Vier Fragen an Bully Herbig zum Tod im Film

München (dpa) – Der Tod als arme Seele, der sich auch mal nach Gesellschaft sehnt – so sieht Michael Bully Herbig seine Rolle in dem Film „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“. Wir haben nachgefragt.

„Ich glaube, dass Humor ganz stark dabei hilft, mit schwierigen Situationen klarzukommen“, sagt Schauspieler und Regisseur Michael Bully Herbig. Foto: Tobias Hase/dpa

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„Ich glaube, dass Humor ganz stark dabei hilft, mit schwierigen Situationen klarzukommen“, sagt Schauspieler und Regisseur Michael Bully Herbig. Foto: Tobias Hase/dpa

Die Komödie „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ war das letzte gemeinsame Projekt von Joseph Vilsmaier und Michael Bully Herbig. Dass Vilsmaier während der Dreharbeiten sterbenskrank war, wusste während des Drehs fast niemand. Umso größer der Schock, als die Schwere seiner Krankheit bekannt wurde und Vilsmaier Anfang 2020 starb, nachdem er bis zuletzt am Film gearbeitet hatte. Im Gespräch mit Cordula Dieckmann erinnert sich Herbig an diese besonderen Dreharbeiten. Zu sehen ist der Film bei Amazon Prime.

BT: Herr Herbig, wussten Sie während des Drehs, dass Joseph Vilsmaier schwer krank war und bald sterben würde?
Michael Bully Herbig: Antwort: Wenn wir das gewusst hätten, wären wir befangener gewesen. Diese Leichtigkeit, mit der wir durch diesen Dreh gegangen sind, der Spaß und diese Freude daran, mit dem Thema Tod umzugehen – das wäre ganz anders gewesen, wenn Joseph uns gesagt hätte, dass es ihm nicht so gut geht und dass er nicht mehr so viel Zeit hat. Es war eine wunderbare Zeit, er hat das durchgerockt. Es gab einen Moment in der Vorbereitung, bei dem ich stutzig wurde. Er wurde einmal kurz wehmütig und hat unter vier Augen gesagt, „Bully, du musst mir versprechen, wenn mit mir was sein sollte beim Dreh, dann musst du den Film fertig machen“. Ich wusste erst gar nicht, was ich sagen soll, hab‘ ihn dann einfach in den Arm genommen und gesagt, „Hör auf, das machst du schon!“. Ich habe es gedanklich so verortet: Er ist 80 und es kann ja immer irgendwas sein.

BT: Der Film hat eine tröstliche Botschaft - immerhin führt der Weg in den Himmel über die Berge, im Paradies gibt es barocke Kirchen und es wird bairisch gesprochen. Wie gefällt ihnen dieses Bild?
Herbig: Ich mag die Vorstellung, dass es so ist. Ich habe durch meine Rolle als Boandlkramer in „Die Geschichte vom Brandner Kaspar“ schon vor Jahren die Möglichkeit gehabt, mich mit dem Tod auseinanderzusetzen. Ich parodiere den Tod nicht, ich interpretiere ihn. So stelle ich ihn mir vor. Das Schöne ist, dass mir keiner sagen kann, so ist es nicht. Das soll mir erst mal einer beweisen.

BT: Und wie sehen Sie den Tod?
Herbig: In meinen Augen ist der Boandlkramer eine arme Seele, die sich auch mal nach Gesellschaft sehnt. So eine Rolle zu spielen, macht auch Spaß. Da vergisst man, dass man den Tod darstellt, denn die Figur ist auch ein Sympathieträger. Ich glaube, dass Humor ganz stark dabei hilft, mit schwierigen Situationen klarzukommen. Die Auseinandersetzung mit dem Tod ist schon ein Stück weit die Königsdisziplin – wenn man ein Thema, das jeder gerne verdrängt, in den Mittelpunkt stellt und die Leute damit zum Lachen bringt.

BT: Können Sie sich vorstellen, dem Boandlkramer noch einen dritten Film zu widmen?
Herbig: Ich war nie ein großer Fan von Fortsetzungen. Aber der Boandlkramer, das ist eine endlose Geschichte, im wahrsten Sinne des Wortes. Das kann man schon noch weitertreiben. Ich mein, der Boandlkramer ist ja nur die bayerische Variante. Es gibt bestimmt eine Variante für den Sachsenhimmel oder den Schwabenhimmel. Vielleicht muss man die alle mal zusammenpacken, dann hat man sowas wie die Avengers!

Vier Fragen an:“ ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.

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Erstellt:
16. Mai 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
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