch Anwälte betroffen), viele Unternehmen wüssten nicht, ob sie angesichts von Auftragsstopps die Krise überhaupt überstehen. Richers’ Appell an Kunden: Erst mal schauen, ob der Händler vor Ort einen Lieferservice anbietet, ehe man zu Amazon greift.

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Erstellt:
18. März 2020, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 22sec

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