Vier Fahrstreifen durch den Pfälzerwald

Landau/Pirmasens (vn) – Rheinland-Pfalz treibt das Fernstraßenprojekt auf der B10 voran. Naturschützer befürchten eine neue Autobahn und fordern den Stopp der Planungen.

Quer durch das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands verläuft die Trasse der Bundesstraße 10. Foto: BT

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Quer durch das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands verläuft die Trasse der Bundesstraße 10. Foto: BT

Eine Resolution gegen den weiteren Ausbau der Bundesstraße 10 durch den Pfälzerwald hat ein Bündnis aus 19 Natur- und Umweltschutzorganisationen dieser Tage veröffentlicht. Das Landesverkehrsministerium in Mainz bekräftigt derweil, dass „mit Hochdruck“ an dem Fernstraßenprojekt weitergearbeitet werde. Die B10 zwischen Pirmasens und Landau soll durchgehend vierstreifig ausgebaut sein.
Zwischen Pirmasens am Westrand des Pfälzerwalds und der Ortsgemeinde Hinterweidenthal (Kreis Südwestpfalz) ist dieser Ausbau auf 18 Kilometern bereits abgeschlossen.

Im März 2019 begannen die Arbeiten an dem 4,1 Kilometer langen Teilabschnitt zwischen der Autobahn 65 bei Landau und Godramstein. 40 Millionen Euro will der Bund bis 2026 dort verbauen. Seit Mitte 2019 fertiggestellt ist der Bereich zwischen Hinterweidenthal und Walmersbach. In wenigen Wochen sollen Planungen für weitere Abschnitte vorliegen, kündigt das Ministerium an.

„Noch ist es nicht zu spät. Die entscheidenden Abschnitte des B10-Ausbaus im größten zusammenhängenden Waldgebiet Deutschlands sind noch nicht planfestgestellt“, heißt es im Resolutionstext der 19 Organisationen. Man befürchte „de facto eine neue Autobahn für den europäischen Transitverkehr“, kritisiert die Vorsitzende des BUND-Landesverbandes, Sabine Yacoub. Bis zu 10.000 Laster täglich könnten auf dieser Magistrale unterwegs sein. Es müsse doch Ziel sein, den Schwerlastverkehr auf die Autobahnen umzulenken und das Angebot von Bus und Bahn in der Region zu verbessern. „Eine Zerschneidung dieser einzigartigen Landschaft muss vermieden werden“, lautet der Appell der Ausbaugegner, die auch das grenzübergreifende Unesco-Biosphärenreservat Pfälzerwald – Vosges du Nord in Gefahr sehen.

Im Mainzer Ministerium verweist man auf den gesetzlichen Planungsauftrag. Der vierstreifige Ausbau der B10 zwischen Landau und Hinterweidenthal ist Teil des im Jahr 2016 beschlossenen Bundesverkehrswegeplans 2030. Drei Teilstücke mit insgesamt 17,6 Kilometer Länge sind als „vordringlicher Bedarf“ ausgewiesen, die zwei verbleibenden mit zusammen 12,6 Kilometer Länge als „weiterer Bedarf mit Planungsrecht“.

Der für die Bauarbeiten zuständige Landesbetrieb Mobilität (LBM) Rheinland-Pfalz rückt konkrete Verbesserungen für Autofahrer und Anwohner in den Fokus: Neue Auf- und Abfahrten, verlängerte Spuren zum Abbiegen und Einfädeln, vier bis fünf Meter hohe Lärmschutzwände. Angesichts von rund 35.000 Autos und Lastwagen, die täglich auf der B10 unterwegs sind, seien das große Fortschritte.

Die Klimaschutzaktivistin Kaycee Hesse von Fridays for Future hat dafür wenig Verständnis, wie sie bei der Vorstellung der Resolution erläuterte: „Größere Straßen bedeuten immer auch mehr Verkehr, das ist unausweichlich.“ Nach Auffassung des Vorsitzenden der Bürgerinitiative Queichtal, Walter Herzog, seien die Kerbtäler im Pfälzerwald ungeeignet, „um da eine Autobahn durchzubügeln“.

Die Resolution der Ausbaugegner hat die Bürgerinitiative „B10 4-Spuren jetzt“ auf den Plan gerufen, die die Argumente der anderen Seite für unzutreffend hält. Vor allem kollidiere der Ausbau der Bundesstraße nicht mit dem Entwicklungskonzept des Biosphärenreservats, wenn er der heutigen Trasse folge. Der Bezirksverband für die Pfalz, der über das Biosphärenreservat wacht, habe nahezu einstimmig den B10-Ausbau befürwortet, so die Initiative.

Ob die Planung ein weiteres Mal auf den juristischen Prüfstand gestellt wird, darf bezweifelt werden. Nach zwei gescheiterten Mediationsverfahren 2005 und 2013 wies das Oberverwaltungsgericht Koblenz im Juli 2015 eine Klage gegen die Planfeststellung zwischen Landau und Godramstein ab.

Großbaustelle: Zwischen Landau und Godramstein werden seit 2019 die bislang zwei auf künftig vier Fahrstreifen erweitert. Foto: Landesbetrieb Mobilität Rheinland Pfalz

Großbaustelle: Zwischen Landau und Godramstein werden seit 2019 die bislang zwei auf künftig vier Fahrstreifen erweitert. Foto: Landesbetrieb Mobilität Rheinland Pfalz

Ihr Autor

BT-Redakteur Volker Neuwald

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Erstellt:
21. April 2022, 13:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 34sec

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