Vier Fragen zu Click&Collect an Sabine Hagmann

Stuttgart (ml) – Der Einzelhandel leidet unter dem Lockdown. Ein Lichtblick ist Click&Collect: Im Internet bestellen und im Laden abholen. Doch wie kommt das an?

„Das Kaufverhalten der Kunden wird sich verändern“, sagt  Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands (HBW) Baden-Württemberg. Foto: HBW

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„Das Kaufverhalten der Kunden wird sich verändern“, sagt Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands (HBW) Baden-Württemberg. Foto: HBW

Zu Beginn des zweiten Lockdowns war das Geschäftsmodell in Baden-Württemberg nicht erlaubt, Waren durften nur ausgeliefert werden. Das stellte viele Händler vor kaum lösbare Probleme. Seit Mitte Januar dürfen die Kunden aber ihre Bestellungen im Laden abholen. BT-Redakteur Markus Langer wollte wissen, wie das ankommt und hat dazu Sabine Hagmann befragt. Sie ist die Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg (HBW).

BT: Frau Hagmann, für welche Branchen ist Click&Collect besonders geeignet und wo ist das Angebot nur schwer umsetzbar?
Sabine Hagmann: Click & Collect ist – im Gegensatz zum Lieferservice – eine für die Händler schnell umsetzbare Maßnahme. Sie ist daher im Prinzip für alle Branchen des Handels geeignet. Click & Collect dient im Übrigen auch der Kundenbindung. Wir haben uns eindringlich dafür eingesetzt und letztendlich eine Rücknahme des anfangs durch die Landesregierung verhängten Verbots von Click & Collect erreicht.

BT: Gibt es erste Erfahrungswerte bezüglich der Akzeptanz?
Hagmann: Der Handel hätte es besonders vor Weihnachten brauchen können. Jetzt im Januar war die Akzeptanz nicht ganz so groß. Aber im Buch-, Elektro- und Blumenhandel wird es dennoch gut genutzt, im Modehandel im überschaubaren Maße.

BT: Viele kleinere Händler haben kein oder nur ein sehr überschaubares Internet-Angebot. Ist die Digitalisierung für sie überhaupt eine zielführende Option?
Hagmann: Auf jeden Fall. Das Kundenverhalten wird sich insbesondere im Angesicht der Pandemie verändern. Deshalb ist die Digitalisierung des Handels unerlässlich. Hierzu bietet der HBW mit Unterstützung des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg Beratungsangebote an, darüber hinaus kann eine großzügige Prämie beim Land beantragt werden, die bei der Digitalisierung des Handels helfen soll. Interessenten können sich gerne an den Handelsverband Baden-Württemberg wenden. Daneben gibt es im „Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Handel“umfangreiche Beratungsangebote und Anregungen für den digitalen Umbau des eigenen Betriebs. In dem vom Handelsverband Deutschland (HDE) federführend betriebenen Angebot geht gerade „DigitalNavi Handel“ an den Start, eine umfangreiche Übersicht über technologische Möglichkeiten zur Digitalisierung des stationären Handels. Die Nutzer der Plattform bekommen die entscheidenden Kriterien zur sinnvollen Auswahl von Technologien für das eigene Geschäft an die Hand. Gleichzeitig wird ein Einblick in die unmittelbar verknüpfte Customer Journey gegeben, die Unternehmen dabei hilft, den Einkaufsprozess der eigenen Kundschaft noch genauer zu verstehen und somit das Einkaufserlebnis durch gezielte Services zu verbessern.

BT: Glauben Sie, dass sich das Käuferverhalten durch die in der Pandemie teilweise erzwungene Hinwendung zum Onlinehandel auch nach Corona verändern wird?
Hagmann: Wie gesagt: Die Digitalisierung des Handels ist unerlässlich, denn das Kaufverhalten der Kunden wird sich verändern. Händler sollten, wenn irgendwie möglich, nach dem Omnichannel-Konzept verfahren, das bedeutet, sich und ihre Dienstleistungen auf allen möglichen Kanälen anbieten – sowohl stationäre als auch online.

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Vier Fragen an:“ ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.

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Erstellt:
7. Februar 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
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