Vier Fragen an Oliver Ehret von „Pulse of Europe“

Baden-Baden (kli) – Vor der „Pulse of Europe“-Aktion am heutigen Europatag um 17 Uhr, hat BT-Redakteur Dieter Klink dem Mitorganisator Oliver Ehret vier Fragen gestellt.

Oliver Ehret, Mitbegründer der „Pulse-of-Europe“-Bewegung in Baden-Baden. Foto: Robert Heimann

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Oliver Ehret, Mitbegründer der „Pulse-of-Europe“-Bewegung in Baden-Baden. Foto: Robert Heimann

Am Sonntag, dem Europatag, soll es nach längerer Zeit der Corona-bedingten Abstinenz mal wieder eine Aktion der Bewegung „Pulse of Europe“ in Baden-Baden geben. Im Mittelpunkt der Veranstaltung um 17 Uhr vor dem Theater stehen die sechs neuen Grundrechte, die der Schriftsteller Ferdinand von Schirach in seinem Buch „Jeder Mensch“ formuliert. Über die Aktion sprach BT-Redakteur Dieter Klink mit dem Mitorganisator Oliver Ehret (54). Er ist Jurist und Mitbegründer der „Pulse-of-Europe“-Bewegung in Baden-Baden.

BT: Herr Ehret, wir sind alle pandemiemüde. Wieso sollten wir gerade jetzt einen Schritt weiter Richtung Europa gehen?
Oliver Ehret: Sicher sind wir alle müde. Aber nur, weil wir die Nase voll haben von Corona, den Einschränkungen und viele Angst haben um ihre berufliche Zukunft, können wir uns doch nicht tot stellen oder uns einigeln. Europa wird von vielen Menschen zu bürokratisch und technisch empfunden, zu wenig menschlich, und daran sollten wir etwas ändern.

BT: Inwieweit hat Corona auch „Pulse of Europe“ ausgebremst?
Ehret: Corona hat uns erheblich ausgebremst. Gerade hat die vierte Runde unserer Hausparlamente begonnen. Das bedeutet: Menschen laden ein und diskutieren Themen zu Europa. Die Ergebnisse werden dann gesammelt und den Europaparlamentariern übermittelt. All dies im Moment nur online. „Pulse of Europe“ lebt aber von der Begegnung mit Menschen, von der Diskussion, dem Miteinander und auch vom Streit. Der Kontakt zu Menschen auf unseren Veranstaltungen ist die DNA der Bewegung. Sonntags um 14 Uhr auf den Plätzen der deutschen Städte, das wurde zu unserem Markenzeichen. Wir konnten schon viele Monate keine solchen Veranstaltungen abhalten, den Menschen nicht Ideen liefern und auch nicht von den Vorteilen eines einigen Europas berichten. Das hält unsere Bewegung auf Dauer nicht aus.

„Auf dem Sofa sitzen reicht nicht“

BT: „Die Gelegenheit ist günstig für ein utopischen Projekt“, schreiben Sie in Ihren Gedanken zu den sechs neuen Grundrechten von Ferdinand von Schirach. Ist jetzt die Zeit für Utopien in Europa?
Ehret: Ja, denn Utopien sind oft in schwierigen und krisenhaften Situationen entstanden. Wir müssen den Menschen Europa wieder näherbringen. Die sechs Grundrechte von von Schirach nennen DIE Themen unserer Zeit, die allen auf den Nägeln brennen. Nicht von den Politikern geht diese Initiative aus, sondern von uns Bürgern. Das ist wichtig, denn die Menschen haben verstanden, dass unser demokratisches System kein Selbstläufer ist. Wir sehen heute, wie schnell Staaten in illiberale Demokratie abdriften können, siehe Ungarn und Polen. Wir bewegen uns auf einem schmalen Grat und nur Rotwein trinken, auf dem Sofa sitzen und die Schlechtigkeit der Welt beklagen, reicht nicht.

BT: Was ist am Sonntag in Baden-Baden bei der „Pulse-of-Europe“-Veranstaltung wegen Corona anders als früher?
Ehret: Wir freuen uns, dass wir die Veranstaltung wieder vor dem Theater abhalten können, ein wunderbarer Platz. Ich könnte mir keinen schöneren und geeigneteren vorstellen. Das Theater wird uns wieder unterstützen. Aber die Aktion wird – Corona geschuldet – kürzer sein. Es werden Hygienemaßnahmen eingehalten werden müssen, so dass wir auch auf die Menschenkette in bekannter Form verzichten müssen. Die Europahymne wird allerdings ertönen, live sogar und nicht vom Band. Dank dem Theater. Wir hoffen, dass die Menschen diesen positiven Impuls mitnehmen und dass dieser über die Coronazeit hinausreicht.

Vier Fragen an:“ ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.


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