Neue Coronafälle in der Region

Baden-Baden/Rastatt (fuv/hös/for/dpa) - Im Stadtkreis Baden-Baden und im Landkreis Rastatt mehren sich die Coronafälle. Laut Landratsamt Rastatt sind im Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsamtes sechs weitere Personen positiv getestet worden.

Hier geht´s lang: Der Wegweiser in der Klinik Balg. Foto: Frank Vetter/BT

Hier geht´s lang: Der Wegweiser in der Klinik Balg. Foto: Frank Vetter/BT

Damit summiert sich die Zahl der Coronafälle in Mittelbaden auf mittlerweile zehn. Die zwei Infizierten im Stadtkreis Baden-Baden und die acht Infizierten im Landkreis Rastatt sind nach Angaben des Gesundheitsamtes vom Dienstag bislang in häuslicher Quarantäne und befinden sich in einem stabilen Allgemeinzustand. Die Ermittlung der Kontaktpersonen läuft auf Hochtouren. Der Landkreis Rastatt und der Stadtkreis Baden-Baden haben bereits am Wochenende über vier bestätigte Coronafälle informiert. Wie Mercedes-Benz auf BT-Nachfrage mitteilt, sind auch mehrere Mitarbeiter im Rastatter Werk betroffen.

Zuerst hatten die Behörden am Samstag mitgeteilt, dass ein Ehepaar aus Bühl und ein Mann aus Baden-Baden positiv auf den Erreger getestet wurden. Alle drei waren zuvor in Südtirol. Die vierte infizierte Person habe sich bei einem der drei angesteckt, wie am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz des Landkreises Rastatt und des Stadtkreises Baden-Baden bestätigt wurde. Am Dienstag bestätigte Mercedes-Benz auf BT-Anfrage, dass mehrere Beschäftigte aus dem Werk Rastatt ebenfalls erkrankt seien.

Wie das BT bei einer Stippvisite in der Corona-Ambulanz des Klinikums Mittelbaden in Balg erfuhr, wurde der Baden-Badener am Freitagabend positiv auf den Erreger getestet. Gleich am Eingang zum Wartezimmer der Corona-Ambulanz steht der Tisch mit den mittlerweile fast weltweit begehrtesten medizinischen Utensilien: Ein Spender für Hand-Desinfektionsspray und ein Karton mit Mundschutz. Im Wartezimmer sitzen eine Frau und ihr Sohn. Sie wurden gerade auf das Virus getestet. Der Grund: Bei ihrem Mann zeigte der Test, dass er positiv ist. Er sitze Zuhause in Quarantäne, erzählt die Frau. Sie seien in den Fasnachtsferien in Südtirol gewesen, und nach der Rückkehr habe ihr Mann Beschwerden bekommen. „Husten und Kopfschmerzen. Wie bei einer Kopfgrippe“, vergleicht sie die Symptome. Nun müssten sie halt auf die Ergebnisse warten. Mit dem Gesundheitsamt hätten sie bereits Kontakt gehabt. Soweit sei alles erledigt. Sorgen in medizinischer Hinsicht mache sie sich nicht. „Wir sind gesund und keiner leidet unter einer Risiko-Erkrankung.“ Bedenken hat die Frau ein wenig wegen der Mitmenschen. Schnell könne man geächtet werden.

Blick ins Foyer des Klinikums.Frank Vetter/BT

Blick ins Foyer des Klinikums.Frank Vetter/BT

Vier Fälle in Stadt- und Landkreis

Wie die Stadt Baden-Baden gemeinsam mit dem Landkreis Rastatt am Montag bekannt gab, befinden sich alle Betroffenen in einem „stabilen Allgemeinzustand“ und seien in häuslicher Quarantäne. Das zuständige Gesundheitsamt stehe mit den Betroffenen in engem Austausch. Mögliche Kontaktpersonen werden demnach ermittelt. 29 Kontaktpersonen befinden sich mittlerweile in häuslicher Quarantäne. Wie am Montag die Firma Schaeffler mitgeteilt hat, sei ein Mitarbeiter am Standort Bühl erkrankt. Die betroffene Person sei aber seit dem 27. Februar krankgemeldet und seitdem nicht mehr im Unternehmen gewesen. Bisher zeigten keine weiteren Kollegen Symptome, teilte Schaeffler mit.

In Baden-Württemberg stieg die Zahl der Infizierten nach offiziellen Angaben vom Landessozialministerium bis zum späten Dienstagnachmittag auf insgesamt 277. 45 neue bestätigte Covid-19-Fälle wurden demnach gemeldet. Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen sollen verboten werden. Es werde eine bindende Verordnung auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes auf den Weg gebracht, kündigte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) am Dienstag in Stuttgart an. Für die Kommunen werde diese „als verbindliche Leitlinie dienen“, sie müssen sich laut Ministerium an das Verbot halten. Die Landesregierung folgt damit anderen Bundesländern wie Bayern und Nordrhein-Westfalen, die bereits Verbote ausgesprochen oder angekündigt hatten. Der Beschluss wird vor allem den Sport, Messen und die Kultur hart treffen, aber auch das Handwerk und den Tourismus. Mit dem Verbot sollen die Infektionsketten unterbrochen werden, wie Lucha mitteilte. Das Kabinett werde die Rechtsverordnung im Laufe der kommenden Tage beschließen, sagte sein Sprecher. Weitere Details nannte er nicht.

Corona-Ambulanz eingerichtet: Vor Besuch anrufen

Wegen der verschärften Lage hatte auch das Klinikum Mittelbaden in Balg eine zentrale Corona-Ambulanz für den Landkreis Rastatt und den Stadtkreis Baden-Baden eingerichtet. Diese bleibt auch in der kommenden Woche weiter in der Zeit von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Zielgruppe der Ambulanz sind laut dem Klinikum Personen, die sich in Risikogebieten (laut Vorgaben des Robert-Koch-Institutes) aufgehalten haben und Anzeichen einer Erkrankung verspüren. Dazu zählen laut dem baden-württembergischen Sozialministerium etwa Fieber, Muskelschmerzen, Husten, Schnupfen oder Durchfall. Das Klinikum rät, vor einem Besuch per Telefon Kontakt zum Hausarzt oder der Hausärztlichen Notfallambulanz (Telefon 116 117) aufzunehmen.

Eingeschränktes Besuchsverbot

Außerdem gilt ab Montag an den Klinikstandorten des Klinikums Mittelbaden in Balg, Bühl, Rastatt, Forbach und Ebersteinburg zum Schutz der Patienten, Besucher und Mitarbeiter ein eingeschränktes Besuchsverbot. Das Klinikum bittet darum, aktuell Besuche am Krankenbett auf eine Person (Verwandte des ersten Grades) zu begrenzen. Kinder unter 18 Jahren sollten auf Besuche verzichten. Grund dafür ist, wie das Gesundheitsamt am Montag informierte, dass bei jüngeren Menschen häufig keine Symptome auftreten. Diese seien dann aber dennoch ansteckend und könnte andere Menschen mit dem Coronavirus infizieren. Auch in der Region traten erste Infektionen auf, beispielsweise bei einem Schüler in Ettlingen. Er war zuvor im Skiurlaub in Südtirol gewesen.

Absagen in der Region

Wegen der Gefahr einer Ansteckung sind inzwischen auch mehrere Veranstaltungen abgesagt worden. Beispielsweise hat das Klinikum Mittelbaden zum Schutz der Patienten, Pflegegäste und Mitarbeiter Veranstaltungen wie etwa Vorträge, Kurse oder Beratungen, die im März in den Einrichtungen des Klinikums stattfinden würden, abgesagt. Dies gilt für die Kliniken Baden-Baden Balg, Ebersteinburg, Bühl, Rastatt und Forbach sowie die Baden-Badener Pflegeinrichtungen Schafberg und Theresienheim, Haus Fichtental in Kuppenheim, das Martha-Jäger-Haus in Rastatt, das Erich-Burger-Heim in Bühl und die Pflegeeinrichtung Hub in Ottersweier.

Auch die Messe Karlsruhe hat am Montag die Inventa sowie die Rendez-Vino, die vom 13. bis 15 März stattfinden sollten, abgesagt. Die Stadt Achern sagte ebenfalls alle größeren Frühlingsveranstaltungen in der Stadt ab. OB Klaus Muttach erklärte am Montag bei der Verabschiedung des Acherner Doppelhaushalts im Gemeinderat das Vorgehen der Stadtverwaltung im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Coronavirus. Betroffen sind etwa der Bauernmarkt am 21. März, der Geschirrflohmarkt „Tasse sucht Teller“ am 4. und 5. April sowie der Kirschblütenzauber in Mösbach am 5. April. Auch Großveranstaltungen in Freiburg im Breisgau wurden am Dienstag behördlicherseits untersagt.

Ganz Italien wird zur Sperrzone

Besonders hart trifft es aber Italien: Seit Dienstag sollen wegen der Coronavirus-Ausbreitung die rund 60 Millionen Einwohner möglichst zu Hause bleiben. Die Regierung in Rom hatte am Montagabend die zuvor im Norden des Landes verhängten Sperrungen auf das ganze Land ausgedehnt. Wie das Robert-Koch-Institut am Dienstag erklärte, wird nun ganz Italien zum Risikogebiet erklärt. Für Die Menschen dürfen nach den neuen Regeln nur aus wenigen Gründen ihr Haus verlassen. Als Ausnahmen gelten Einkaufen, wenn man zur Arbeit muss, Arztbesuche oder die Hilfe alter oder kranker Verwandter. Das Besuchen von Freunden oder Spaziergänge in anderen Orten sind untersagt. Kinos und Theater sind landesweit geschlossen. Läden, Bars und Restaurants haben nur eingeschränkt geöffnet. Die Schließung aller Schulen, Universitäten und Kindergärten im ganzen Land wurde von Mitte März auf mindestens Anfang April verlängert. Das Land kämpft seit Wochen vergeblich gegen die rapide steigende Zahl von Infizierten und Toten durch die Covid-19-Lungenkrankheit. Mittlerweile haben sich fast 10 000 Menschen angesteckt, mehr als 460 sind gestorben. Weitere Risikogebiete liegen in China, Iran und Südkorea.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rief die Bürger dazu auf, Corona-Risikogebiete zu meiden. Auf nicht notwendige Reisen in besonders betroffene Regionen in Italien, aber auch in Nordrhein-Westfalen sollte man verzichten. Die Grenzen in der Europäischen Union sollten aber offen bleiben. Er appellierte auch an die Bürger, sich nicht mit Masken oder Schutzkleidung einzudecken, sondern diese für Ärzte und Pflegekräfte zu lassen. Im Bereich der Schutzausstattung sowie bei Desinfektionsmitteln gibt es mittlerweile Engpässe.

Zwei Personen in Deutschland gestorben

Erstmals sind in Deutschland zwei Menschen nach Erkrankungen mit dem Coronavirus gestorben. Beide Todesfälle wurden am Montag in Nordrhein-Westfalen bekannt gegeben. Das erste Todesopfer stammt aus dem Kreis Heinsberg. Das zweite Todesopfer ist eine 89-jährige Frau aus Essen, die seit Anfang März in der dortigen Universitätsklinik behandelt wurde. Sie sei am Montagmittag an einer Lungenentzündung in Folge der Coronavirus-Infektion gestorben, wie die Stadt Essen am Montag mitteilte. Am Sonntag war bereits ein 60-jähriger Feuerwehrmann aus Hamburg in Ägypten am Coronavirus gestorben.

Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen in Deutschland iegt nach den aktuellsten Angaben des Robert Koch-Instituts vom Montag bei 1139. Besonders stark betroffen sind die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. Weltweit haben sich inzwischen mehr als 110 000 Menschen nachweislich mit dem neuen Coronavirus infiziert, die Dunkelziffer liegt Experten zufolge allerdings wesentlich höher.


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